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Stadtentwicklung statt Geldverlochung

Teure und schädliche Fehlkonstruktion: So qualifiziert das Initiativkomitee für den St.Galler Güterbahnhof die Autobahnpläne. Am Donnerstag informierte es über die Abstimmung vom 28. Februar.
Von  Peter Surber
Gründe für ein Ja: Basil Oberholzer, Claudia Friedl und Martin Bösch (von links).

Die Initiative «Für ein lebendiges Areal Güterbahnhof ohne Autobahnanschluss» will den Stadtrat dazu verpflichten, sich öffentlich einzusetzen gegen die Bundespläne für eine «Teilspange» von der Autobahn via Güterbahnhof bis hoch ins Riethüsli. Die Argumente dafür legte das Initiativkomitee am Donnerstag auf den Tisch. Es sind im wesentlichen drei.

Für eine rasche Stadtentwicklung

Der Güterbahnhof sei eines der verheissungsvollsten und letzten Entwicklungsareale in Zentrumsnähe und ein Paradebeispiel für Verdichtungspotential, sagt Basil Oberholzer von den Jungen Grünen. Und damit zu kostbar, um es einer Strasse zu opfern beziehungsweise, bis es soweit wäre, noch Jahre ungenutzt zu lassen.

St.Gallen gehöre bisher nicht zu den Pionierstädten, was Siedlungsentwicklung nach innen betrifft. Jetzt sei Gelegenheit, aufzuholen. Eine Autobahnanschluss würde dagegen auch die Lebensqualität in den angrenzenden Wohnquartieren beeinträchtigen und das Areal von der Innenstadt abschneiden.

Planerische Fehlkonstruktion

Die projektierte Ausfahrt ist nach Einschätzung von Martin Bösch, SP-Stadtparlamentarier und VCS-Vertreter, eine fatale «Fehlkonstruktion», ein Überbleibsel der einstigen Südspangen-Pläne. Als Teilspange diene sie nur dem Verkehr vom Appenzellerland Richtung Westen. Gemäss Zählungen des Stadtrats haben heute aber nur gerade 11 Prozent der Fahrzeuge im Riethüsli dieses Ziel; 14 Prozent wollen Richtung Osten, die grosse Mehrheit aber in die Stadt. Damit drohten statt der versprochenen Entlastung zusätzliche Staus an der künftigen Ausfahrt Geltenwilenstrasse und auf der Leonhardsbrücke. Bund, Kanton und Stadt investierten so «viel Geld für ein halbbatziges Projekt».

Für den Bund im Vordergrund stehe die dritte Röhre der sanierungsbedürftigen Stadtautobahn; auf sie hat die Initiative keinen Einfluss. In den Plänen des Bundesamts für Strassen Astra figuriert sie gegenwärtig mit zweiter Priorität. Dafür könne man Verständnis haben, sagt Bösch; wer die dritte Röhre wolle, müsse sich aber umso entschiedener gegen deren Verknüpfung mit einem zusätzlichen Anschluss Güterbahnhof einsetzen. Dieser hätte weitere langwierige Planungen zur Folge, eine Sanierung der Stadtautobahn bis 2030 würde unrealistisch.

Teure «Spaghettilösungen»

530 Millionen Franken: Dieser Betrag ist für die dritte Röhre im Gespräch. Ein zusätzlicher Anschluss Güterbahnhof würde mit 345 weiteren Millionen zu Buche schlagen, ein Tunnel von dort bis ins Riethüsli mindestens mit nochmal diesem Betrag. Wie auch immer die Detailpläne und Varianten (sogenannte «Spaghettiplanungen») aussähen: Auf Kanton und Stadt kämen auf jeden Fall dreistellige Millionenbeträge zu, warnt Nationalrätin Claudia Friedl – für eine Zufahrt, die in erster Linie nicht der Stadtbevölkerung diene, sondern den Automobilisten aus dem Appenzellerland.

Das Projekt würde damit zur weiteren Zersiedlung beitragen und den Individualverkehr privilegieren. Die bessere Alternative für Friedl ist der Tunnel, den die Appenzeller Bahnen an der gleichen Stelle bauen.  Ein Ja zur Initiative bedeute: innovative Stadtentwicklung, statt Geld zu verlochen.

 

 

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