Kategorie
Autor:innen
Jahr

Demonstrieren gegen den Rückschritt

An die 300 Menschen versammelten sich am Freitagabend in der Marktgasse, um gegen den geplanten Autobahnanschluss am Güterbahnhof zu demonstrieren. Doch es ging um mehr: Die Politik ist im Autorausch und überholte Ideen sind in aller Munde.
Von  Andi Giger
(Bild: agi)

«Lieber Bratwurst mit Senf statt 6-spurig nach Genf.» Marco Dal Molin, Vorstandsmitglied im Verein gegen den Autobahnanschluss am Güterbahnhof St.Gallen, stellt in der Begrüssung vor dem Vadianbrunnen klar, dass es bei der heutigen Kundgebung nicht nur um den Güterbahnhof geht. Die eidgenössischen Räte haben der sechsspurigen A1 bereits zugestimmt. Ein Fass ohne Boden, dem der Verein zusammen mit Umweltorganisationen und linken Parteien ein Ende setzen will.

«Das ist nicht das erste zerstörerische Strassenprojekt, dass wir in dieser Stadt versenken.» Dal Molin erinnert an den Kampf gegen die Südumfahrung. In den 70er-Jahren war es der Zirkus Pic-o-Pello, der den gigantischen Autobahnausbau verhinderte. Clown Pic, bürgerlich Richard Hirzel, der im damaligen Widerstand involviert war, ist auch an dieser Demonstration dabei. Er ist nicht der einzige prominente Teilnehmer. Nationalrätin Franziska Ryser, der ehemalige Ständerat Paul Rechsteiner oder der Stadtparlamentspräsident Vića Mitrović sind vor Ort.

Überholt und zu teuer 

Léonie Schubiger, Co-Präsidentin der JUSO Kanton St.Gallen, kritisiert den Stadtrat, der weiterhin am Autobahnanschluss festhält. «Wir wollen nicht, dass eine Milliarde für ein Projekt aus dem letzten Jahrhundert ausgegeben wird.» Sie betont die Wichtigkeit des Güterbahnhofareals. Es sei ein wichtiger Ort der Begegnung. «Wir wollen eine Stadt für die Menschen und nicht immer mehr Autos», sagt sie.

Es sei leider keine Demo für mehr Klimaschutz, sondern eine gegen den Rückschritt. Thuraya Abbass vom Klimastreik hätte lieber für eine autofreie Stadt, für mehr Begrünungsflächen oder für eine lebenswerte Zukunft demonstriert. Es gehe beim Projekt nicht nur um eine Autobahn, sondern auch um den Erhalt des Status-Quo: Die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs. Jeder investierte – sie korrigiert sich – jeder verschwendete Franken für das Autobahnprojekt fehle später beim Klimaschutz. Sie zählt auf: Der öffentliche Verkehr, das Velonetz oder die Begrünung der Strassen wären sinnvollere Dinge, in die das Geld investiert werden könnte. «Mobilität muss in Zukunft klimagerecht sein.» Sie will Utopien bauen anstatt einer Autobahn.

Kritik von der FDP

Utopien. Ein Wort, das die FDP wohl schaudern lässt. Diese fordert in ihrem Communiqué «Lösungen statt Demos». Fakten liessen sich nicht wegdemonstrieren. Die aufgezählten Fakten sind dann auch gut selektiert. Zusammengefasst: Das St.Galler Verkehrsnetz ist zunehmend überlastet, was auch die Quartiere, der ÖV und Velofahrende zu spüren bekommen. Die Lösung: Staufreie Hauptachsen. Das inzwischen wissenschaftlich bestätigte Phänomen des induzierten Verkehrs (im Volksmund «Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten») lässt die Partei unbeachtet.

Der Schlusspunkt der Veranstaltung setzt Urs Tobler. Der Bewohner des Tschudiwiesquartiers betont, dass die Autobahn eine ökologisch sinnvolle Neugestaltung des Areals verhindern würde. Er verstehe, dass sich die Anwohner:innen im Riethüsli und in der Nähe der Teufenerstrasse weniger Verkehr wünschen. Mit einer Pförtneranlage zwischen Liebeck und Lustmühle, einer Temporeduktion und einer ganzheitlichen Neugestaltung wäre eine Verkehrsberuhigung in der Teufenerstrasse möglich. Es sind Ideen, die schon seit Jahren im Gespräch sind. Tobler kritisiert die Behörden und Politiker:innen, die mit der Umsetzung so lange gewartet hätten, bis nur noch eine Astra-Lösung in Frage zu kommen scheine.

Am 24. November hat die Schweizer Stimmbevölkerung die Chance, dem Projekt ein Waterloo zu bereiten. Mit einer Ablehnung des Nationalstrassen-Ausbaus wäre die Sache gegessen. Dann hätten die Demonstrierenden vielleicht Zeit, für ein besseres Velo- oder ÖV-Netz zu kämpfen.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Die sub­ver­si­ve Kraft des Auf­be­geh­rens

Das Film­dra­ma Fuo­ri er­zählt ein kur­zes Ka­pi­tel der aus­ser­ge­wöhn­li­chen Le­bens­ge­schich­te ita­lie­ni­schen Schrift­stel­le­rin, Schau­spie­le­rin und Wi­der­stands­kämp­fe­rin Go­li­ar­da Sa­pi­en­za.

Von  Karsten Redmann
Fuori 3

Die Ge­füh­le dre­hen sich

Mit ver­schreck­ten Se­cu­ri­tys in ei­ner bun­ten In­sze­nie­rung von An­ge­li­ka Zacek prä­sen­tiert das Vor­arl­ber­ger Lan­des­thea­ter in Bre­genz Shake­speares Ein Som­mer­nachts­traum.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ein Sommernachtstraum David Kopp Maria Lisa Huber Nurettin Kalfa c Anja Koehler

Tri­umph­marsch ge­gen den Krieg

Die St.Gal­ler Fest­spiel-Oper spielt die­ses Jahr im Haus statt auf dem Klos­ter­platz – ein Glücks­fall für Ver­dis Ai­da, die mensch­lich und mu­si­ka­lisch in die Tie­fe geht. Mo­de­s­tas Pi­t­re­nas di­ri­giert ein letz­tes Mal, Ben Baur in­sze­niert bild­stark.

Von  Peter Surber
6477 konzert und theater st gallen aida 2026 036

Der Ap­fel, der bö­se Wolf und Will­helm Tell 

Im Werk 2 in Ar­bon dreht sich der­zeit al­les um My­then. «Sehn­sucht My­thos. Wie Ge­schich­ten un­se­re Welt ge­stal­ten» ist ei­ne äs­the­ti­sche Aus­stel­lung, die mit ih­rem sehr brei­ten My­thos­be­griff ar­bei­tet und viel­fäl­ti­ge Ge­schich­ten un­ter ei­nem Dach ver­eint.

Von  Vera Zatti
IMG 9656

Neue Eigenproduktion

Mit Walt Whit­man in die Zu­kunft 

Von  Vera Zatti
DB0 A7992

Tunneleröffnung

Von der Lok­re­mi­se zur Reit­hal­le gehts jetzt un­ten durch

Von  René Hornung
IMG 6792

Mit 1000 Um­dre­hun­gen durch den All­tags­irr­sinn

Das muss­te ja so kom­men! Es konn­te nicht bei ei­nem blei­ben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zwei­te gros­se, schwe­re Psy­cho­buch von Be­ni Bi­schof. Dar­in ver­wir­belt der Künst­ler er­neut Ei­ge­nes, Frem­des, Be­fremd­li­ches, Be­kann­tes, Neu­es, Un­kennt­li­ches mit lo­cke­rer Hand, Hu­mor und Hin­ter­sinn.

Von  Kristin Schmidt
2606 Psychobuch 2

Auf­he­ben, ver­kau­fen oder zer­stö­ren?

Die Son­der­aus­stel­lung «Bau­stel­le Er­in­ne­rung / ‹Hit­ler ent­sor­gen› – Ar­bei­ten am be­las­te­ten Er­be» im Vor­arl­berg Mu­se­um in Bre­genz be­schäf­tigt sich da­mit, wie ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Um­gang mit Ge­gen­stän­den aus der NS-Ver­gan­gen­heit aus­se­hen kann. Aus­ser­dem be­rät das Mu­se­um Pri­vat­per­so­nen, die sol­che Ge­gen­stän­de be­sit­zen.

Von  Sieglinde Wöhrer
S0 A2501 Ausstellung Baustelle Erinnerung Foto Petra Rainer 1

Ge­trennt ge­mein­sam und mit gu­ter Aus­sicht

For­rer Stie­ger Ar­chi­tek­ten ge­lingt mit dem Drei­fach­kin­der­gar­ten und der Ta­ges­be­treu­ung im Hei­lig­kreuz­quar­tier in St.Gal­len die Qua­dra­tur des Krei­ses.

Von  Ursula Badrutt
01 260504 GBO2602 0101 MAX web

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny