Zehn Jahre lässt der Verein Kunsthallen Toggenburg seinen Arthur schon durchs Toggenburg nomadisieren. Arthur hat dabei höchste Höhen (arthur#7 / Sellamatt 2012), tiefste Tiefen (arthur#4 / Dietfurt 2009), entfernteste Weiten (arthur#6 / Eschen/FL 2011) und nächste Nähen (arthur#10 / Wattwil 2015) erlebt.
Der Ausstellungs-, Performance- und Installationszigeuner Art-Thur ist heuer zum Teenager geworden, doch eigentlich ist er schon längst erwachsen. Im Tal der Thur ist er ein Begriff für zeitgenössische Kunst, ein Synonym für auffallende Interventionen mit sinkendem Aufmerksamkeitsdefizit.
Arthurs Väter und Mütter – der Verein Kunsthallen Toggenburg – haben sämtliche pubertären Anfälle ihres Zöglings weggesteckt. Verständlich, dass sie sich jetzt, da Arthur in die Adoleszenz übertritt, eine Ruhepause wünschen. Besonders die zehnte Arthur, die Installation Jan Käsers (Bild oben) an den Mauern des ehemaligen Klosters in Wattwil hat den Verein über den Winter 15/16 organisatorisch und personell stark gefordert. Ein halbes Jahr dauerte die Ausstellung, neben der Vernissage und der Finissage wurden mehrere Rahmenevents organisiert.
«Es brauchte Zeit, bis die Installation ankam und bewusst gesehen wurde. Und jetzt ist von verschiedenen Seiten zu vernehmen, dass die weissen Tücher an der Mauer fehlen», sagte Kunsthallen-Präsident Roland Rüegg anlässlich der 10. Hauptversammlung am 4. Juli.
Ein guter Moment
Zehn Jahre sind auch für ihn der Anlass, die Führung der Kunsthallen weiterzugeben, sagte Rüegg und vollzog seinen schon vor Monaten angekündigten Rücktritt. Er bleibt aber weiter im Vorstand. Neu gewählt wurde Leo Morger, altgedientes Gründungs- und Vorstandsmitglied. Insofern handelt es sich beim Präsidentenwechsel um eine Rochade im Vorstand. Morger ging in seiner Antrittsrede auf die Pläne des kommenden, elften Kunsthallenjahres ein. Solche gebe es jedoch keine: «Nachdem uns die zehnte Arthur doch enorm gefordert hat, möchten wir ein Sabbatical einlegen.»
Leo Morger (Bildmitte), neuer Präsident der Kunsthallen Toggenburg, rechts hinten Roland Rüegg, sein Vorgänger.
Eine Kunstpause, Zeit um durchzuatmen, sich zu sammeln und zu orientieren: Dies bedeute aber nicht, dass man nichts tue. Der neue Präsident und sein Team waren im Hintergund bereits aktiv und richten den Blick in die Zukunft: «Wir haben im Frühjahr getagt und eingehend über die Strategie diskutiert.»
Warten auf Arthur 2017
Offensichtlich hat man erkannt, dass die alte Strategie so schlecht nicht war, denn die neue unterscheidet sich nur in einem Punkt von der alten. Vom Grundsatz, weiterhin aktuelle Kunst im Toggenburg zu zeigen, wolle man nicht abkommen, sagte Morger. Festgelegt wurde auch, dass man sich, ähnlich wie beim Start im Jahr 2006, als ein Sieben-Jahres-Plan aufgelegt wurde, nach der Pause auf die nächsten fünf Jahre ausrichten möchte.
Wesentlich neu ist, dass man bei diesen fünf Ausstellungen auf Koorporationen setzen will: «Wir wollen mit Leuten, Vereinen oder Institutionen aus dem Toggenburg auf irgendeine noch herauszuarbeitende Art Zusammenarbeiten eingehen.» Es seien schon gewisse Ideen angedacht worden – spruchreif sei noch nichts. Leo Morger: «Klar sind im Moment nur zwei Tatsachen: Es gibt in diesem Jahr keinen Arthur. Der nächste wird im September 2017 irgendwo im Tal auftauchen!»
Arthur junior aber gibt es – und wie! Am 9. Juli geht es los in Wil, mehr dazu hier und hier.
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