Werke aus vier Kategorien wurden am Donnerstagabend im Palace St.Gallen mit dem Ostschweizer Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Tätowierte Bösewichte in Rapvideos und geschwätzige Möwenpuppen – die Sieger waren überraschend, findet Luca Ghiselli.
Die Filmszene ist zu Gast im Palace St.Gallen – sie macht das Lokal für ein paar Stunden wieder einmal zum Kino, das es früher war. Der 3. Ostschweizer Kurzfilmwettbewerb steht auf dem Programm; in den vier Kategorien U20, Ü20, Umwelt und Musikclips sind 33 Kurzfilme nominiert und werden live prämiert. Den Anfang machen die Jungspunde.
Sonnenfeier
Der Stadtsanktgaller Sebastian Klinger ist in dieser Kategorie gleich dreimal nominiert. Seine Kurzfilme sind die einzigen mit Dialog. Sie haben Wiedererkennungswert und Aussagekraft. Etwas zu sehr Hollywood vielleicht, mit dramatischer Streichmusik und Actionszenen. Sein Film «Pius G.», der von der Verwandlung eines Bankers zur Frau handelt, schafft es in die Top 3. Aufs Siegerpodest steigen aber Vanessa Wüst und Lua Bertelli nit ihrem Streifen «Sunset», der mit intelligenter Kameraführung und passend eingesetzer Musik glänzt. Das Werk thematisiert die Liebe zur Sonne und die Sehnsucht nach ihr, szenisch verarbeitet in weniger als fünf Minuten Film.
Draussen während der ersten Pause raunt es indes leise Kritik an der Entscheidung der Jury: «Etwas zu artsy fartsy» und «Die Kameraführung war toll, aber die Geschichte geht irgendwie nicht auf», meinen einige Palace-Besucher.
In der vom WWF ins Leben gerufenen Kategorie «Umwelt» stehen nur zwei nominierte Streifen zur Auswahl. Der Sieger: «D Wolfsgschicht» von Luca Steiner, Manuel Wenk und Marc Welschinger. Spannungsaufbau, Pointe, Message: Ihr Film, der mit Vorurteilen über den Wolf aufräumt, erfüllt alle Kriterien, um der verdiente Sieger zu sein.
Schattenkrieger
Nach einer kurzen Verschnaufpause geht’s weiter. Die Filme der Kategorie Ü20 heben sich bezüglich Machart und Storytelling von denen der «Junioren» ab. Ein Puppen-Animationsfilm sticht aber alle Action- und Dokumentarstreifen aus: Nicole Faude holt den ersten Preis mit «Möwäpick», einem Kurzfilm über zwei Möwen an der Bar und ihren Kampf um Knabberfische. Der Film besticht durch Witz und technische Machart.
Als Schlusspunkt des Abends werden zehn Musikclips gezeigt. Man erkennt einige bekannte Gesichter wie Manuel Stahlberger und Neckless. Diese schaffen es aber nicht in die Top 3. Es siegt Raphael Itten mit einem Rap-Clip zum Song «Krieger des Lichts» des österreichischen Hip-Hop-Künstlers Raf Camora. Düster inszeniert, mit bösen Jungs und unheimlichen Gestalten. Darüber thront der Rapper. «Wenn ich will, fick ich Rap bis auf die Knochen», heisst es, während ein tätowierter Muskelprotz ein angeleintes Krokodil zur Schau stellt. Grosses Kino.
Wers verpasst hat: Die Siegerfilme sind ab Samstag, 21.Dezember, unter kurzfilmwettbewerb.ch aufgeschaltet.
Bilder: Kasimir Höhener
Das Kroko:
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Filminstallation über Vergänglichkeit
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