«Il consolato non si tocca» – Hände weg vom Konsulat: Heftige Sätze wie dieser waren auf den Transparenten zu lesen, am 22. Mai 2014 in der St.Galler Innenstadt. Mehrere hundert Personen waren dem Aufruf zur Demonstration gefolgt und äusserten ihren Unmut – zum Teil mit wortspielerischer Lust.
«Chi a dato si vede dimenticato» war auf einem der Plakate gereimt zu lesen (sinngemäss: Zuerst gibt man, und dann wird man vergessen), und auf einem anderen: «Non vogliamo essere consolati, ma vogliamo i nostri consolati» (Wir wollen nicht getröstet werden, sondern wir wollen unser Konsulat).
Der Protest war nicht der erste – bereits im Januar (Bild oben) hatte sich eine grössere Menschenmenge vor dem Italienischen Konsulat an der Frongartenstrasse versammelt. Der Grund: Anfang 2014 hatte das Aussenministerium bekannt gegeben, aus Spargründen 24 Botschaften oder Konsulate im Ausland zu schliessen, darunter die seit über 100 Jahren bestehende Vertretung in St.Gallen.
Deren Einzugsgebiet umfasst mit rund 56’000 Personen die grösste Gruppe von Italienern in der Schweiz; das Gebiet erstreckt sich vom Tessin bis nach Winterthur. Für die «compatrioti» wie auch für Touristen bedeutete die Schliessung einen herben Verlust: für Passverlängerungen oder andere konsularische Amtshandlungen sollten sie künftig nach Zürich reisen.
Organisiert wurde der Protest vom Comitato italiani all‘ Estero di Sangallo, dem Komitee der Auslanditalienerinnen und -italiener. Viele ältere Italiener der ersten Generation fühlten sich wegen der Konsulatsschliessung vom eigenen Land verraten, wurde argumentiert.
Die Kundgebung, an deren Ende eine symbolische Besetzung des Konsulats stand, hatte zumindest teilweise Erfolg: Der italienische Staat hielt zwar am Schliessungsentscheid fest. Im Juli 2014 schloss das Konsulat seine Türen. In der Folge wurde aber zumindest eine teilweise Ersatzlösung gefunden worden: Einmal pro Woche öffnet im Italienischen Kulturzentrum in St.Gallen ein Konsulatsangestellter aus Zürich den Schalter.
Das Gebäude wurde anschliessend von der heutigen Besitzerin medisuisse, der AHV-Ausgleichskasse der Schweizer Ärzte, ersteigert. Sie plant an der Stelle einen Neubau. Mehr dazu hier und hier.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache
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Paris, New York, Shanghai, Ittingen: Mit Fabrice Hyber gastiert mal wieder ein international renommierter Künstler im Kunstmuseum Thurgau. Eine Begegnung.
Treueprobe, Verkleidungsspuk, Partner:innentausch: Così fan tutte scheint definitiv von vorgestern. Trotzdem lohnt sich Mozarts Oper auch jetzt wieder am Theater St.Gallen. Am Samstag war Premiere.
Das Kunstzeughaus Rapperswil-Jona zeigt seit dem 26. April die aktuelle Sammlungsausstellung «wohin – woher – womit». Mitgestaltet von Menschen aus der Region untersucht sie, wie Teilhabe in Museen künftig aussehen kann.
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Buch zur Migration in die Ostschweiz
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