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Ein Holzbau für die Uni St.Gallen

So soll der neue Campus der Universität St.Gallen am Platztor aussehen. (Visualisierungen: pd)

So soll der neue Campus der Universität St.Gallen am Platztor aussehen. (Visualisierungen: pd)

Das Siegerprojekt aus dem (zweiten) Wettbewerb für den neuen Campus der Universität St.Gallen am Platztor steht fest: Geplant ist ein Neubau aus Holz. Ausserdem soll die Offene Kirche am Rand des Areals als Studierendencafé stehen bleiben.

Das sieg­rei­che Ar­chi­tek­tur­bü­ro Gra­ber Pul­ver mit Sitz in Bern und Zü­rich, wel­ches das Pro­jekt zu­sam­men mit dem Pla­ner­bü­ro Jae­ger Cone­co aus Zü­rich er­ar­bei­tet hat, ha­be al­les rich­tig ge­macht, lob­te Kan­tons­bau­meis­ter Erol Do­guo­g­lu. Ein Holz­bau, der an auf­ein­an­der­ge­leg­te Holz­klöt­ze er­in­nert, sei städ­te­bau­lich ei­ne gu­te Lö­sung. Das Pro­jekt heisst denn auch «Tsu­mi­ki», Ja­pa­nisch für Holz­bau­stei­ne. 

Der Neu­bau wird zur Haupt­sa­che aus Holz er­rich­tet, mit ein­fa­chen, der Holz­bau­tech­nik an­ge­pass­ten Struk­tu­ren und mit ei­nem Ras­ter, das auf über­di­men­sio­nier­te Trä­ger ver­zich­ten kann. Die Ju­ry er­wähnt denn auch aus­drück­lich, dass auf ver­leim­te Trä­ger wo im­mer mög­lich zu ver­zich­ten sei, denn ver­leim­tes Holz ist kein na­tür­li­cher und re­zy­klier­ba­rer Bau­stoff.

Tsumiki Visualisierung Foyer

Im In­nern wird ein bis un­ters Dach of­fe­ner Licht­hof ent­ste­hen, der als Markt­platz funk­tio­nie­ren und Ver­an­stal­tun­gen mit bis zu 400 Per­so­nen er­mög­li­chen soll. Im Hof ver­bin­den Ram­pen und Trep­pen die ein­zel­nen Ge­bäu­de­tei­le, «wie Tei­le ei­ner Stadt», so der Kan­tons­bau­meis­ter. 

Auf der Nord­sei­te des fünf­ge­schos­si­gen Baus, am Hang zur Böck­lin­stras­se, ist ein Gar­ten ge­plant, der auf den Ren­de­rings üp­pig blü­hend aus­sieht. Die Men­sa wird dort ih­ren Aus­sen­be­reich ha­ben. 

Ca­fé in der Of­fe­nen Kir­che 

Ge­lobt wur­de, dass die Ar­chi­tekt:in­nen ho­hen Wert auf Nach­hal­tig­keit ge­legt ha­ben. Da­zu ge­hört auch, dass die Of­fe­ne Kir­che ste­hen blei­ben soll. Meh­re­re der ins­ge­samt 16 ein­ge­reich­ten Pro­jek­te ha­ben in ihr ei­nen Iden­ti­fi­ka­ti­ons­ort er­kannt. Die Wett­be­werbs­ge­win­ner wol­len hier ein Ca­fé un­ter­brin­gen. 

Das Pro­jekt sei auch wirt­schaft­lich und ha­be ein ver­nünf­ti­ges Ver­hält­nis zwi­schen Er­schlies­sun­gen und nutz­ba­ren Räu­men, lobt die Ju­ry. Auf über­brei­te Kor­ri­do­re wird ver­zich­tet. Man mer­ke, dass sehr viel Ent­wurfs- und Pla­nungs­ar­beit ge­leis­tet wor­den sei und dass hier be­währ­te Teams zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hät­ten. Auch die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Uni­ver­si­tät und Hoch­bau­amt ha­be die­ses Mal sehr gut ge­klappt. Die­se Ko­ope­ra­tio­nen wa­ren beim ers­ten, ge­schei­ter­ten Pro­jekt teils schwie­rig.

Der missratene erste Anlauf

Der nun ent­schie­de­ne Ar­chi­tek­tur­wett­be­werb für den Cam­pus Platz­tor ist der zwei­te An­lauf. 2019 hat­ten die Stimm­be­rech­tig­ten im Kan­ton St.Gal­len als ers­tes ei­nen 160-Mil­lio­nen-Fran­ken Kre­dit be­wil­ligt. Da­zu kom­men Bei­trä­ge des Bun­des, der Uni­ver­si­tät und der Stadt, so dass ins­ge­samt 207 Mil­lio­nen für ei­nen Neu­bau zur Ver­fü­gung ste­hen – ein Be­trag, der in­zwi­schen teue­rungs­be­rei­nigt um ei­ni­ges hö­her lie­gen wird.

Nach den ge­neh­mig­ten Kre­di­ten wur­de ein ers­ter Ar­chi­tek­tur­wett­be­werb aus­ge­schrie­ben und im April 2021 ent­schei­den. Das Pro­jekt «Haus im Park» schlug ein rund 80 Me­ter lan­ges Ge­bäu­de mit ei­ner ge­schwun­ge­nen Ein­gangs­ram­pe vor, schon da­mals teil­wei­se aus Holz kon­stru­iert, aber mit ei­ner Glas­fas­sa­de. Die Ju­ry war mit dem Vor­schlag nicht ganz zu­frie­den und gab 60 Emp­feh­lun­gen für Än­de­run­gen ab.

Das gut zwei Jah­re spä­ter vor­ge­stell­te über­ar­bei­te­te Pro­jekt sah da­nach deut­lich an­ders aus. Der Glas­an­teil wur­de re­du­ziert und die Fas­sa­de be­kam Son­nen­schutz­la­mel­len. Pro­ble­me gab es aber mit der Hö­he des Baus. Um Über­schrei­tun­gen zu ver­mei­den soll­te mehr Vo­lu­men in den Hang hin­ein ge­baut wer­den. Doch im Ok­to­ber 2023 wur­de dann be­kannt, dass auch die­se Ver­si­on noch nicht ge­nügt. Die Zu­sam­men­ar­beit von Ar­chi­tek­tur­bü­ro und Pla­ner­team, aber auch je­ne zwi­schen Uni­ver­si­tät und Hoch­bau­amt war schwie­rig ge­wor­den. Die Ju­ry stell­te fest, dass das Pro­jekt im­mer mehr an räum­li­cher und ge­stal­te­ri­scher Qua­li­tät ver­lo­ren ha­be. Schliess­lich stimm­te die Re­gie­rung auf An­trag des Hoch­bau­am­tes ei­nem Pla­nungs­ab­bruch und ei­nem neu­en Wett­be­werb zu, der jetzt ent­schie­den ist. Ins­ge­samt kos­tet der zwei­te An­lauf rund 1,5 Pro­zent der ge­sam­ten Bau­sum­me, ge­fähr­de al­so das Pro­jekt nicht. (rho) 

Klar aber war al­len Be­tei­lig­ten, dass ein Wett­be­werbs­pro­jekt noch Fein­jus­tie­run­gen braucht. So emp­fiehlt die Ju­ry die Ein­gangs­si­tua­ti­on an der St.Ja­kobstras­se zu ver­bes­sern. Dort ist es nach bis­he­ri­gen Plä­nen eher eng. Kei­ne Neu­ig­kei­ten gibt es zu den Ver­kehrs­fra­gen und der Er­reich­bar­keit mit der ho­hen Ver­kehrs­be­las­tung auf zwei Sei­ten des Cam­pus. Die Lärm­pro­ble­ma­tik sei im neu­en Pro­jekt aber sehr gut ge­löst, be­tont die Ju­ry. Sie möch­te im In­nern ei­ne noch of­fe­ne­re und in­ter­ak­ti­ons­freund­li­che­re Ge­stal­tung. In die­sem Zu­sam­men­hang ha­ben meh­re­re Wett­be­werbs­teil­neh­men­de die Vor­ga­be hin­ter­fragt, dass viel Ge­wicht auf die Er­schlies­sungs­räu­me und die ent­spre­chen­den Flä­chen ge­legt wer­den sol­le. Je Mehr Platz da­für ein­ge­plant wird, des­to schwie­ri­ger ist es näm­lich, die ver­lang­ten Qua­drat­me­ter an Lehr- und Lern­räu­men so­wie Bü­ros un­ter­zu­brin­gen. Das Sie­ger­pro­jekt ha­be die­ses Gleich­ge­wicht er­reicht.

Das Kos­ten­dach soll ein­ge­hal­ten wer­den – oh­ne Teue­rung 

Nicht nur der Kan­tons­bau­meis­ter war des Lo­bes voll für das Pro­jekt. Es ha­be sich ge­lohnt, ei­nen neu­en Wett­be­werb aus­zu­schrei­ben, sag­te Re­gie­rungs­rä­tin Su­san­ne Hart­mann, und Re­gie­rungs­rä­tin Bet­ti­na Sur­ber wies auf die gros­se Be­deu­tung der Uni­ver­si­tät für den Kan­ton hin. Denn ob­wohl die Bil­dungs­ein­rich­tung den Kan­ton auch ei­ni­ges kos­te, brin­ge sie ei­ne Wert­schöp­fung von weit über 300 Mil­lio­nen pro Jahr. HSG-Rek­tor Ma­nu­el Am­mann fand sei­ner­seits nur lo­ben­de Wor­te für das Pro­jekt und wies auf die Dring­lich­keit ei­nes zu­sätz­li­chen Ge­bäu­des hin, denn ak­tu­ell ha­be die Uni­ver­si­tät rund 40'000 Qua­drat­me­ter zu­ge­mie­tet. Im neu­en Cam­pus be­kommt sie Platz für 3'000 Stu­die­ren­de auf 12'000 Qua­drat­me­ter. Die Uni wird so ei­nen Teil der zu­ge­mie­te­ten Räu­me wie­der als Wohn­raum frei­ge­ben kön­nen.

Als nächs­tes muss die Stadt St.Gal­len ei­ne Zo­nen­plan­än­de­rung und ei­nen Son­der­nut­zungs­plan be­wil­li­gen. Aus­ser­dem ar­bei­ten die Teams an der De­tail­lie­rung des Pro­jekts. Die Ge­samt­kos­ten von 207 Mil­lio­nen Fran­ken, die al­ler­dings noch nicht teue­rungs­be­rei­nigt sind, könn­ten ein­ge­hal­ten wer­den, hiess es an der Me­di­en­prä­sen­ta­ti­on. Soll­ten Ein­spra­chen und Rechts­ver­fah­ren das Pro­jekt nicht ver­zö­gern, könn­te der neue Cam­pus 2032 be­zugs­be­reit sein.


Die 16 Pro­jek­te sind bis zum 10. Sep­tem­ber im 3. Stock der Haupt­post aus­ge­stellt (Ein­gang St.Le­on­hard-Stras­se). Zu­gäng­lich je­weils 16–19 Uhr. 

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