, 5. April 2020
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Quarantänetipp 11: Russisches Kino

Saiten hat in die Runde gefragt und allerhand «Quarantänetipps» zusammengestellt. Heute empfiehlt Maren Schreier cineastische Trouvaillen abseits des US-Serien Junkfoods.

Illustration: Dario Forlin

Lust auf Alternativen zum kapitalismusdurchdrungenen (US-Serien-)Junkfood? Die Website sovietmoviesonline.com macht die hierzulande kaum beachtete Vielfalt sowjetischer und russischer Filmkunst zugänglich – moderat kostenpflichtig, erfrischend «anders»!

Alle Filme in russischer Sprache mit englischen Untertiteln. Zar*innenzeit, Revolution, Kriege, postsowjetischer Kapitalismus: Gesellschaftsformen und Lebenswirklichkeiten, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten – hier ein chronologischer Vorschlag.

The Republic SHKID (1966) spielt im Petrograd der 1920er-Jahre. Vier Millionen obdachlose Kinder waren damals in der russischen Sowjetrepublik auf sich gestellt, sie wurden vom Geheimdienst («Tscheka») gefangen genommen und, wenn nicht ins Gefängnis oder in Lager, dann in Internate geschickt.

 

Was vom Rektor einer solchen Schule als Umerziehungsprogramm gedacht war, mündet in eine Art Mini-Revolution der Unterdrückten inklusive Solidarität der Erwachsenen.

Zeitsprung, 1970er-Jahre: Der Zweiteiler Irony of Fate, or Enjoy your Bath gilt bis heute als DER Kultfilm zum Neujahrsfest. Eine locker-leichte Liebeskomödie inklusive satirischem Blick auf die sowjetische Plattenbau-Wohnpolitik.

 

Ein weiterer Klassiker: Brother. Zusammenbruch der Sowjetunion, freies und rohes Spiel der Kräfte, Schauplatz ist das St.Petersburg der 1990er-Jahre. Kult: die Filmmusik und die in den Film eingebundenen Bands (z.B. Nautilus Pompilius, Bi-2).

Zeitgenössisch und unbedingt sehenswert sind die Filme von Andrey Zvyagintsev (einige liefen bereits im Kinok). Sie thematisieren auf stille, zugleich nachhaltig-eindringliche Weise Verwerfungen des postsowjetischen Kapitalismus, so zum Beispiel The Return (2003) oder Elena (2011).

Dieser Tipp erschien im Aprilheft von Saiten.

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