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Saiten im Januar: Ciao!

Das Heft zum Konsulat. Ausserdem: Göldin und Bit-Tuner. Tsepo Pooe und Georg Gatsas. Gülistan Aslan. Stadtgeschichten, Kunstgeschichten, Musikgeschichten. Und Richards Geschichte: von Kliniken, Gefängnis, Frauen, zerbrochenen Scheiben und fliegenden Fernsehern.
Von  Redaktion Saiten , 
Im ehemaligen italienischen Konsulat fotografierte Ladina Bischof.

Wann standen Sie das letzte Mal an einem Schalter? Schon eine Weile her vermutlich. Die Post schliesst ihre Schalter, die Bahn, die Banken; beim Kloster Notkersegg oberhalb St.Gallen, wo die Nonnen früher ihre «Chrömli» verkauft haben, ist der geheimnisvolle Drehschalter längst geschlossen. Nicht nur im Kloster und 
im Service public, sondern fast allenthalben hat der virtuelle Schalter den realen abgelöst. Wir sind unsere eigenen Dienstleisterinnen und Dienstleister geworden, vis-à-vis kein mürrischer oder freundlicher Mensch am Schalter, sondern bloss unser eigenes Spiegelbild auf dem Bildschirm.

Das kann man einerseits begrüssen, weil Dienstleistung zumal in bürokratischen und autoritären Systemen rasch in Repression umkippen kann. Unvergesslich meine Ratlosigkeit an der «kassa»
im Hauptbahnhof von St.Petersburg, mit Sprachschwierigkeiten und einer gnadenlos abweisenden Dame hinter der fast undurchsichtigen Scheibe. Andrerseits verschwindet mit dem Schalter und der Schalterhalle jedoch ein Stück öffentlicher Raum und ein Ort des dialogischen Miteinanders. Begegnung im sozialen Raum, symbolisiert durch den Schalter, wird ersetzt durch solistisches Handeln im virtuellen Raum.

Zum einen herrscht globale Transparenz wie noch nie – zum andern verlieren wir uns im zwischenmenschlichen Nahverkehr aus den Augen. «Im Lauf des letzten halben Jahrhunderts», schreibt der Historiker Timothy Garton Ash in seinem
 vor kurzem erschienenen Buch Redefreiheit, «ist durch menschlichen Erfindungsgeist und Unternehmungslust, vom Düsenflugzeug bis zum Smartphone, eine Welt entstanden, in der wir alle zu Nachbarn werden, aber nirgends, schon gar nicht in 
den Geschichtsbüchern, steht geschrieben, dass wir gute Nachbarn sein werden.
Um das zu erreichen, bedarf es einer transkulturellen Anstrengung von Vernunft und Imagination.»

Wir nehmen diese grossen Worte gern mit auf den Weg ins Konsulat, den neuen Arbeitsort des Kulturmagazins Saiten, zusammen mit dem Projektraum Nextex der Visarte und mit Kunstschaffenden
des Werkhauses 45. Hier, im ehemaligen italienischen Konsulat an der Frongartenstrasse 9 in St.Gallen, entsteht eine kulturelle Zwischennutzung, befristet, aber wie wir hoffen inspirierend.

Das Januarheft erinnert an die Vergangenheit des Konsulats und die Geschichte der italienischen Migration in der Ostschweiz. Und es 
stösst einen oder mehrere Schalter in die Zukunft auf. Wir freuen uns, wenn das Haus – mit seinen nicht weniger als 13 Schaltern – eine Schaltstelle für Diskussionen und Debatten, für Anregungen und Interventionen wird. Wir erhoffen uns fürs neue Jahr ein neues Stück öffentlichen Raum. Raum für gute Nachbarn.

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen

Blickwinkel 
von Jiří Makovec
Weichenstellung von René Hornung
Redeplatz
 mit Yonas Gebrehiwet
Stadtpunkt von Dani Fels
Gastrecht IV: Daniel «Duex» Fontana gratuliert dem Palace

Ciao Konsulat!

Grazie
Das Buch zur italienischen Migration in der Ostschweiz – und was daraus zu lernen wäre.
von Peter Surber

«Man ging nach Italien»
Das italienische Konsulat an der Frongartenstrasse – eine Spurensuche.
von Peter Müller

«Mi sentivo a casa»
Warteschlangen, Konsulatsbesetzungen und ein mysteriöser Konsul mit Monokel.
von Christina Genova

Schalter auf!
Der Nationalstaat hat sich überlebt. Die Zukunft ist vieldimensional, transnational und interkulturell.
von Corinne Riedener

Im ehemaligen italienischen Konsulat fotografierte Ladina Bischof.

Perspektiven

Schaffhausen
Vorarlberg
Thurgau
Rapperswil-Jona
Stimmrecht von Gülistan Aslan

Report

Radost – Wenn Richard eine Reise tut
von Frédéric Zwicker

Flaschenpost von Georg Gatsas aus Johannesburg

#Saitenfährtein: 
Gottlieben und Kreuzlingen

Gottlieben? Hüppen. Gottlieben ist mehr als Hüppen.
von Frédéric Zwicker

Ist Kreuzlingen eine Kulturstadt? Ja. Nein. Jein.
von Peter Surber

Kultur

Sätze wie Pflastersteine: Göldin und Bit-Tuner
von Corinne Riedener

Ein Schräglift nach Rotmonten und anderes Nicht-Gebautes.
von René Hornung

Aus der Welt des Vergessens: Ruth.
von Veronika Fischer

Pferdegetrappel und Schiffshupe: Die Wurlitzer-Orgel.
von Peter Surber

Dürrenmatts Hotelbrand im Durcheinandertal.
von René Hornung

Der Fall Riccabona – ungelöst.
von Kurt Bracharz

Dubuffet und Prinzhorn treffen sich im Lagerhaus.
von Wolfgang Steiger

Neue Töne auf den Hügeln.
von Peter Surber

Die Kultur-Container von St.Margrethen.
von Stefanie Rohner

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover