Glücklicherweise gibt es sie, diese kleinen unabhängigen Verlage, die auf Qualität setzen und sich in der Nische wohlfühlen. Ein Beispiel dafür ist der auf Jugendliche von 12 bis 16 Jahre ausgerichtete da bux-Verlag mit Sitz in Werdenberg. Seit seiner Gründung im Jahr 2016 sind 24 Bücher in sechs Editionen erschienen. Das Verlagstrio Alice Gabathuler, Stephan Sigg und Thomas Zai setzt sich zum Ziel, einer jüngeren Zielgruppe einfach zu lesende «Geschichten mit Tiefgang, die unterhalten, aber auch Diskussionsstoff bieten» näher zu bringen.
Jeden Herbst publiziert der Verlag vier eigenständige Bücher, der Turnus ist immer der gleiche, der Umfang der einzelnen Bände ebenfalls. Auf nur wenigen Seiten, in der Regel nicht mehr als 60, werden aus der Perspektive von Jugendlichen hochspannende Plots erzählt.
Bücher statt Viren
So auch in einem der vier neuen Bände, jenem mit dem Titel Patient 0. Sein Autor, der 38-jährige Thurgauer Severin Schwendener, hat Biologie studiert und Gene von Viren manipuliert. Leider sei aus einer Karriere als Forscher nichts geworden. Nun schreibt er sehr erfolgreich Bücher. Für sein Buch Pandemic, erschienen wie seine weiteren Romane in der Edition 8, hat er 2021 den erstmals vergebenen Schweizer Krimipreis gewonnen.
Autor Severin Schwendener. (Bild: pd)
Über seinen aktuellen Pandemie-Thriller für Jugendliche sagt Schwendener: «Das Schlimme passiert immer den anderen, und ich als Einzelperson habe darauf sowieso keinen Einfluss: Wir alle kennen diese Grundhaltung. Mit Patient 0 wollte ich zeigen, dass das Schlimme auch uns selbst zustossen kann, und dass das, was wir heute tun, unser Leben im Morgen sehr wohl beeinflusst.»
Patient 0 ist rasant erzählt. Auf nur 52 Seiten entfaltet der Autor ein ausgetüfteltes Katastrophenszenario. Angereichert ist der Text mit Stilelementen, die man aus Horrorfilmen kennt; keine leichte Kost, aber überzeugend und zwingend in seiner filmisch anmutenden Machart. Es ist die direkte Sprache des Autors, die keine Kraftausdrücke scheut, es ist der drängende Ton der Erzählung, der kaum Luft zum Atmen lässt. Der eigene Puls bleibt über die Seiten hinweg hoch, am Ende jedes Kapitels will man zum nächsten übergehen; dramaturgisch ist das sehr gekonnt gemacht.
Erzählt wird uns die Geschichte von Tom, dessen Anti-Haltung zur Welt und vor allem dem Virus gegenüber bereits auf der ersten Seite deutlich spürbar wird. Schwendener lässt der Wut seiner Hauptfigur freien Lauf: «Verboten. Ja, es ist verboten. Scheisse, was soll’s!… Die spinnen sowieso. Veranstaltungen mit mehr als zehn Personen zu verbieten. Wegen einer kleinen Grippe. Geht’s noch? … Es reicht schon, dass das Wetter so beschissen ist. Es schüttet, es stürmt, der Baum draussen sieht aus, als würde er sich unter den Schlägen eines Boxers wegducken.»
Jugendgerecht ohne Anbiederung
Handfest ist die Sprache. Direkt und unverhohlen. Biedert sich in keiner Weise an. Ist glaubwürdig. Und so erfahren wir im Lauf der Geschichte, wie der 16-jährige Schüler Tom eine riesige Geburtstagsparty in einer leerstehenden Villa zu feiern gedenkt und hierbei die verrücktesten Dinge erlebt. All das treibt ihn an den Rand der Verzweiflung. Doch es soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden.
Severin Schwendener: Patient 0. da bux Verlag, Buchs 2021, Fr 8.90. dabux.ch
Der Plot erinnert stark an US-amerikanische Highschool-Filme, an das Überschwängliche und Ungebändigte darin. Dennoch geht die Geschichte weit über ein solches Erzählen hinaus, spannt sogar den Bogen hin zu einer Dystopie – doch Schwendener ist Profi genug, den Erzählbogen nicht zu überspannen. Und so löst sich gegen Ende hin alles auf.
Das schmale Buch ist zwar in einfacher Sprache geschrieben, dem Lesevergnügen tut das aber keinen Abbruch. Verlag und Autor können somit grundlegend zufrieden sein – schliesslich erreichen sie damit mit grosser Sicherheit ihr anvisiertes Ziel: junge Menschen für das Lesen zu begeistern.
Sämtliche Buchcover – so auch das Cover von Patient 0 – stammen übrigens von der Grafikerin und Fotografin Tabea Hüberli. Neben den Büchern selbst bietet der Verlag zudem Arbeitsblätter als Unterrichtsmaterial für Schulen an. Diese sind ausschliesslich für den nicht-kommerziellen Gebrauch gedacht. Das Arbeitsblatt als Ergänzung für den Band Patient 0 umfasst etwa 12 Seiten und kann auf der Webseite des Verlages kostenlos heruntergeladen werden.
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.