Das Herz von Panda Lux schlägt wieder

Seit fast 20 Jahren gemeinsam unterwegs: Panda Lux mitMoritz Widrig, Silvan Kuntz, Janos Mijnssen und Samuel Kuntz (von links). (Bild: Sina Meyer) 

Panda Lux haben mit Herz ein fantastisches neues Album veröffentlicht. Es handelt von der Liebe, von Trennung, aber auch von der Suche nach sich selbst. Damit trifft die Rorschacher Indie-Pop-Band voll ins Herz.

Oh­ne Ge­hirn und oh­ne Herz kommt man nicht weit. Die Fra­ge aber, ob man der Ver­nunft oder dem Ge­fühl fol­gen soll, kann ei­nem – je nach Trag­wei­te – or­dent­lich Kopf­zer­bre­chen be­rei­ten. Wer auf die Ver­nunft setzt, kommt viel­leicht et­was wei­ter im Le­ben. Doch wer sich für das Herz ent­schei­det, hat ver­mut­lich eher die Chan­ce, das Glück zu fin­den. 

Herz. So ha­ben Pan­da Lux ihr neu­es Al­bum be­nannt, nach dem Sym­bol der Lie­be und des Le­bens. Und ge­nau­so wie das Herz un­se­re Ge­füh­le um­schliesst, dient der Al­bum­ti­tel als in­halt­li­che Klam­mer. Die zwölf Songs han­deln von Lie­be, Tren­nung, das Sich-lö­sen-wol­len-aber-nicht-kön­nen, Herz­schmerz, Ver­söh­nung. Es geht aber auch um Selbst­ak­zep­tanz, Selbst­sor­ge oder Selbst­fin­dung. Sän­ger Sil­van Kuntz ver­knüpft in den Tex­ten all die ver­schie­de­nen The­men ly­risch wun­der­bar mit­ein­an­der. 

«Das Al­bum passt zu mei­nem Al­ter», sagt der 31-Jäh­ri­ge mit ei­nem La­chen. Als Mitt­zwan­zi­ger be­sang er auf dem 2020 ver­öf­fent­lich­ten Vor­gän­ger Fun Fun Fun das mit­un­ter am­bi­va­len­te Le­bens­ge­fühl von Gleich­alt­ri­gen, das von Selbst­zwei­feln, Un­si­cher­heit und der Sinn­su­che ge­prägt ist. Jetzt al­so ge­wis­ser­mas­sen der nächs­te Schritt, die di­rek­te Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst. «Und die Fra­ge: Wel­che Schlüs­se zie­he ich dar­aus?», wie Kuntz sagt. 

Herz ist ein fan­tas­ti­sches Po­p­al­bum. Das Al­bum lebt von ei­ner un­ge­heu­ren klang­li­chen Viel­falt, die Songs neh­men im­mer wie­der über­ra­schen­de Wen­dun­gen, und den­noch ver­lie­ren Pan­da Lux nie den Fa­den. Und Herz ist auch ein Sym­bol da­für, was die Band ih­ren Mit­glie­dern Sil­van Kuntz (Ge­sang/Gi­tar­re), Sa­mu­el Kuntz (Gi­tar­re), Ja­nos Mi­jns­sen (Bass/Syn­ths/Cel­lo) und Mo­ritz Wid­rig (Schlag­zeug) be­deu­tet. Da­bei war es ei­ne Zeit­lang gar nicht klar, ob es über­haupt ein wei­te­res Pan­da-Lux-Al­bum ge­ben wür­de. 

Das Be­dürf­nis, mal durch­zu­schnau­fen 

Im Sep­tem­ber 2022, we­ni­ge Wo­chen vor der Ver­öf­fent­li­chung der Blu­men-EP, zog sich das Quar­tett in ei­ne Berg­hüt­te im Bünd­ner­land zu­rück. Mit der Ab­sicht, in der Ab­ge­schie­den­heit ge­mein­sam wie­der ein paar «rich­ti­ge» Pan­da-Lux-Songs zu schrei­ben. Denn Blu­men war letzt­lich ein Song in neun ver­schie­de­nen Ver­sio­nen, bei de­nen die Band­mit­glie­der ge­wis­ser­mas­sen ein­zeln Re­gie führ­ten. 

Zu neu­en Songs kam es je­doch nicht. Viel­mehr ent­schie­den die vier Mu­si­ker in der Berg­hüt­te, die Band ein Jahr lang kom­plett auf Eis zu le­gen. «Wir ver­ein­bar­ten, uns im Au­gust 2023 wie­der zu tref­fen. Bis da­hin wür­de es nichts ge­ben, kei­ne Pro­ben, kei­ne Kon­zer­te, nur ab und zu ein ge­mein­sa­mes Nacht­es­sen», sagt Kuntz. Der Grund für die Pau­se sei nicht et­wa ge­we­sen, dass sie sich nicht mehr ver­tra­gen hät­ten. «Ei­ni­ge von uns hat­ten ein­fach das Be­dürf­nis, mal durch­zu­schnau­fen.» Denn seit der Grün­dung von Pan­da Lux vor 20 Jah­ren – da­mals noch als Free­style, spä­ter dann Lake­si­de Run­ners – ha­be die Band im­mer an ers­ter Stel­le ge­stan­den. «Wir sind seit 2008 in der glei­chen Kon­stel­la­ti­on und hat­ten in die­ser Zeit nie ei­ne Pau­se, in der wir ein Jahr lang nichts mach­ten. Ei­ni­ge Jah­re wa­ren in­ten­si­ver, in an­de­ren lief we­ni­ger, aber die Band war im­mer auf der Ta­ges­agen­da.»

Die Pau­se nutz­ten die vier Be­rufs­mu­si­ker für an­de­re Pro­jek­te. Sil­van Kuntz nahm als San Sil­van 2023 sei­ne ers­te So­lo-EP Lass mich los auf und ar­bei­te­te mit sei­nem Bru­der Sa­mu­el am De­büt ih­res Du­os Hoehn, das 2024 er­schien. Ja­nos Mi­jns­sen, Band­mit­glied bei Fa­ber, schrieb un­ter an­de­rem an des­sen Al­bum Ad­dio mit. Mo­ritz Wid­rig – wie Mi­jns­sen Thea­ter- und Film­kom­po­nist –, der am Thea­ter Bre­men ar­bei­tet, war in ver­schie­de­ne Pro­jek­te in­vol­viert, et­wa das Tech­no-Pop-Duo Ak­tom­ungg. Aus­ser­dem schrie­ben Wid­rig und Mi­jns­sen ge­mein­sam mit Xe­nia Wie­ner die Auf­trags­kom­po­si­ti­on zum 50-Jahr-Ju­bi­lä­um der Sing­schu­le St.Gal­len 

Die Ma­gie war so­fort wie­der da

Wie ver­ein­bart kam die Band im Au­gust 2023 im Stu­dio von Sa­mu­el Kuntz in Lu­zern wie­der zu­sam­men. Es sei ein be­wuss­ter Ent­scheid ge­we­sen, sich im Stu­dio zu tref­fen «und nicht bei je­man­dem von uns zu Hau­se zum Kaf­fee­trin­ken», sagt Sil­van Kuntz. Die Band hat­te sich zwei Wo­chen Stu­dio­zeit re­ser­viert, al­ler­dings oh­ne kon­kre­tes Ziel. Und mit of­fe­nem Aus­gang, wie der Sän­ger ein­räumt. «Als wir in die Pau­se gin­gen, war nicht klar, wie es mit Pan­da Lux wei­ter­ge­hen wird – und ob über­haupt.» Die Ant­wort auf die­se Fra­ge fan­den sie gleich bei der ers­ten Pro­be: «Wir fin­gen an zu jam­men, dann ha­be ich da­zu ge­sun­gen, ein­fach was mir ge­ra­de durch den Kopf ging – es wa­ren die Ge­füh­le nach der Be­zie­hung, die ich da­mals ge­ra­de ver­ar­bei­te­te. Dar­aus ist gleich ein neu­er Song ent­stan­den.» Und zwar Nie­mand, ein Stück über to­xi­sche Be­zie­hun­gen. 

Sil­van Kuntz hat­te vie­le Song­ideen da­bei, die in den Jah­ren zu­vor ent­stan­den wa­ren – teil­wei­se für die Band, teil­wei­se für sein So­lo-De­büt. In den fol­gen­den Ta­gen such­ten Pan­da Lux aus die­sem Fun­dus je­den Tag ei­nen an­de­ren Song aus, ar­bei­te­ten dar­an und nah­men ihn auf. So stand nach den zwei Wo­chen im Stu­dio das Grund­ge­rüst des Al­bums. Im fol­gen­den Früh­ling zo­gen sie sich in ein Stu­dio in Frank­reich zu­rück, wo sie die in Lu­zern ent­stan­de­nen De­mos «rich­tig» auf­nah­men und die Songs teil­wei­se – bis auf den Ge­sang – ge­mein­sam live ein­spiel­ten. «Das hat­ten wir schon lan­ge nicht mehr ge­macht», sagt Kuntz. Auch die­se Le­ben­dig­keit hört man dem Al­bum an. 

Im Herbst 2024 war Herz fer­tig. Dass es erst jetzt er­scheint, hat zum ei­nen da­mit zu tun, dass die vier Band­mit­glie­der auch im zu­rück­lie­gen­den Jahr mit an­de­ren Pro­jek­ten be­schäf­tigt wa­ren, zum an­de­ren woll­ten sie vor dem Re­lease ein neu­es Team (La­bel, Boo­king etc.) fin­den. «Manch­mal hö­re ich mir die Songs an und den­ke, dass ich in­zwi­schen wie­der ei­nen Schritt wei­ter bin. Aber so soll es auch sein. Je­des Al­bum ist ei­ne Mo­ment­auf­nah­me.» 

Kom­pak­ter, grif­fi­ger – und nä­her am Her­zen

Die Pau­se hat Pan­da Lux mu­si­ka­lisch je­den­falls gut­ge­tan. Herz ist ihr bis­her per­sön­lichs­tes und ehr­lichs­tes, aber auch reifs­tes Al­bum. Frans­te der im Herbst 2020 ver­öf­fent­lich­te Vor­gän­ger Fun Fun Fun bei ei­ner Ge­samt­spiel­zeit von knapp 60 Mi­nu­ten stel­len­wei­se et­was aus, ist Herz mit rund 38 Mi­nu­ten deut­lich kom­pak­ter, grif­fi­ger – und schlicht nä­her am Her­zen. 

Der Ti­tel passt ge­mäss Sil­van Kuntz aber auch des­halb gut zum neu­en Al­bum, weil es letzt­lich um die Freund­schaft der vier Mu­si­ker geht. «Das Herz der Band schlägt wei­ter.» 


Pan­da Lux – Herz (Mou­thwa­te­ring Re­cords): er­schie­nen am 30. Ja­nu­ar auf Vi­nyl, CD und di­gi­tal. 
Live: Don­ners­tag, 5. März, 20 Uhr, Al­ba­ni, Win­ter­thur (Sup­port: Mar­le­na Kä­the); Sams­tag, 27. Ju­ni, Open­air St.Gal­len (Ster­nen­büh­ne). 
pan­da­lux.ch

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