Jung, wild und Grafik
In Zürich stellen bis im April junge Grafiktalente aus der ganzen Schweiz aus – darunter auch das Saiten-Grafikteam.
«Grafik» ist gemäss Duden die «künstlerische, besonders zeichnerische Gestaltung von Flächen mithilfe bestimmter Verfahren, die Abzüge und Vervielfältigungen ermöglichen». Ihr hat sich ein ganzer Berufszweig gewidmet, der sich über die vergangenen Jahrzehnte stetig weiterentwickelt und gefestigt hat. Und im Gegensatz zu anderen Berufen ist es einer, der mit der Zeit geht und sich anpassen kann – und noch immer gefragt ist. Und gerade die Schweiz hat in Sachen Grafik einiges zu bieten. Grössen wie Max Bill oder der St.Galler Jost Hochuli haben nicht nur die Szene hierzulande stark geprägt, sondern auch international für einen Bruch mit alten Mustern und mit einer neuen Art des Grafikdesigns für Furore gesorgt.
Vielleicht auch deswegen gibt es in der Schweiz eine Generation junger, talentierter Gestalter:innen, deren Schaffen sich durch experimentelle Praxis auszeichnet, aber auch durch den Umgang mit grafischem Erbe sowie gesellschaftlicher Reflexion und Haltung. Ihnen widmet sich das Museum für Gestaltung in der Ausstellung «Junge Grafik Schweiz». Zwölf Studios und Grafikdesigner:innen aus der ganzen Schweiz – alle zwischen Mitte 20 und Mitte 30 – zeigen bis April ihre Werke. Zusätzlich liegen die Portfolios weiterer Gestalter:innen auf, darunter auch jenes von Michel Egger. Er gehört zum Saiten-Grafikteam, genauso wie Data Orbit. Deren Arbeiten bereiten sozusagen den Weg in die Ausstellung. Auf Bildschirmen werden einzelne Arbeiten und Prozessausschnitte eingeblendet – und natürlich Saiten.
Die Ausstellung zeigt vor allem auch die Diversität unter den Gestalter:innen: Die einen arbeiten mit Farben und Plastizität und beschäftigen sich mit Kunst am Bau, während andere strikt auf Typografie und Formen setzen.
«Junge Grafik Schweiz»: bis Montag, 6. April, Museum für Gestaltung, Zürich.museum-gestaltung.ch
Die erste Design Week St.Gallen will die Kreativen der Stadt vernetzen und den «Kreativstandort» St.Gallen stärken. Explizit eingeladen sind auch die Einzelkämpfer:innen und kleinen Büros – «das Salz in der Suppe», wie Mitorganisatorin Kathrin Lettner sie nennt.
Ein Kunstblatt feiert 100 Ausgaben: Dafür reist Gaffa mit seinem Zine durch vier Schweizer Städte, den Auftakt macht St.Gallen. Weitere Ausgaben sind vorerst nicht geplant, Gaffas Zukunft wird dreidimensional.
Design Week St.Gallen
Zehn Kreative aus dem erweiterten Saiten-Dunstkreis haben wir gefragt: Was ist eigentlich diese ominöse Kreativszene? Gibt es einen «St.Galler Stil»? Wo liegt der Unterschied zwischen Kreativszene und Kreativwirtschaft? Und was braucht der «Kreativstandort» St.Gallen?
Der FC St.Gallen nützt eine frühe rote Karte gegen Lugano gnadenlos aus und schickt den bisher so souveränen Leader gleich mit 5:0 nach Hause. Ein denkwürdiger Nachmittag zum Nachlesen hier im SENF-Ticker.
Bücherherbst
Das Naturmuseum St.Gallen eröffnet Mitte November zum zehnjährigen Bestehen seines Neubaus den Ausstellungsbereich «Mensch und Universum». Zwischen Klimakrise und Sternenhimmel geht es um eine ziemlich grosse Frage: Wo stehen wir eigentlich?
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.