Dreissena rostriformis bugensis hat dem Projekt am Ende einige Zusatzschlaufen eingebrockt. Sie hat auch sonst einen zweifelhaften Ruf: Die Quagga-Dreikantmuschel, ursprünglich im Schwarzen Meer beheimatet und 2016 erstmals im Bodensee entdeckt, vermehrt sich seither massenhaft und klemmt sich an allem fest, von Schiffsmotoren bis zu Trinkwasser-Ansaugrohren. Ein Problem, das sich, wenn überhaupt, nur länderübergreifend lösen lässt, denn Muscheln kennen keine Grenzen – und wären damit ein ideales Symbol für die Internationale Bodenseekonferenz IBK. Diese ist vor 50 Jahren gegründet worden, damals um der Seeverschmutzung durch Abwässer Herr zu werden, eine frühe Erfolgsgeschichte grenzüberschreitender Planung. Heute arbeiten unter dem Dach der Bodenseekonferenz sechs Kantone, drei Bundesländer und ein Fürstentum zusammen.
Diese Saitenausgabe ist in Kooperation mit der jubilierenden IBK entstanden und von ihr mitfinanziert. Was ist der Bodenseeraum, gibt es ihn real oder nur als Behauptung, wie funktioniert er und wo klemmt es im trinationalen Zusammenleben? Solchen Fragen gehen die Autorinnen und Autoren im Heft nach. Judith Schuck klopft bei den Clubs und Kulturhäusern um den See an: Kennt man sich überhaupt? Brigitte Herrmann schildert ihre Grenzgängerei im Rheintal. Karsten Redmann berichtet über den digitalen Wandel im Kulturbereich. Vroni Fischer diskutiert übers Hierbleiben oder Weggehen. Und IBK-Geschäftsführer Klaus-Dieter Schnell gibt im Interview Auskunft über Erfolge und Baustellen und über die Grenzen im Kopf.
Zudem hat die Saitenredaktion den See dreifach umrundet, per Velo, mit der Bahn und mit dem Töff – und dabei unter anderem festgestellt, wo es sich am besten radelt, wie es um Anschlüsse steht und auf welchen verschlungenen Wegen Strom, Wasser oder Abfälle die Grenzen überwinden. Schliesslich: eine inspirierte «Gebrauchsanweisung» für Vorarlberg, stellvertretend für weitere Regionen-Kurzporträts, die im Verbund mit anderen Kulturmagazinen entstehen und im Juni online auf saiten.ch erscheinen, begleitend zum Heft. Für die Bildstrecke hat sich Ladina Bischof, als Arbonerin mit dem Bodensee per Du, aufs Schiff begeben.
Ausserdem im Heft: die 30-jährige Aida und das erste Makers Festival, das Kulturgeschehen im weitverzweigten Saiten-Bodenseeraum und der «Redeplatz» mit dem St.Galler Autor und Rollstuhlfahrer Christoph Keller, der auf eine «radikale Normalisierung» im Zusammenleben von behinderten und nicht behinderten Menschen hofft – natürlich über alle Grenzen hinweg.
Was es im übrigen mit den Komplikationen um Dreissena rostriformis bugensis auf sich hat und mit dem Container, mit dem die IBK bis Ende Juli auf Tournee im Bodenseeraum ist: Seite 39. Und wer mit Saiten weiterhin grenzsprengend informiert sein will: saiten.ch/abo.
Peter Surber
ReaktionenViel geklicktBildfangPositionen – Licht und SchattenRedeplatz mit Christoph KellerNebenbei gay von Anna RosenwasserWarum? von Jan Rutishauser
Im E-Bike-Paradies: Wer hat die besten Velorouten, und was sind Saiten-Würstle? Ein Fahrbericht mit dem Normalbike. Von Corinne Riedener
Entschleunigt um den See: Unterwegs mit der Bahn und zu Fuss in einer Landschaft, die für Müssiggang gemacht scheint. Von Peter Surber
Bodensee-Handel: Wasserkraft, Spitzenlasten, Abwasser und Abfallhandel – mit dem Töff auf Ressourcen-Reportage. Von Roman Hertler
Clubs und Kulturhäuser: Nutzen sie die Potentiale der Kulturregion Bodensee? Eine Umfrage von Caserne bis Poolbar. Von Judith Schuck
Weniger Lohn, mehr Feiertage: Erfahrungen einer Grenzgängerin, die im Rheintal in der falschen Richtung pendelt. Von Brigitte Herrmann
Nicht zu vergessen deine Kühe. Eine Gebrauchsanweisung für Vorarlberg. Von Wolfgang Mörth
Provinz ist eine Frage des Standpunkts: Veronika Fischer und Philipp Schönthaler im Gespräch über Hierbleiben oder Weggehen.
Wie begegnet Kulturförderung dem digitalen Wandel? Eine Debatte der IBK – und Fragen an die Künstlerin Sarah Elena Müller. Von Karsten Redmann
Was verbindet, was trennt? Und wie weit sind Berlin, Wien und Bern? Antworten im Interview mit IBK-Geschäftsführer Klaus-Dieter Schnell. Von Peter Surber
Im Container um den See. Das Jubiläumsprojekt der IBK.
Bilder: Ladina Bischof
Wie wird man eine gute Schauspielerin? Und wie vergisst man vor lauter Texten den Rest der Welt nicht. Die Flaschenpost aus Potsdam. Von Paula Schindler
Am ersten Maker-Festival öffnen St.Galler Ateliers und Hackerspaces ihre Türen und laden zum Workshop. Teilen statt konsumieren heisst die Devise. Von Philipp Bürkler
30 Jahre Aida: Die Schule für fremdsprachige Frauen in St.Gallen blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Drei Auszüge aus der Jubiläumspublikation.
Die Ausstellung «Beziehungsstatus: Offen» in Friedrichshafen untersucht länderübergreifende Geflechte zwischen Kunst und Literatur. Von Richard Butz
Der Dokfilm #387 erzählt entlang von Beweisstücken und Aktenbergen von den tödlichen Folgen der Festung Europa. Von Corinne Riedener
Signer, die tote Katze und der Pudel: Die «Night Collection» in einer ehemaligen Appenzeller Beiz.Von Kristin Schmidt
Der Mundart-Lüüriker und Schriftsteller Peter Morger hat auch fotografiert. Die Sichtung seines Nachlasses ist jetzt als Buch erschienen. Von Roman Hertler
Der Working Atlas von Peter Z. Herzog entwirft ein Multiversum, das den Mainstream radikal herausfordert. Von Florian Vetsch
Von himmlischen Sphären bis zu Freud und Leid hienieden: «Perfect Love» im Kunstmuseum St.Gallen. Von Sandra Cubranovic
Jazz im Stream, KZ in Überlingen, Obertöne in der Unterwelt, die Traummaschine, eine Klangperformance und ein Schlagergott: der Kulturparcours.
Abgesang
Kellers GeschichtenPfahlbauerComic
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.