Kategorie
Autor:innen
Jahr

Orangenjus von der Regionalbuspresse

Ganz einfach «weiter» heisst die mobile Ausstellung von Kunsthalle(n) Toggenburg und arthur junior. An drei Samstagen zeigten und zeigen die Kunstvermittler im Toggenburg, wie Ausser-Toggenburger mit dem Thema umgehen. von Michael Hug
Von  Gastbeitrag

Beim Buswendeplatz am Bahnhof Wattwil spielt sich am letzten Samstagnachmittag Seltsames ab. Wenn grad kein Bus auf den Platz fährt, zieht ein kleiner roter Spielzeug-Ferrari einsam seine Runden, sucht recht erratisch seinen Weg auf der imaginären Strasse. Steuert hier jemand aus dem Hintergrund das Luxusspielmobil, oder spielt seine Elektrik verrückt? Nichts von beidem, das Auto sei so programmiert, sagte sein Besitzer Robin Michel: «Es ist ein selbstfahrendes Fahrzeug, seine Steuerung ist der Zufall. Er macht, was sein Programm ihm sagt.» Das Programm aber sei so geschrieben, dass er sich möglichst frei bewegt und seine Steuerbewegungen von aussen nicht nachvollziehbar oder vorhersehbar erscheinen. Was das Auto also tut, weiss selbst sein Programmierer nicht: «Könnte schon sein, dass er plötzlich vom Platz fährt und abhaut!»

Doch der zurückhaltend programmierte Ferrari haut nicht ab. Absolute algorithmische Freiheit täte ihm, auch wenn er bloss ein Spielzeug ist, ein teures zwar, wohl schon nach wenigen Metern auf der angrenzenden Bahnhofstrasse nicht mehr gut. Doch neben dem «Jöh»-Effekt wirft das Objekt des jungen Künstlers Robin Michel Fragen auf: Wäre es immer noch cool, einen Ferrari zu fahren, wenn der sich autonom fortbewegen würde? Was wäre mit seiner Symbolik, wenn man ihm und seiner Programmierung völlig ausgeliefert wäre? Wäre man dann auf einem Roller Coaster nicht besser aufgehoben? Vielleicht aber ist die Antwort eine ganz andere: Endlich kann ich meinem Sohn einen Ferrari kaufen, bevor er den Führerschein macht.

Arrivierte und frische Kunstschaffende

Weiter geht’s im Toggenburg. Zehn Ausstellungen, zehn «arthur», hat die Kunstvermittlungsgruppe  Kunsthalle(n) Toggenburg in den letzten elf Jahren an aussergewöhnlichen Orten im Toggenburg gezeigt. Ein Jahr war dann Pause, nun geht es weiter mit «weiter». Acht Künstler und Kunstkollektive hat man für die elfte «arthur» eingeladen und erstmals auch den jungen «arthur junior» ins Boot genommen. Demokratisch hat man sich die Anzahl der Künstler geteilt, so kamen vier arrivierte Kunstschaffende und vier frische zusammen. Das Thema «weiter» war weit gefasst, angesprochen werden sollte alles, was sich unter den Begriff packen lässt: weitergehen, weitermachen oder weiterhin nichts tun, räumlich, sozial oder virtuell.

Weiter
Finissage: Samstag, 23. September, 15-18 Uhr
Dorfplatz Unterwasser

Oder visuell. Das immer weiter drehende Karussell von Konsum und Verbrauch zeigt auf dem Bahnhofplatz die ad-hoc-Tanzgruppe von Gisa Frank. Wie auf Befehl ziehen Einkaufswägeli um Einkaufswägeli am Publikum vorbei, exakt nach der Taktangabe der (Werbe-)Trommel. Ein kurzer Schwatz hie und da, dann aber sofort wieder rennen, den Schnäppchen nach. Doch da gibt es noch etwas Besseres: den Bus zur Einkaufstour über die Grenze. Als der Halt macht, gibt es kein Halten mehr. Die Einkaufswägeli bleiben verlassen stehen, und der Bus fährt voll bis unters Dach zum lockenden Einkaufstempel. Von ennet der Bahnhofstrasse kann die real existierende Migros nur zugucken.

Mühsam wie einst im Mittelalter

Eine Woche zuvor verorteten die Macherinnen und Macher von «weiter» die Vernissage auf die zerbröckelten Grundfesten der Burg Rüdberg nahe Oberhelfenschwil. Exakt auf dem Gelände einer Ruine, in der seit Jahrhunderten nichts ausser dem Zerfall weitergeht. Dem entgegenstemmen wollte sich das Collectif Chuglu aus Marseille. Die jungen französischen Kunststudenten bauten mit «Water Walling» – die Kunst des Mauerbaus mit Wasser – die Mauern symbolisch wieder auf. Das Wasser schöpften die Franzosen aus der 50 Meter tiefer liegenden Thur, mühsam wie einst im Mittelalter mit einem Flaschenzug. Mörtel und Steine ersetzten sie mit Agar Agar, einem Geliermittel, das im gekochten Wasser zu Bausteinen wurde.

«You are completely wrong!» sagte Matthias Rüegg mit seiner Standschrift am Ort der Vernissage. Eine Woche später, an der Midissage meint er dann ebenso stumm geschrieben: «Please wait over there!» Und sie warten, die Zuschauenden, bis der nächste Regionalbus kommt und über die Orangenpresse fährt. «Jus d’orange!» ruft einer vom Collectif Chuglu. Was das mit dem gegebenen Thema zu tun hat, bleibt offen, ebenso die inszenierte Hochzeit mit einem Bus. Der wiederum seinem Bräutigam zwar davonfährt, aber immerhin bei seiner Fahrt über den Ricken mit einem weissen Schleier den kreuzenden Jungbussen mitteilt: «Ich bin schon verheiratet!»

 

 

 

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01