«Wie war der Sex?», «Was gefällt dir?», «Worauf hättest du mal Bock?» – Über Sex reden wir am liebsten nur im ganz privaten Rahmen. Und sogar dort hindert uns die Scham oft daran, Dinge beim Namen zu nennen. Das möchte die Gesprächsreihe «Luscht & Luune» ändern. Professionelle, ehrliche und lustige Antworten warten auf das Publikum.
Initiiert hat das Format die St.Galler Sexologin, Psychologin und Paartherapeutin Tamara Altermatt. Zusammen mit dem Sexologen Baluu Lehmann und der Psychologin Stephanie Karrer waren sie bereits in Zürich zu sehen. In dieser ersten Ausgabe ging es um Verführung. Rückblickend sagt Altermatt: «Es war eine rege Diskussion mit vielen guten Fragen. Ich glaub es gelang uns, einen angenehmen Rahmen zu schaffen, um Privates zu teilen.»
Eine Sprache finden
Über Sex sprechen heisst das Thema der St.Galler Ausgabe. «Wir fragen uns, wie wir in unseren Beziehungen, Freundeskreisen und in der Gesellschaft generell über Sex reden», erklärt Altermatt. «Welche Sprache verwenden wir dafür? Wofür haben wir überhaupt eine, und wofür nicht?». Gesellschaftliche Tabus spielen dabei genauso eine Rolle wie fehlende Aufklärung. «Beides beeinflusst unsere Lust und wie wir miteinander intim sind.»
Luscht & Luune: 22. Oktober, 19 bis 21 Uhr, 1733 Restaurant und Weinbar, St.Gallen
Tickets: fühlsch.ch
Sex auf der Leinwand, in der Werbung und um Musikvideo – Erotik, Anziehung und Lust sind fast überall zu finden. «Wir leben in einer hoch sexualisierten Welt.» Es seien Bilder, die unsere Sexualitäten prägen, so Altermatt. «Viele glauben, nicht genug zu sein oder nicht genug zu wissen. Das verursacht für viele Stress.» Weil es ein so privates Thema sei, werde in den Beziehungen sehr unterschiedlich darüber gesprochen. Dazu kämen unterschiedliche Erziehungsformen und Kulturen. «Das führt zu Konflikten. Sowohl in zwischenmenschlichen Beziehungen als auch bei persönlichen Identitätsfragen.»
Obwohl uns Sexualität ständig umgebe, fehle vielen dafür die Sprache, sagt Altermatt. «Für Genitalien fehlen uns oft die Begriffe. Viele kennen den Unterschied zwischen der Vulva und der Vagina nicht. In der Folge haben auch viele Mühe, zu benennen, worauf sie stehen, wo sie berührt werden wollen, was sie anzieht.»
Fragen erwünscht
Offen darüber reden, Neues lernen, Experimente wagen – all das ist aber oft einfacher gesagt als getan. Sich von einer verletzlichen Seite zeigen braucht Mut. Die Devise von Altermatt: Üben! «Wir brauchen einen Diskurs darüber, neue und sichere Räume und mehr Aufklärung bei Kindern und Jugendlichen.»
Der Abend ist in zwei Teile gegliedert. In der ersten Hälfte teilen die drei Expert:innen Erfahrungen, Geschichten und Wissen zum Thema. In einem zweiten Teil kann das Publikum anonym mit dem Smartphone Fragen stellen, die dann beantwortet werden.
Das Publikum erwartet aber keinen Kursabend, sondern ein unterhaltsamer Abend, der Gesprächsstoff für die nächste Znünipause liefern soll. Am 13. November geht die Reihe weiter in Frauenfeld. Thema dann: Die Lust.
Die erste Ausgabe in Zürich
Das audiovisuelle Pleasure-Festival «Glitch» will St.Gallen auch mal etwas zutrauen und bringt ab Freitag ein breites Programm rund um Sexualität, Körper und Gender in die Grabenhalle und ins Palace – und fördert damit auch ethische Pornografie mit künstlerischem Anspruch.
Am Wochenende fand zum ersten Mal das Glitch-Festival in St.Gallen statt. Es wollte queerfeministische, inklusive Räume gestalten, veraltete Strukturen aufbrechen und die Diversität der Lust zelebrieren. Der Festival-Rückblick.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium