2019 wird als das Klima-Jahr in die Geschichte eingehen. Die Sorge um die unabsehbaren Folgen der Klimaerwärmung hat sich auf der Strasse lautstark manifestiert und ist von dort im Herbst auch ins Parlament geschwappt. Im Verlauf dieses aufwühlenden Jahres hat Saiten beschlossen, CO2-neutral zu werden. Davon handelt dieses Heft.
«Vergiss es: Die Schweiz spielt in Sachen CO2 sowieso keine Rolle.»
Stimmt nicht: Der individuelle Fussabdruck der Schweizer Bevölkerung ist mit sechs Tonnen CO2 jährlich oder sogar weit über zehn Tonnen, wenn man nicht nur die Produktion, sondern auch den Konsum mitberücksichtigt, überdurchschnittlich hoch. Und Klimawandel passiert weltweit. Das heisst: Alle müssen sparen. Aber nicht alle können es sich leisten.
Die Schweiz kann es. Saiten hat also alle relevanten Faktoren rund um die Entstehung, Produktion und Verbreitung von Magazin und Online-Plattform analysieren lassen. Klimafaktor Nummer eins, auf der Negativseite, ist das Papier des Magazins. Und Klimafaktor Nummer zwei die Gasheizung im Kulturkonsulat. Insgesamt aber fällt die CO2-Bilanz, unter anderem dank öV-Benutzung und Velofahrerei, nicht allzu düster aus. Dennoch machen wir uns auf Widerspruch gefasst. Denn CO2-Neutralität heisst: Was man an klimaschädigenden Faktoren nicht oder noch nicht reduzieren oder substituieren kann, muss man kompensieren. Wir tun es mit einem Aufforstungsprojekt in Nicaragua.
«Vergiss es: Kompensieren ist ein billiger Ablasshandel.»
Wie sinnvoll das Kompensationsgeschäft ist, diskutieren wir ebenfalls im Heft. Kurzfristig gibt es keine Alternative. Und der Preis ist moderat: Die rund 35 Tonnen CO2 jährlich kosten circa 1500 Franken. Kompensieren befreit aber nicht vom Tun. Wir arbeiten an Veränderungen, soweit sie in unserer Macht liegen, und werden darüber wieder informieren. Weitere Beiträge im Titel gelten dem zögerlichen Klimabewusstsein der Pensionskassen, dem Klimastau in den Kantonsparlamenten und einem Ostschweizer Vorzeigebetrieb in Sachen Umweltbewusstsein. Die Bilder samt Cover stammen von der Künstlerin Monica Ursina Jäger. Sie entwerfen eine widersprüchliche, irritationsreiche Topografie der Zukunft.
Ausserdem im Heft: ein Perspektivenschwerpunkt aus dem Nahen Osten, ein Essay zur Lage der Bewegungen nach den Wahlen und der ausführliche Ostschweizer Kulturdezember – samt gezeichnetem Adventskalender und Gallenstern am Schluss des Hefts.
Peter Surber
Reaktionen/PositionenNebenbei gay von Anna RosenwasserWarum? von Jan RutishauserMeinungsemissionen I–IVRedeplatz mit Alexandra AkeretStimmrecht von Farida Ferecli
Die Saiten-CO2-Bilanz, erste Kompensationsmassnahmen und warum das nicht reicht.Von Roman Hertler
Zertifikate, die Treibhausgase kompensieren sollen, sind nicht nur moralisch zweifelhaft, sie torpedieren auch die Klimapolitik.Von Bettina Dyttrich
Wie viel CO2 entsteht bei der Papierproduktion? Wie funktioniert der Treibhauseffekt und wer sind die grössten Klimasünder? Die grosse Infografik.
Ein Blick in die globalisierte Papierindustrie und die Auswirkungen auf die CO2-Bilanz von Saiten.Von Peter Surber
Rote Karte für die Ostschweizer Pensionskassen. Erste Vorsorger machen sich zwar Gedanken, das Resultat ist aber noch nicht erwärmend.Von Stefan Boss
Auf Grün gebürstet: Michele Vela von der Ebnat AG erklärt, warum es sich lohnt, umweltschonend zu produzieren.Von Roman Hertler
In den Ostschweizer Kantonen sind die Massnahmen gegen den Klimawandel am Anrollen – die Umsetzung ist aber eine Machtfrage.Von Andreas Kneubühler
Die Bilder im Titelthema sind von Monica Ursina Jäger.
«I’m not your Habibti!»: die feministische Flaschenpost aus Ramallah.Von Kathrin Reimann
Ausbruch aus der Lähmung: Eine persönliche Reflexion aus der Revolution im Libanon.Von Marguerite Meyer
Für einen Lobbyismus der Bewegungen: Warum sich vom Zuschauen allein noch gar nichts ändert.Von Michael Felix Grieder
Stadtwanderer und stiller Revolutionär: Josef Osterwalders Nachlass im Stadtarchiv.Von Daniel Klingenberg
Als 1400 jüdische Häftlinge in St.Gallen Halt machten: Eine Publikation erinnert an den Kasztner-Transport.Von Roman Hertler
Exil-Irakis in London: Samirs wichtiger Film «Baghdad in my Shadow».Von Corinne Riedener
Göttliche Schelmengeschichte: Der Dokumentarfilm «L’Appolon de Gaza».Von Geri Krebs
Bildreflexionen: Die Manorpreis-Ausstellung des Thurgauers Sebastian Stadler im St.Galler Kunstmuseum.Von Jiajia Zhang
Strikt analog: Ein Besuch beim Autografen-Sammler Gerhard Hartmann in Lindau.Von Florian Vetsch
Lorenz Langenegger, Ausserrhoder Autor in Wien, und sein neuer Roman um einen Antihelden.Von Rainer Stöckli
Musik fürs Innenohr: Das szenische Konzert «Celebrao» von Franziska Schiltknecht.Von Peter Surber.
Weltläufiger Youchz, hintersinniger Troubadour, gezeichnete Frauenkämpfe: Der Kulturparcours.
Abgesang
Kellers GeschichtenPfahlbauerComic von Julia Kubik
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung