, 1. September 2016
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Saiten im September: Her biji Azadi!

Kurdistan. Reportagen, Analysen
 und Gespräche mit Ostschweizer Kurden. Ausserdem: 9/11, Rheintal, Stahlberger. Und Wilhelm Tell auf den Philippinen.

YPG-Kämpfer unterwegs auf einen Berg bei Kobane, wo sie nach der Befreiung der Stadt ihre Flagge hissen wollen. (Bild: DIHA)

Es gibt diese Familie in Pratteln, eine Mutter mit zwei Kindern. Letztes Jahr sind sie aus dem Iran über die Balkanroute 
in die Schweiz geflüchtet. Weil sie der kurdischen Minderheit angehören, weil sie jahrelang vorgeben mussten, muslimisch zu glauben und zu leben, vor allem aber, weil der Vater desertiert ist, nachdem die iranische Armee von seiner Einheit verlangt hatte, mit dem syrischen Militär in den Kampf gegen Daesh zu ziehen. Seither sitzt er in Italien fest, die Familie ist auseinandergerissen. Wenn er und
 seine Tochter via Skype miteinander reden, machen sie das auf Persisch. Die Kinder können leider kein Kurdisch, hat uns die Mutter erklärt, denn im Iran sei diese Sprache verpönt. Offiziell verboten sei sie zwar nicht, aber es herrsche eine ideologische Unterdrückungspolitik.

So oder ähnlich geht es vielen Kurdinnen und Kurden. Einzig im Irak und in den autonomen Gebieten Syriens zählt Kurdisch zu den offiziellen Amtssprachen. In der Türkei zum Beispiel, wo die kurdische Bevölkerung mit fast 20 Prozent die grösste Minderheit darstellt, war ihre Sprache bis vor wenigen Jahren noch verboten. Mittlerweile darf zwar wieder Kurdisch gesprochen werden, allerdings nicht überall gefahrlos. Über einen rechtlichen Status, geschweige denn Bürgerrechte verfügt die kurdische Minderheit in der Türkei immer noch nicht.

Fragt man ein wenig herum, hört
 man so allerhand über «die Kurden»:
«Alle sind sie in der PKK!» – «Eine Partei voller Mittelalterkommunisten ist das, 
viel zu autoritär.» – «Der Westen soll sich gefälligst mal bedanken, immerhin bekämpfen sie für ihn den IS.» – «Ständig sind sie am Demonstrieren, aber wogegen genau?» Diese Liste ist unvollständig, zeigt aber exemplarisch, wie holzschnittartig das Bild manchmal ist. Die schätzungsweise 30 Millionen Kurdinnen und Kurden auf dieser Welt sind keineswegs eine homogene Gruppe, auch wenn sie momentan zumindest eines gemeinsam haben: Seit Daesh sich im Nahen Osten eingenistet hat, stehen sie im Fokus der Weltöffentlichkeit.

Die Entwicklungen in Nahost, die Situation der Kurden und nicht zuletzt auch obige Liste waren es, die uns zu diesem Heft angeregt haben. Wir wollten mehr wissen über den Kampf für die Freiheit und dieses Kurdistan, das Karl May nie bereist hat – und dann war da auch noch der Putsch. Çetin Gürer kommentiert ihn für uns aus kurdischer Sicht. Alfred Hackensberger berichtet vom Kampf der Syrischen Demokratischen Kräfte, Cenk Bulut von der autonomen Föderation Rojava
 und Curdin Capol vom Alltag der kurdischen Fussballmannschaft Amedspor SK. Zwei kurdische Aktivisten aus St.Gallen sind uns Red und Antwort gestanden, eben­ so die Musikerfamilie Dogan und Schriftsteller Jusuf Yesilöz.

Ausserdem im Heft: Vier Seiten zum traurigen Jubiläum von 9/11, zwei auf­ schlussreiche Seiten über unseren sommerlichen Saiten­-Trip ins Rheintal und ein vielseitiger Bücherherbst.

Corinne Riedener

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen

Blickwinkel von Jiří Makovec
Stadtpunkt von Dani Fels
Einspruch
Redeplatz
 mit Jürg Bläuer
Schöne neue Stadt I+II

 

Her biji Azadi!

«Eine lasche Politik zu machen, ist in Kurdistan nicht möglich»
Die kurdischen Aktivisten Zeynel Aslan und Metin Tekce im Interview.
von Corinne Riedener

«Riechen Sie das? Mit Rosen hat das nichts zu tun.»
Eine Reportage aus dem syrisch­kurdischen Kriegsgebiet.
von Alfred Hackensberger

Ein Hoffnungsschimmer
Die autonome kurdische Föderation Rojava.
von Cenk Bulut

«Her biji Azadi – Lang lebe die Freiheit»
Der türkisch­kurdische Drittligist Amed SK.
von Curdin Capol

Post­-Putsch­-Türkei: Quo vadis?
Ein Kommentar von Çetin Gürer

Ararat und Hundwilerhöchi
Eine Begegnung mit dem Autor und Filmer Yusuf Yesilöz.
von Peter Surber

Kurdistan rockt
Die Band der St.Galler Familie Dogan und ihre Protestsongs.
von Peter Surber

Die Bilder zum Titelthema aus dem kurdischen Kriegsgebiet stammen von der Agentur DIHA. Die Porträts in St.Gallen fotografierte Hannes Thalmann.

 

Perspektiven

Flaschenpost
 aus Baltschik von Richard Butz
Vorarlberg
Thurgau
Schaffhausen
Rapperswil-Jona
Stimmrecht von Yonas Gebrehiwet

#Saitenfährtein: Rheintal

Teil sieben unserer Besuche in der Agglo rund um Gross-St.Gallen: Provinzler international und Bars mit Charme
von Fréderic Zwicker und Corinne Riedener

15 Jahre 9/11

Reflexe der Katastrophe im Tagebuch und in Essays.
von Christoph Keller und Florian Vetsch

Kultur

Bücherherbst: Neue Romane von Frédéric Zwicker, Lisa Elsässer und Annette Hug, Rom-Notate von Erica Engeler und Karl A. Fürer.
von Claire Plassard, Peter Surber, Rainer Stöckli und Peter Müller

Stahlberger solo im Kristalltunnell
von Michael Felix Grieder

Das neue Bündner Kunstmuseum ist ein Wurf.
von Ursula Badrutt

Frauenbande, Frauenbadi, Töne aus der Stille
von Corinne Riedener, Michael Felix Grieder und Peter Surber
Gilgi Guggenheims Museum der Leere
von Adrian Riklin

Schwarzaufweiss

 

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

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