Saiten im Oktober: Rrrrrrrrrrrr…

Ein Heft über Erotik, Sex und Leidenschaft: mit Jurassica, Vadian und FemPorn. Ausserdem: das Gespräch mit Usama Al Shahmani, Post aus Hamburg, das «Parlament der Pflanzen» und Fun, Fun, Fun!
Von  Redaktion Saiten
Bilder im Titelthema: Saitengrafik

Der Lockdown war ja nicht nur schlecht. Zumindest nicht für jene, die ihre sexuellen Kontakte regelmässig hegen und pflegen. «Sich die Zeit vertreiben» heisst eben nicht nur Netflixen und Bananenbrot backen. Seit der Öffnung nahmen auch die «spontanen» Kontakte wieder zu, heisst es allenthalben, die roten Lämpchen und Tinderleitungen glühen offenbar heiss. Das haben auch wir bei Saiten bemerkt. In der Etage über uns – so geht das Gerücht – habe sich einer ein tolles Atelier gemietet, wo er sich während den Arbeitspausen hin und wieder gern mit anderen verlustiert, gut hörbar. Das Thema dieses Hefts wurde uns also quasi von oben eingegeben, oder besser: gehämmert.

Aber im Ernst: Die Schwestern Sex und Erotik fristen bei Saiten meist ein eher stilles Dasein. Schade eigentlich, denn Beiträge zu diesen Themen werden ja gern und gut gelesen, wie die Klickzahlen anderer publizistischer Erzeugnisse beweisen. Dieses Heft will aber nicht boulevardesk-schlüpfrig sein, nicht die immer gleichen Bordellgeschichten aufwärmen oder in der Täter-Opfer-Stellung verharren. Die Lust soll im Zentrum stehen; die Lust am erotischen Schreiben, die Lust auf Geschlechtsvergessenheit, neue Romantik und Sexting, die Lust an der Berührung und die Lust, in historischen St.Galler Stoffen zu wühlen.

Morena Barra, David Nägeli, Bertha* und Claude Bühler sinnieren über Liebe, Aufklärung und Leidenschaft in Zeiten von Tinder und FemPorn, Jessica Jurassica sucht «eine Sprache für den Fick» und rechnet dabei mit dem Schweizer Voyeurismus ab, Laura Vogt und Karsten Redmann tauschen sich per Mail über Erotik aus, die Sexologin Simone Dudle öffnet die Schatzkiste der erotischen Fantasien, Sandro Zulian hat sich mit einer Sexological Bodyworkerin getroffen und Roman Hertler begibt sich auf einen sexy Streifzug durch die Archive.

Ausserdem im hotten Oktober: die Flaschenpost aus Hamburg, frischer Journalismus für Olten, die neue Mischung aus Festhütte und Konzertsaal in Mels, die Kinok-Retrospektive zu Fredi Murer, Mord und Totschlag in der Ostschweiz, das Gespräch mit dem Schriftsteller Usama Al Shahmani, das «Parlament der Pflanzen» in Lichtenstein und: Fun, Fun, Fun!

Sodann, ihr Versauten, Verliebten und Liebgewonnenen, vergnügt euch freudig mit diesem Heft, lasst es krachen und vergesst nicht, euch frische Batterien zu kaufen für die reizenden Spielzeuge im Nachttischli, sofern sie nicht solar- oder USB-betrieben sind.

Corinne Riedener

PS: Wer freie Sicht aufs sexy Saiten-Cover will, darf gerne Mitglied werden! Hier gehts lang.

 

Der Inhalt:

Reaktionen / Positionen
Redeplatz mit Regine Rust
Stimmrecht von Samantha Wanjiru
Nebenbei gay von Anna Rosenwasser
Warum? von Jan Rutishauser
Zentrumsstadt I + II

Rrrrrrrrrrrr…

Bertha*, Morena Barra, Claude Bühler und DAIF: Eine queerfeministische Runde über Liebe, Erotik und Aufklärung in Zeiten von Tinder, FemPorn und Sexting. Von Corinne Riedener

Sex hat es schwer in der Literatur. Und in der Schweiz, diesem voyeuristischen Land. Wir brauchen eine Sprache für den Fick. Von Jessica Jurassica

Kommst du mit? Ein Zwiegespräch über Erotik und die grausame Mischung von Kapitalismus und Körper. Von Laura Vogt und Karsten Redmann

«Sexuelle Fantasien sind eine Schatzkiste»: die St.Galler Sexologin Simone Dudle im Interview. Von Emil Keller

Die hohe Kunst des Berührens: Zu Besuch bei Jacqueline Stamm in Sargans, wo sie eine Praxis für Sexological Bodywork betreibt. Von Sandro Zulian

Fischlein in der Reuse: Wie hat St.Gallen früher über Lust und Leidenschaft gesprochen? Was ist überliefert? Ein sexy Streifzug durch die Archive. Von Roman Hertler

Perspektiven

Aufgeklebte Wolken und Alsterwasser: die Flaschenpost aus Hamburg, wo die Einheimischen stillschweigend überzeugt sind, in der besten Stadt der Welt zu leben. Von Katharina Brenner

Journalismus für die Leute: Das Oltner Magazin «Kolt» erfindet sich radikal neu und wird zur Lokalzeitung. Natürlich digital, denn die gedruckte Tageszeitung ist tot. Von Corinne Riedener

Kultur

Zwischen Festhütte und Konzertsaal: Nach drei Jahren Bauzeit wird in Mels das Kultur- und Kongresshaus «Verrucano» eröffnet. Von Marion Loher

Ein Zauberer wird 80: Das Kinok St.Gallen ehrt den Filmemacher Fredi Murer mit einer Retrospektive. Von Geri Krebs

«Fun, Fun, Fun»: Panda Lux taufen ihr neues Album gleich zweimal im Palace. Von Sandro Zulian

«Im Fallen lernt die Feder fliegen»: Usama Al Shahmani über sein neues Buch, das Weggehen und Neuanfangen. Von Eva Bachmann

Mord und Totschlag: Das Genre boomt – auch in der Ostschweiz schreiben viele Krimis und Thriller. Von Richard Butz

Wenn Brennnesseln erzählen könnten: Das Kunstmuseum Lichtenstein ruft das «Parlament der Pflanzen» aus. Von Kristin Schmidt

Parcours: Es lebe der Budenschwung, Cheers auf King Ouzo, Freiheit für Edward Snowden und Europa aus jüdischer Perspektive

Abgesang

Kehls Kompass
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic

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Köppel Armando,  

Seit 20 Jahre Saiten-Leser-Abonnent. Seit Monaten ärgere ich mich über die "Gestaltung" von Saiten. So öppis vu wüescht, es macht mich und meine Frau immer weniger an überhaupt zu lesen, zu blättern. OBWOHL: Die Inhalte sind lesenswert, teilweise sehr gut. Aber die sogenannte "Gestaltung* ist hässlich, so randlos, so engstirnig, so zufällig. Die Bilder manchmal potthässlich. Dieses Erotik-Heft und die verstreuten Bildli - so was von nicht erotisch wie nur möglich. Bitte, Bitte - Wann kommt eine neue, moderne, aamächelige Gestaltung von Saiten. Saiten würde es sehr verdienen!! Wenn es so bleib verzichte ich mit Bedauern. Liebe Grüsse trotzdem

Ro­ter Tep­pich und ro­te Li­ni­en

Der pein­li­che bis in­halts­lee­re Auf­tritt des Tech-Fa­schis­ten Cur­tis Yar­vin hat die Be­richt­erstat­tung über das dies­jäh­ri­ge St.Gal­len Sym­po­si­um do­mi­niert. Am Mon­tag ha­ben – vor al­lem geis­tes­wis­sen­schaft­li­che – Ex­po­nent:in­nen der HSG in ei­nem öf­fent­li­chen Ge­spräch ver­sucht, Yar­vins lan­gen Schat­ten zu ver­we­deln.

Von  Roman Hertler
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Was­ser, Drag und Vir­gi­nia Woolf

Die St.Gal­ler Thea­ter­kom­pa­nie Roh­stoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr ak­tu­el­les Thea­ter­stück in der Kel­ler­büh­ne. Wie in ei­nem Rausch er­zählt Or­lan­do* von Ge­schlech­ter­nor­men, Grenz­auf­lö­sun­gen und Ver­wand­lun­gen. 

Von  Vera Zatti
LUX 9420 JPG 1500 by Leni O

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Im Bi­ber­re­gen

Von  Jeremias Heppeler

Ei­ne ak­ti­vis­ti­sche Künst­le­rin wie­der­ent­deckt

Ele­a­n­or An­tin ist seit 60 Jah­ren künst­le­risch tä­tig. Früh hat sie sich mit Tech­no­lo­gie, Ras­sis­mus und Gen­der­flui­di­tät be­schäf­tigt, doch zwi­schen­zeit­lich war sie fast in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten. Nun macht die ers­te eu­ro­päi­sche Re­tro­spek­ti­ve Sta­ti­on im Kunst­mu­se­um Liech­ten­stein.

Von  Kristin Schmidt
Eleanor Antin Ausstellungsansicht Foto Sandra Maier pr6

Fik­tiv und doch sehr re­al

Der Mu­si­ker und Künst­ler Ni­co­laj És­te­ban ver­öf­fent­licht ein neu­es Al­bum sei­ner Band Love­boy And His Ima­gi­na­ry Fri­ends. Es führt in ei­ne fas­zi­nie­ren­de Welt – und in sein In­ne­res, wo es manch­mal dun­kel ist.

Von  David Gadze
Loveboy and his imaginary friends smile baby

Or­ga­nik trifft KI

Nach vier­zig Jah­ren kehrt Gui­do R. von Stür­ler in die Kunst­hal­le nach Wil zu­rück. Der Künst­ler, mit ei­nem Fai­ble für Flie­gen, zeigt in «Zwi­schen den Sys­te­men – Kunst im ver­netz­ten Jetzt» ei­ne Werk­über­sicht, die Or­ga­ni­sches und Di­gi­ta­les ver­eint.

Von  Shqipton Rexhaj
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Gren­zen und Brü­che auf der Büh­ne

Ei­ne hal­be Mil­li­on we­ni­ger von Kan­ton und Stadt – trotz­dem ma­chen Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len vor­läu­fig kei­ne Ab­stri­che beim Pro­gramm. Die Spiel­zeit 26/27 kün­digt «Grenz­gän­ge» an, sehr zeit­ge­mäs­se ins­be­son­de­re im Schau­spiel.

Von  Peter Surber
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Ver­lo­ren auf der gros­sen Büh­ne – und im Ge­dan­ken­wirr­warr

Die Kri­tik an der Ein­la­dung des ex­tre­mis­ti­schen und tech­no-li­ber­tä­ren US-Blog­gers Cur­tis Yar­vin ans St. Gal­len Sym­po­si­um war gross – und be­rech­tigt. Trotz­dem war sein Auf­tritt am En­de vor al­lem ei­nes: ent­lar­vend. Sel­ten tra­ten die Wi­der­sprü­che, die Selbst­über­schät­zung und die in­tel­lek­tu­el­le Lee­re der Neu­en Rech­ten so öf­fent­lich zu­ta­ge.

Von  Philipp Bürkler
Curtis Yarvin Symposium 1 philipp buerkler

In eigener Sache

Weg­wei­ser in der Ost­schwei­zer Kul­tur­land­schaft

Von  Michael Lünstroth
Sarah luethi philip stuber michael luenstroth

Wi­bora­da – zwi­schen My­thos und Wahr­heit

His­to­ri­sche Über­lie­fe­run­gen sa­gen oft mehr über die Geis­tes­hal­tung der Ver­fas­ser aus als über ge­schicht­li­che Tat­sa­chen. Was lässt sich al­so ge­si­chert über die his­to­ri­sche Per­son Wi­bora­da sa­gen? Ei­ne quel­len­kri­ti­sche Spu­ren­su­che.

Von  Tanja Scherrer
2605 Wyborada Laura Tura listening iconography

Die Spit­ze des Zau­ber­bergs

Ein Jahr­hun­dert nach Tho­mas Manns Ro­man grei­fen Karl Ka­ve & Du­ri­an das Mo­tiv neu auf und er­zäh­len mit Zau­ber­berg ein viel­schich­ti­ges Kon­zept­al­bum über Pfle­ge, Per­spek­ti­ven und gut be­tuch­te Da­men.

Von  Jeremias Heppeler
Karl kave durian

Der ewi­ge Kreis­lauf des Le­bens

Pa­ris, New York, Shang­hai, It­tin­gen: Mit Fa­bri­ce Hy­ber gas­tiert mal wie­der ein in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ter Künst­ler im Kunst­mu­se­um Thur­gau. Ei­ne Be­geg­nung.

Von  Michael Lünstroth
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Lie­bes­leid im Schaum­bad

Treue­pro­be, Ver­klei­dungs­spuk, Part­ner:in­nen­tausch: Così fan tut­te scheint de­fi­ni­tiv von vor­ges­tern. Trotz­dem lohnt sich Mo­zarts Oper auch jetzt wie­der am Thea­ter St.Gal­len. Am Sams­tag war Pre­mie­re.

Von  Peter Surber
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Das Mit­ein­an­der im Fo­kus ei­ner Kunst­aus­stel­lung

Das Kunst­zeug­haus Rap­pers­wil-Jo­na zeigt seit dem 26. April die ak­tu­el­le Samm­lungs­aus­stel­lung «wo­hin – wo­her – wo­mit». Mit­ge­stal­tet von Men­schen aus der Re­gi­on un­ter­sucht sie, wie Teil­ha­be in Mu­se­en künf­tig aus­se­hen kann.

Von  Larisa Baumann
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FC St.Gal­len vs. Si­on 0:3 – Mer ho­led dä an­der Chü­bel

St.Gal­len ver­liert das Spiel ge­gen Si­on und macht so Thun zum Meis­ter. Doch in St.Gal­len den­ken längst al­le an den an­de­ren Ti­tel, der dann in drei Wo­chen ver­ge­ben wird. Das Spiel ge­gen Si­on zum Nach­le­sen gibt es trotz­dem im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Filmfestival in Frauenfeld

Que­e­re Fil­me im Thur­gau

Von  Vera Zatti
Black Burns Fast still 1

Buch zur Migration in die Ostschweiz

Statt Ar­beits­kräf­te ka­men Men­schen

Von  Roman Hertler
Bildschirmfoto 2026 05 01 um 19 38 15

«Wir müs­sen Wi­bora­das Ge­schich­te neu er­zäh­len»

In die­sem Jahr fei­ert St.Gal­len den 1100. To­des­tag Wi­bora­das. Ob­wohl die In­klu­sin ei­nen gros­sen Ein­fluss auf die Stadt hat­te, ist sie den we­nigs­ten ein Be­griff. Das soll sich än­dern. Wie dies ge­lin­gen soll und wel­che Be­deu­tung Wi­bora­da heu­te noch hat, er­zäh­len Jo­lan­da Schär­li und Hil­de­gard Aepli vom Ver­ein Wi­bora­da-Ju­bi­lä­um 2026 so­wie Ka­rin K. Büh­ler von der fe­mi­nis­ti­schen Bi­blio­thek Wy­bora­da im Ge­spräch mit Sai­ten.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
2605 Wyborada Laura Tura portrait
Heftvorschau 05/26
Wiborada, Amerikanisch träumen

Dop­pel­tes Ju­bi­lä­um: Im Mai jährt sich das Mar­ty­ri­um der St.Gal­ler Stadt­hei­li­gen Wi­bora­da zum 1100. Mal. Und der Ver­ein Wy­bora­da, der 1987 die gleich­na­mi­ge fe­mi­nis­ti­sche Bi­blio­thek er­öff­ne­te, fei­ert sein 40-Jahr-Ju­bi­lä­um. Aus­ser­dem im Mai-Heft: Das Ge­spräch zwi­schen Flo­ri­an Vetsch und dem St.Gal­ler Au­tor Chris­toph Kel­ler über des­sen neu­en Ro­man.

Saiten 2605 Cover

Stadt St.Gal­len stellt neu­es Spar­pro­gramm vor

Ab­bau von über 46 Voll­zeit­stel­len in der Ver­wal­tung, Schlies­sung des Volks­ba­des, zu­sätz­li­che Blit­zer für die Stadt­po­li­zei: Mit sol­chen Mass­nah­men will die St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung bis 2029 das jähr­li­che Loch in der Stadt­kas­se um 17,1 Mil­lio­nen Fran­ken re­du­zie­ren.

Von  Reto Voneschen
Rathaussw