, 30. Dezember 2016
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Saiten im Januar: Ciao!

Das Heft zum Konsulat. Ausserdem: Göldin und Bit-Tuner. Tsepo Pooe und Georg Gatsas. Gülistan Aslan. Stadtgeschichten, Kunstgeschichten, Musikgeschichten. Und Richards Geschichte: von Kliniken, Gefängnis, Frauen, zerbrochenen Scheiben und fliegenden Fernsehern.

Im ehemaligen italienischen Konsulat fotografierte Ladina Bischof.

Wann standen Sie das letzte Mal an einem Schalter? Schon eine Weile her vermutlich. Die Post schliesst ihre Schalter, die Bahn, die Banken; beim Kloster Notkersegg oberhalb St.Gallen, wo die Nonnen früher ihre «Chrömli» verkauft haben, ist der geheimnisvolle Drehschalter längst geschlossen. Nicht nur im Kloster und 
im Service public, sondern fast allenthalben hat der virtuelle Schalter den realen abgelöst. Wir sind unsere eigenen Dienstleisterinnen und Dienstleister geworden, vis-à-vis kein mürrischer oder freundlicher Mensch am Schalter, sondern bloss unser eigenes Spiegelbild auf dem Bildschirm.

Das kann man einerseits begrüssen, weil Dienstleistung zumal in bürokratischen und autoritären Systemen rasch in Repression umkippen kann. Unvergesslich meine Ratlosigkeit an der «kassa»
im Hauptbahnhof von St.Petersburg, mit Sprachschwierigkeiten und einer gnadenlos abweisenden Dame hinter der fast undurchsichtigen Scheibe. Andrerseits verschwindet mit dem Schalter und der Schalterhalle jedoch ein Stück öffentlicher Raum und ein Ort des dialogischen Miteinanders. Begegnung im sozialen Raum, symbolisiert durch den Schalter, wird ersetzt durch solistisches Handeln im virtuellen Raum.

Zum einen herrscht globale Transparenz wie noch nie – zum andern verlieren wir uns im zwischenmenschlichen Nahverkehr aus den Augen. «Im Lauf des letzten halben Jahrhunderts», schreibt der Historiker Timothy Garton Ash in seinem
 vor kurzem erschienenen Buch Redefreiheit, «ist durch menschlichen Erfindungsgeist und Unternehmungslust, vom Düsenflugzeug bis zum Smartphone, eine Welt entstanden, in der wir alle zu Nachbarn werden, aber nirgends, schon gar nicht in 
den Geschichtsbüchern, steht geschrieben, dass wir gute Nachbarn sein werden.
Um das zu erreichen, bedarf es einer transkulturellen Anstrengung von Vernunft und Imagination.»

Wir nehmen diese grossen Worte gern mit auf den Weg ins Konsulat, den neuen Arbeitsort des Kulturmagazins Saiten, zusammen mit dem Projektraum Nextex der Visarte und mit Kunstschaffenden
des Werkhauses 45. Hier, im ehemaligen italienischen Konsulat an der Frongartenstrasse 9 in St.Gallen, entsteht eine kulturelle Zwischennutzung, befristet, aber wie wir hoffen inspirierend.

Das Januarheft erinnert an die Vergangenheit des Konsulats und die Geschichte der italienischen Migration in der Ostschweiz. Und es 
stösst einen oder mehrere Schalter in die Zukunft auf. Wir freuen uns, wenn das Haus – mit seinen nicht weniger als 13 Schaltern – eine Schaltstelle für Diskussionen und Debatten, für Anregungen und Interventionen wird. Wir erhoffen uns fürs neue Jahr ein neues Stück öffentlichen Raum. Raum für gute Nachbarn.

Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen

Blickwinkel 
von Jiří Makovec
Weichenstellung von René Hornung
Redeplatz
 mit Yonas Gebrehiwet
Stadtpunkt von Dani Fels
Gastrecht IV: Daniel «Duex» Fontana gratuliert dem Palace

Ciao Konsulat!

Grazie
Das Buch zur italienischen Migration in der Ostschweiz – und was daraus zu lernen wäre.
von Peter Surber

«Man ging nach Italien»
Das italienische Konsulat an der Frongartenstrasse – eine Spurensuche.
von Peter Müller

«Mi sentivo a casa»
Warteschlangen, Konsulatsbesetzungen und ein mysteriöser Konsul mit Monokel.
von Christina Genova

Schalter auf!
Der Nationalstaat hat sich überlebt. Die Zukunft ist vieldimensional, transnational und interkulturell.
von Corinne Riedener

Im ehemaligen italienischen Konsulat fotografierte Ladina Bischof.

Perspektiven

Schaffhausen
Vorarlberg
Thurgau
Rapperswil-Jona
Stimmrecht von Gülistan Aslan

Report

Radost – Wenn Richard eine Reise tut
von Frédéric Zwicker

Flaschenpost von Georg Gatsas aus Johannesburg

#Saitenfährtein: 
Gottlieben und Kreuzlingen

Gottlieben? Hüppen. Gottlieben ist mehr als Hüppen.
von Frédéric Zwicker

Ist Kreuzlingen eine Kulturstadt? Ja. Nein. Jein.
von Peter Surber

Kultur

Sätze wie Pflastersteine: Göldin und Bit-Tuner
von Corinne Riedener

Ein Schräglift nach Rotmonten und anderes Nicht-Gebautes.
von René Hornung

Aus der Welt des Vergessens: Ruth.
von Veronika Fischer

Pferdegetrappel und Schiffshupe: Die Wurlitzer-Orgel.
von Peter Surber

Dürrenmatts Hotelbrand im Durcheinandertal.
von René Hornung

Der Fall Riccabona – ungelöst.
von Kurt Bracharz

Dubuffet und Prinzhorn treffen sich im Lagerhaus.
von Wolfgang Steiger

Neue Töne auf den Hügeln.
von Peter Surber

Die Kultur-Container von St.Margrethen.
von Stefanie Rohner

Abgesang

Kehl buchstabiert die Ostschweiz
Kellers Geschichten
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

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