, 4. Dezember 2017
keine Kommentare

Qualität wird belohnt

Im Palace St.Gallen wurden am Sonntagabend junge Filmemacherinnen und Filmemacher ausgezeichnet: Zum siebten Mal wurden die Preise des Ostschweizer Kurzfilmwettbewerbs vergeben. Philipp Bürkler war dabei.

Szene aus «Der Aufstand der Verdammten» von Linus Stiefel.

Das Palace St.Gallen ist seit mehr als zehn Jahren kein Kino mehr. Am Sonntagabend waren die bequemen roten Sessel dennoch fast bis auf den letzten Platz besetzt. Zu sehen gab es 28 Kurzfilme von jungen Filmemacherinnen und Filmemachern aus der Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Prämiert wurden die Filme in drei Kategorien U20, Ü20 und Musikclips. Die Gewinnerinnen und Gewinner erhielten Preise im Gesamtwert von 9000 Franken.

Die Filme jeder einzelnen Kategorie dauerten knapp eine Stunde. Anschliessend wurden jeweils direkt die Preise verliehen. Ausgewählt wurden die Filme von einer vierköpfigen Jury bestehend aus Filmemacher Thomas Karrer, Kameramann Martin Rickenmann, Filmwissenschaftlerin Eleonora Farinello und Trickfilmer Simon Oberli. Moderiert wurde der Abend vom Bühnen-Poet Ralph Weibel.

Das Spektrum an Genres war gross. Zu sehen gab es Animationsfilme, Dokumentarfilme oder Clips, die künstlerisch mit sehr vielen visuellen Effekten umgesetzt wurden. Die Menge an Einsendungen war dieses Jahr geringer als 2016, die Qualität dafür höher. «Letztes Jahr hatten wir rund 80 Einsendungen, dieses Jahr nur etwas über 60», erklärt Lukas Hofstetter, einer der Organisatoren des Kurzfilmwettbewerbs. Dennoch sei die Qualität der Filme dieses Jahr höher gewesen. «Die gezeigten 28 Filme waren auf einem sehr hohen Niveau.»

Auch wenn bei einigen Filme etwas gar viel mit Effekten gearbeitet wurde oder teilweise beim Ton die Verständlichkeit etwas gelitten hatte, merkte man allen Produktionen an, dass sie mit viel Herzblut und Aufwand produziert worden sind.

In der Kategorie der unter 20-Jährigen haben die beiden Jungfilmer Lucas Ackermann und Ying-Kai Dang aus Mels den ersten Preis mit ihrem Film Malmö gewonnen.

In der Kategorie der 20- bis 30-Jährigen hat Linus Stiefel aus St.Gallen mit seinem Kurzfilm Der Aufstand der Verdammten den ersten Platz gewonnen. Der Film zeigt eine Schwarzweiss-Animation, die einen Bezug zu Asien und Litauen herstellt. Mit seinem Film wolle er bewusst etwas Verwirrung stiften, erklärt der Kunststudent, der im vergangenen Jahr bereits einen Anerkennungspreis von 200 Franken erhalten hat. «Narrative haben mich schon immer fasziniert, meine Vorbilder sind Disney oder auch Manga-Filme.»

Und in der Kategorie Musik-Clips haben Samuel Dütsch, Vanja Vukelic uns Mattia Ferrari aus Uzwil den Preis erhalten für das Video Liquor Liquor von Mama Jefferson.

 

«Bei den Musikvideos sehen wird dieses Jahr den grössten Fortschritt», sagt Lukas Hofstetter. Tatsächlich waren neben dem Clip von Mama Jefferson praktisch alle Musik-Clips auf professionellem Niveau gedreht. So auch der Platz zwei, Crimer und Badface, sowie den doppelt belegten dritten Platz von Gion Stump & The Lighthouse Family mit Moments und Panda Lux mit dem Song Hongkong.

Amüsant war auch der Film der Schauspielerin Stefanie Alder. Für ihren Kurzfilm Casting erhielt sie einen Anerkennungspreis im Wert von 200 Franken. Im Film wird sie als Modell gecastet und aufgefordert, ein Blatt Papier höher zu halten. So hoch, bis es schliesslich ihr Gesicht vor der Kamera verdeckt.

Beim anschliessenden Fotoshooting auf der Bühne wurde Alder aus dem Publikum aufgefordert, das Blatt mit dem Preisgeld höher zu halten. «Höher, höher» riefen einige aus dem Publikum und nahmen so ironisch Bezug auf ihren Film.

In seiner Einfachheit überzeugt auch Helwetika von Martynus Jekentaite. Ein Kurzfilm, der zeigt, dass es ganz wenig braucht, um eine grosse Wirkung zu erzielen. Jekentaite erhielt immerhin einen Anerkennungspreis von 200 Franken.

Gegen Ende der Veranstaltung sorgte eine weitere Gewinnerin für Lacher im Publikum, als sie sagte, sie gehe mit ihrer Crew nun zur Feier des Tages bei Mc Donalds essen. «Ich komme nicht mit», sagte Moderator Ralph Weibel darauf kritisch. «Nicht wegen euch, sondern wegen Mac Donalds.»

Es bleibt spannend, zu beobachten, wie sich die einzelnen jungen Filmemacherinnen und Filmemacher in den kommenden Jahren entwickeln. Der Anlass zeigt, dass es auch in der Ostschweiz für Filmemacher durchaus Potenzial gäbe, sich national zu etablieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Impressum

Saiten

 

Ostschweizer Kulturmagazin
Frongartenstrasse 9
Postfach 556
9004 St. Gallen

 

Telefon: +41 71 222 30 66

 

Redaktion

Corinne Riedener, Peter Surber, Frédéric Zwicker, Michael Felix Grieder, Claudio Bucher

redaktion@saiten.ch

 

Verlag/Anzeigen

Marc Jenny, Philip Stuber

verlag@saiten.ch

 

Anzeigentarife

siehe Mediadaten

 

Sekretariat

Irene Brodbeck

sekretariat@saiten.ch

 

Kalender

Michael Felix Grieder

kalender@saiten.ch

 

Gestaltung

Samuel Bänziger, Larissa Kasper, Rosario Florio
grafik@saiten.ch

Saiten unterstützen

 

Saiten steht seit über 20 Jahren für kritischen und unabhängigen Journalismus – unterstütze uns dabei.

 

Spenden auf das Postkonto IBAN:

CH87 0900 0000 9016 8856 1

 

Herzlichen Dank!