Kategorie
Autor:innen
Jahr

Alte Hasen für junge Spunde

Nächsten Februar findet in der Lokremise erstmals Jungspund statt, ein neues Festival für Kinder- und Jugendtheater. Seit heute ist das Programm publik – Festivalleiterin Gabi Bernetta über die Szene und den Spielort St.Gallen.
Von  Peter Surber
Peter Rinderknecht. (Bild: Christian Altorfer)

Vom 21. Februar bis 3. März 2018 wird St.Gallen zum Nabel der Kinder- und Jugendtheaterszene. Einzelne Schulvorstellungen, die bereits im voraus über die Plattform kklick.ch angeboten wurden, sind bereits ausverkauft. Gabi Bernetta ist zufrieden mit dem bisherigen Interesse. Und fühlt sich bestätigt darin, dass ein Festival wie Jungspund eine Lücke füllt.

Diese Lücke sei in den letzten Jahren grösser geworden. Früher gab es «Blickfelder» (das Festival existiert in Zürich weiterhin, aber ohne die Spezialisierung auf Kinder- und Jugendtheater), und 2012 fand in Biel die letzte Ausgabe des Festivals SPOT statt, das bis dahin biennal unter der Leitung des ASTEJ, dem damaligen Schweizerischen Verband für Kinder- und Jugendtheater durchgeführt worden war. Deren Nachfolgeorganisation Assitej ist nun beim St.Galler Jungspund mit engagiert.

Darüber hinaus hätten viele Theater ihr Angebot für ein junges Publikum reduziert beziehungsweise böten es nicht mehr im freien Verkauf an, sondern konzentrierten sich auf Schulvorstellungen – «dabei ist gutes Kinder- und Jugendtheater auch für Erwachsene lohnend», sagt Gabi Bernetta. In Zürich, wo die Gessnerallee die Sparte kaum noch pflege, herrsche schon fast ein Notstand, was das Kinder- und Jugendtheater betreffe. Die löbliche Ausnahme ist das Vorstadttheater Basel, das sich auf die Sparte spezialisiert hat und mit Erfolg produziert.

Der Rückgang habe Folgen für die Truppen: Es fehle an guten Auftrittsmöglichkeiten. Und dies wiederum mache es für junge Schauspielerinnen und Schauspieler weniger attraktiv, sich im Jugendtheater zu engagieren – «weil man sie dort zu wenig wahrnimmt». Höchste Zeit also für Jungspund, sagt Gabi Bernetta.

Cie. Philippe Saire. (Bild: Philippe Pache)

Das Festival bringt nach St.Gallen, was Rang und Namen hat in der Schweizer Szene. Für die erste Durchführung habe sich die sechsköpfige Programmkommission ganz auf die Schweiz konzentriert und wolle damit ein «Statement» für das hiesige Schaffen abgeben. Alle Sprachregionen und zahlreiche bekannte Namen sind vertreten – hingegen fehle beim ersten Mal «das ganz grosse Experiment».

Und es fehlen, aus Überzeugung, Produktionen mit Kindern und Jugendlichen. Für Jugendclubs gebe es andere Auftrittsmöglichkeiten – das Festival Jungspund will sich auf professionelles Theater für ein junges Publikum konzentrieren. Und damit auch unterstreichen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Die Qaulitätsansprüche sind genauso hoch wie für Erwachsenentheater. Wenn nicht höher – denn Kinder sind bekanntlich ein besonders kritisches Publikum.

Für alle Altersklassen

Eröffnet wird das Festival mitDas Lehrerzimmer – Eine Passion, der neuesten Produktion des Vorstadttheater Basel, die in Koproduktion mit dem Festival entsteht. Als weitere Koproduktion gastiert die Cie. Philippe Saire aus Lausanne mit ihrer magisch verspielten Tanzperformance Hocus Pocus, einem visuellen Erlebnis zwischen Tanz, Theater und Installation, in St.Gallen

Zudem bringen die beiden lokalen Partner des Festivals zum Jungspund zwei Premieren heraus: Eins Zwei Drei Vorbei des Figurentheaters St.Gallen thematisiert in poetischen Bildern den ewigen Kreislauf des Lebens. Das Theater St.Gallen zeigt seine Jugendproduktion Räuberhände. Das Stück erzählt die Geschichte zweier Freunde, die sich auf einen Roadtrip nach Istanbul begeben.

«5 Gründe, warum Delfine böse Tiere sind» von KNPV. (Bild: Ingo Höhn)

Das Stück des Figurentheaters richtet sich an das jüngste Publikum ab 4 Jahren, ebenfalls ein Improvisationskonzert namens Block 47C mit dem Musiker Andi Peter, der auch die Jungspundband leitet, die das Festival musikalisch begleitet. Für die Nächstälteren, ab 6 oder 7 Jahren, sind Knapp e Familie des Schaffhauser Theaters Sgaramusch, Peter Rinderknechts Mein Name ist Schaf und Hocus Pocus von Philippe Saire gedacht.

In der gefragten Kategorie ab 9 oder 10 Jahren kommen das Basler Vorstadttheater mit Das Lehrerzimmer – eine Passion, die TRIAD Theatercompany mit Herzwerk und das Tessiner Trickster-Ensemble mit der Installation h+g zu Hänsel und Gretel in die Lokremise. Für Jugendliche schliesslich spielen das Theater Katerland (Krieg, ab 12), das Junge Theater Basel (Wohin du mich führst) und das Theater St.Gallen (Räuberhände», beide ab 14) sowie die Compagnie KNPV mit einer gemäss Ankündigung nicht ganz jugendfreien schwarzen Komödie 5 Gründe, warum Delfine böse Tiere sind (ab 16 Jahren).

Theater Sgaramusch. (Bild: Niklaus Spoerri)

Das Festivalzentrum in der Lokremise mit Café und Bar ist täglich geöffnet. Im Rahmenprogramm gibt es einen «Tauschkiosk à Gogo», einen Speeddating-Termin für «alte Hasen und junge Spunde, einen Szenografie-Workshop und anderes.

Das Theaterfestival für junges Publikum «jungspund» wird vom eigens gegründeten Verein «Junge Szene Schweiz» veranstaltet und soll in Zukunft alle zwei Jahre in St.Gallen stattfinden. Partner sind das Figurentheater und das Theater St.Gallen – dank letzterem steht für das Festival technisches Material und vor allem die Lokremise zur Verfügung.

Gabi Bernetta weiss um das Privileg, die sonst für das freie Theater fast nicht zugängliche Lokremise bespielen zu können. Sie habe auch sonst rundum offene Türen gefunden: bei der Szene selber, bei den Schulen und bei den Geldgebern, darunter die Kantone St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden, die Stadt St.Gallen, die Stiftung Pro Helvetia und andere Stiftungen, welche das Budget von rund einer halben Million Franken mittragen.

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095

Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps 7 The Long Seat

Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
Whats App Image 2026 07 01 at 22 09 10

«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 01

«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
Bildschirmfoto 2026 06 29 um 11 44 42

Der «Landesverräter» war gern am Fluss

Ernst S. und die Sit­ter

Von  Roman Hertler
2502 Max Butz 05

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 1

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 1: Open­air-Ki­nos, Bla­bla­bor – «Gue­ril­la Ra­dio», Mi­chail Pir­ge­lis – «HYLE», «Hei­mat­flim­mern», Kul­tur­fes­ti­val St.Gal­len, Le­on­ce und Le­na, Kunst­spa­zier­gän­ge und Mu­sik im «Flööz­li» so­wie Rund­gän­ge zum Blu­men­wies und zur Schwamm­stadt. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Happily Aging Dying

Musik im Rorschacherberg

Schloss­mu­sik von Big Band bis In­die

Von  Vera Zatti
Sommerbuehne by Night

Der Wi­der­stand der Ama­zo­nas­frau­en

In Kon­stanz gas­tiert der­zeit die Grup­pe As Ka­ru­a­na – ein po­li­ti­scher Frau­en­chor aus dem Ama­zo­nas. Sie zeigt mit ih­rer Mu­sik, ih­rem Tanz, ih­rer Kunst und ih­rem Wis­sen po­li­ti­sche Ré­sis­tance und kämpft für die Rück­erobe­rung ih­rer in­di­ge­nen Kul­tur.

Von  Veronika Fischer
AS KARUANA Gruppenfoto4