Vorweg: Die Kopfstimme von Panda Lux’ Frontsänger Silvan Kuntz ist ein echtes Erlebnis. Kein «trying-too-hard» wie es viele andere Sänger immer wieder versuchen. Die Stimme fühlt sich im Ohr natürlich an, genauso wie der plötzliche Wechsel in den Tenor, der ebenso makellos rüberkommt. Fun Fun Fun, das Neue von von Panda Lux, ist ein abwechslungs- reiches Album, das sich zwischen Rock und Pop bewegt und sich immer mal wieder auch bei der Klassik oder bei Synthesizern bedient. Überladen wirkt das Werk deswegen nicht.
«Im Gegensatz zu früheren Werken sind wir viel selbstbewusster geworden und stehen mehr zu unseren Ideen», sagt Kuntz. Bei früheren Songs habe man sich teilweise zu sehr versteift: «Wenn wir einen zugänglichen Song geschrieben hatten, musste als nächstes gleich ein experimenteller Track her. So denken wir heute nicht mehr.» Janos Mijnssen (Bass/Synths/Cello) ergänzt: «Das Album ist sehr patchwork-artig, mit vielen Ausflüchten in ganz viele verschiedene Richtungen.»
Auch textlich habe sich die Musik komplett verändert, sagt Sänger Kuntz: «Bei unserem ersten Album war die innere Vorstellung: ‹Da kommt noch mehr im Leben. Hinter dem Berg wartet etwas Schönes›. Bei Fun Fun Fun ist es eher die Ernüchterung, dass das Leben mit 25 gar nicht mehr so viel besser wird, als es jetzt ist.» Der Albumtitel sei daher auch nicht wörtlich, sondern sarkastisch zu verstehen.
«Der Fun in der Gesellschaft ist eben nicht immer nur Fun, sondern kann einem auch zum Verhängnis werden.» Im Album gehe es auf eine sehr persönliche Art um das Innere. Nicht das extrovertierte Äussere mit Träumen und Wünschen stehe im Zentrum, sondern die Selbstreflexion.
«Krass mit dem Rücken knacken»
Ein Highlight des Albums ist die Galionsfigur Freunde sein. Musikalisch könnte das Lied eigentlich auch als Liebeslied durchgehen, wenn da nur der Text nicht wäre: «Wir könnten Freunde sein, hätt’ ich dich nicht umgebracht.» Nicht nur Bass, Gitarre und Drum sorgen für die Umrahmung des Gesangs, sondern auch Streicher und Tasten. Eine Ergänzung, die auch live zum Tragen kommen wird, sagt Janos Mijnssen: «An der Plattentaufe im Palace stehen mit dem ‹Deluxe Ensemble› ein Geiger, eine Geigerin, ein Cellist und eine Pianistin auf der Bühne.»
Allgemein sei Fun Fun Fun ein sehr experimentelles Album. Viele Details und auch ganze Songs seien nicht zu- hause geschrieben und dann aufgenommen worden. «Wir wollten, dass sich Vieles im Studio spontan entwickeln kann. Beispiel: Unser Drummer Moritz Widrig kann krass mit dem Rücken knacken. Dieses Geräusch haben wir in der Aufnahme dann als Trommelschlag benutzt», sagt Kuntz und lacht.
Corona interruptus
«Spontan» sei bedauerlicherweise auch die Coronakrise gewesen. Eigentlich wollten Panda Lux im Frühling auf Tour gehen. «Kurz vorher kam dieser Coitus interruptus. Wir hatten sogar schon für das erste Konzert geprobt, aber eher halbherzig, weil wir schon wussten, dass sich jetzt etwas anbahnt», sagt Mijnssen. Und Kuntz ergänzt: «Es war wie eine Geburt, wo der Kopf des Babys schon rausgeschaut hat, dann aber plötzlich wieder verschwunden ist.»
Plattentaufe: 3. und 4. Oktober, Palace St.Gallen
palace.sg, pandalux.ch
Für Panda Lux sei der Ausnahmezustand mit Lockdown und Konzertverboten aber auch gut gewesen, sagt Mijnssen: «Wir waren froh, hatten wir das Album bereits fertig. So durften wir zwar keine Konzerte spielen, die Songs haben wir aber in gewissen Abständen veröffentlicht, dass die Leute unsere Musik trotzdem hören konnten.»
Jetzt ist es für die Band endlich so weit. Sie dürfen ihr neues Album im Palace präsentieren. Aufgrund der Corona-Auflagen ist die Gästezahl beschränkt, daher ist die Plattentaufe am 3. Oktober bereits ausverkauft. Für alle, die sich noch kein Ticket sichern konnten, gibt es darum am 4. Oktober noch ein Zusatzkonzert. «Das wird richtig geil», sagen Kuntz und Mijnssen fast gleichzeitig.
Und wo sehen sie sich in fünf Jahren? «Dazu haben wir eigentlich keine klaren Pläne oder Vorstellungen. Wir hoffen aber, dass wir auch dann noch zusammen Musik machen.» Nach dem Hören von Fun Fun Fun kann man auch als Konsument darauf hoffen.
Dieser Beitrag erschien im Oktoberheft von Saiten.
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