Vom 21. Februar bis 3. März 2018 wird St.Gallen zum Nabel der Kinder- und Jugendtheaterszene. Einzelne Schulvorstellungen, die bereits im voraus über die Plattform kklick.ch angeboten wurden, sind bereits ausverkauft. Gabi Bernetta ist zufrieden mit dem bisherigen Interesse. Und fühlt sich bestätigt darin, dass ein Festival wie Jungspund eine Lücke füllt.
Diese Lücke sei in den letzten Jahren grösser geworden. Früher gab es «Blickfelder» (das Festival existiert in Zürich weiterhin, aber ohne die Spezialisierung auf Kinder- und Jugendtheater), und 2012 fand in Biel die letzte Ausgabe des Festivals SPOT statt, das bis dahin biennal unter der Leitung des ASTEJ, dem damaligen Schweizerischen Verband für Kinder- und Jugendtheater durchgeführt worden war. Deren Nachfolgeorganisation Assitej ist nun beim St.Galler Jungspund mit engagiert.
Darüber hinaus hätten viele Theater ihr Angebot für ein junges Publikum reduziert beziehungsweise böten es nicht mehr im freien Verkauf an, sondern konzentrierten sich auf Schulvorstellungen – «dabei ist gutes Kinder- und Jugendtheater auch für Erwachsene lohnend», sagt Gabi Bernetta. In Zürich, wo die Gessnerallee die Sparte kaum noch pflege, herrsche schon fast ein Notstand, was das Kinder- und Jugendtheater betreffe. Die löbliche Ausnahme ist das Vorstadttheater Basel, das sich auf die Sparte spezialisiert hat und mit Erfolg produziert.
Der Rückgang habe Folgen für die Truppen: Es fehle an guten Auftrittsmöglichkeiten. Und dies wiederum mache es für junge Schauspielerinnen und Schauspieler weniger attraktiv, sich im Jugendtheater zu engagieren – «weil man sie dort zu wenig wahrnimmt». Höchste Zeit also für Jungspund, sagt Gabi Bernetta.
Cie. Philippe Saire. (Bild: Philippe Pache)
Das Festival bringt nach St.Gallen, was Rang und Namen hat in der Schweizer Szene. Für die erste Durchführung habe sich die sechsköpfige Programmkommission ganz auf die Schweiz konzentriert und wolle damit ein «Statement» für das hiesige Schaffen abgeben. Alle Sprachregionen und zahlreiche bekannte Namen sind vertreten – hingegen fehle beim ersten Mal «das ganz grosse Experiment».
Und es fehlen, aus Überzeugung, Produktionen mit Kindern und Jugendlichen. Für Jugendclubs gebe es andere Auftrittsmöglichkeiten – das Festival Jungspund will sich auf professionelles Theater für ein junges Publikum konzentrieren. Und damit auch unterstreichen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Die Qaulitätsansprüche sind genauso hoch wie für Erwachsenentheater. Wenn nicht höher – denn Kinder sind bekanntlich ein besonders kritisches Publikum.
Für alle Altersklassen
Eröffnet wird das Festival mitDas Lehrerzimmer – Eine Passion, der neuesten Produktion des Vorstadttheater Basel, die in Koproduktion mit dem Festival entsteht. Als weitere Koproduktion gastiert die Cie. Philippe Saire aus Lausanne mit ihrer magisch verspielten Tanzperformance Hocus Pocus, einem visuellen Erlebnis zwischen Tanz, Theater und Installation, in St.Gallen
Zudem bringen die beiden lokalen Partner des Festivals zum Jungspund zwei Premieren heraus: Eins Zwei Drei Vorbei des Figurentheaters St.Gallen thematisiert in poetischen Bildern den ewigen Kreislauf des Lebens. Das Theater St.Gallen zeigt seine Jugendproduktion Räuberhände. Das Stück erzählt die Geschichte zweier Freunde, die sich auf einen Roadtrip nach Istanbul begeben.
«5 Gründe, warum Delfine böse Tiere sind» von KNPV. (Bild: Ingo Höhn)
Das Stück des Figurentheaters richtet sich an das jüngste Publikum ab 4 Jahren, ebenfalls ein Improvisationskonzert namens Block 47C mit dem Musiker Andi Peter, der auch die Jungspundband leitet, die das Festival musikalisch begleitet. Für die Nächstälteren, ab 6 oder 7 Jahren, sind Knapp e Familie des Schaffhauser Theaters Sgaramusch, Peter Rinderknechts Mein Name ist Schaf und Hocus Pocus von Philippe Saire gedacht.
In der gefragten Kategorie ab 9 oder 10 Jahren kommen das Basler Vorstadttheater mit Das Lehrerzimmer – eine Passion, die TRIAD Theatercompany mit Herzwerk und das Tessiner Trickster-Ensemble mit der Installation h+g zu Hänsel und Gretel in die Lokremise. Für Jugendliche schliesslich spielen das Theater Katerland (Krieg, ab 12), das Junge Theater Basel (Wohin du mich führst) und das Theater St.Gallen (Räuberhände», beide ab 14) sowie die Compagnie KNPV mit einer gemäss Ankündigung nicht ganz jugendfreien schwarzen Komödie 5 Gründe, warum Delfine böse Tiere sind (ab 16 Jahren).
Theater Sgaramusch. (Bild: Niklaus Spoerri)
Das Festivalzentrum in der Lokremise mit Café und Bar ist täglich geöffnet. Im Rahmenprogramm gibt es einen «Tauschkiosk à Gogo», einen Speeddating-Termin für «alte Hasen und junge Spunde, einen Szenografie-Workshop und anderes.
jungspund.ch
Das Theaterfestival für junges Publikum «jungspund» wird vom eigens gegründeten Verein «Junge Szene Schweiz» veranstaltet und soll in Zukunft alle zwei Jahre in St.Gallen stattfinden. Partner sind das Figurentheater und das Theater St.Gallen – dank letzterem steht für das Festival technisches Material und vor allem die Lokremise zur Verfügung.
Gabi Bernetta weiss um das Privileg, die sonst für das freie Theater fast nicht zugängliche Lokremise bespielen zu können. Sie habe auch sonst rundum offene Türen gefunden: bei der Szene selber, bei den Schulen und bei den Geldgebern, darunter die Kantone St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden, die Stadt St.Gallen, die Stiftung Pro Helvetia und andere Stiftungen, welche das Budget von rund einer halben Million Franken mittragen.
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