«Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.» Dieses Zitat von Blaise Pascal aus dem 17. Jahrhundert (!) kommt mir dieser Tage in den Sinn, wo uns allen der Einschluss droht oder zumindest ein starker Verzicht auf Begegnungen und Ausgang.
Vielleicht wäre es gar nicht verkehrt, jetzt nicht gleich wieder in die Aktivität zu gehen, sondern das zu versuchen, was Blaise Pascal uns indirekt vorschlägt: runterzufahren, innezuhalten, zu begreifen, was da gerade geschieht.
Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise, Luchterhand 2019, Fr. 33.30
Als Quarantäne-Lektüre kann ich Jaroslav Rudiš’ Roman Winterbergs letzte Reise empfehlen. Der hundertjährige Winterberg, geboren in der Tschechoslowakei 1918, macht mit seinem tschechischen Sterbebegleiter Herr Kraus die letzte Eisenbahnreise quer durch Mitteleuropa zu den Schauplätzen seines Lebens. Winterberg lebt meist in seiner Vergangenheit und verheddert sich oft zwischen der Realität seines Baedekkers aus dem Jahre 1913 und heute.
Trotzdem kommen sich beide Figuren erstaunlich nahe, tschechisches Bier fliesst in Strömen, und man erahnt mit jedem Bahnkilometer mehr, dass die Vergangenheit gar nicht vergangen ist, sondern höchst lebendig in ihren Auswirkungen und Traumata. Merkwürdig passend zu einer Zeit, in der man sich von den Alten fernhalten soll, um sie zu schützen, während hier eine Zuwendung des Sterbebegleiters zum alten Winterberg geschieht, die diesen nochmal ins Leben zurückbringt.
Wer jetzt nicht ganz auf Theater verzichten will, kommt beim digitalen Spielplan von nachtkritik.de auf die Rechnung, wo täglich per Stream die Aufzeichnung einer Theateraufführung aus dem deutschsprachigen Raum gezeigt wird. Und wer gern informatives Radio hört, dem sei die App Dlf Audiothek vom Deutschlandfunk empfohlen. Sehr übersichtlich und eine endlose Fundgrube!
«Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.» In diesem Sinne: einfach mal innehalten, wer weiss, wozu es gut ist.
Dieser Tipp erschien im Aprilheft von Saiten.
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative