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«Sie sind unser geistiges Eigentum»

Bahram und Sadaf hoffen, dass der exzentrische Kinobetreiber (links) ihren Film zeigt - trotz  fehlender Genehmigung. (Bild: pd)

Bahram und Sadaf hoffen, dass der exzentrische Kinobetreiber (links) ihren Film zeigt - trotz  fehlender Genehmigung. (Bild: pd)

In seinem neusten Film Divine Comedy zeigt Ali Asgari humorvoll die Widersprüche des iranischen Regimes. Dabei wird ein einziger Tag im Leben eines Regisseurs zur theatralischen Suche nach Schlupflöchern.

Dass der Iran mit Ge­set­zen und Ge­walt Kul­tur, Me­di­en und Po­li­tik zen­siert, ist be­kannt. Auch die Bru­ta­li­tät, mit wel­cher der Staat mit je­nen um­geht, die sich der Zen­sur ver­wei­gern. Hoff­nung auf Bes­se­rung gibt es für die Be­völ­ke­rung nicht, auch nicht jetzt, wo die USA rück­sichts­los ein­grei­fen – denn al­ter­na­ti­ve Kräf­te im Land sind rar.

Ali As­ga­ri, ira­ni­scher Re­gis­seur, hat mit Ter­restri­al Ver­ses be­reits vor drei Jah­ren mit sei­nem Kol­le­gen Ali­re­za Khat­a­mi ein trau­rig-ko­mi­sches Ab­bild die­ser Zen­sur ge­zeich­net. In dem Spiel­film wer­den Per­so­nen be­fragt, die ge­gen die Sit­te oder das Ge­setz ver­stos­sen ha­ben. Die Ge­sprä­che zei­gen de­ren Ab­sur­di­tät. Di­vi­ne Co­me­dy ist nun qua­si ein nächs­ter Schritt.

Der Re­gis­seur Bahr­am Ark, der ei­ne fik­ti­ve Ver­si­on von sich selbst spielt, ver­sucht sei­nen neus­ten Film vor­zu­füh­ren. Die­ser wur­de vom Kul­tur­mi­nis­te­ri­um ver­bo­ten, weil dar­in ein Hund im Haus ge­hal­ten wird. Hun­de gel­ten nach is­la­mi­schem Recht als un­rein und sind draus­sen zu hal­ten. Aus­ser­dem ist der Film auf Tür­kisch und die Pro­du­zen­tin trägt kein Kopf­tuch. Ark bie­tet der un­sicht­ba­ren Per­son hin­ter der Ka­me­ra zwar an, sich per­sön­lich vor dem Jüngs­ten Ge­richt für die­se «Sün­den» zu ver­ant­wor­ten, doch das la­ko­ni­sche An­ge­bot stösst auf tau­be Oh­ren. Ark ha­be sich an die Ge­set­ze zu hal­ten – «sie sind un­ser geis­ti­ges Ei­gen­tum».

Skur­ri­le Ku­lis­sen

Ge­mein­sam mit sei­ner Freun­din und Pro­du­zen­tin Sa­d­af (Sa­d­af As­ga­ri, die Nich­te von Ali As­ga­ri) fährt er ei­nen Tag lang auf ih­rer Ves­pa durch Te­he­ran, um ein Ki­no zu fin­den, das den Film trotz­dem zeigt. Wäh­rend Bahr­am ein zwar hart­nä­cki­ger, aber den­noch zu­rück­hal­ten­der Künst­ler­typ ist, fällt sei­ne Freun­din auf. Sa­d­afs Haa­re sind blau, sie trägt kein Hi­jab, die Ves­pa ist pink, sie fährt, sie kennt die Ki­no­be­sit­zer. Man könn­te ih­re Rol­le als Zei­chen für die fe­mi­nis­ti­sche Be­we­gung im Land deu­ten.

Auf der Su­che trifft das Paar auf ei­nen Ki­no­be­sit­zer, der ab­lehnt – «Ich geh doch nicht für dich ins Ge­fäng­nis» –, und ei­nen, der erst nicht nach der be­hörd­li­chen Vor­füh­rungs­er­laub­nis fragt, da­für aber mit Ko­ka­in und ei­ner Rol­le in Arks Fil­men be­schenkt wer­den will, schliess­lich sei er «der bes­te Schau­spie­ler des Irans».

Ge­nau wie in Ter­restri­al Ver­ses sind die Ge­sprä­che in Di­vi­ne Co­me­dy als Halb­to­ta­le ge­filmt, One-Ta­kes, im­mer aus der­sel­ben Per­spek­ti­ve: Die Be­tei­lig­ten sit­zen ne­ben­ein­an­der fron­tal zum Pu­bli­kum, als be­fän­den sie sich auf ei­ner Büh­ne – Bahr­am wird öf­ter von sei­nen Ge­sprächs­part­nern im Stuhl fron­tal zur Ka­me­ra ge­scho­ben. Da­durch ent­steht ei­ne ver­spiel­te Thea­tra­lik. Auch das Set um die Dia­lo­ge, die stets zwi­schen hu­mor­voll und tra­gisch os­zil­lie­ren, ist per­fekt in­sze­niert. Ali As­ga­ri zeigt wit­zig, sub­til, aber di­rekt, was Sa­che ist, oh­ne drauf­zu­hau­en.

Fra­gi­le Welt

Ein Cock­tail wird in den Hän­den des Bö­se­wichts zum ver­lo­cken­den Ap­fel, ein Pla­kat zum Kunst­werk oder ei­ne Tas­se zum Sinn­bild. Auf­fal­lend sind auch die vie­len Me­ta-Ebe­nen des Films. So sitzt Bahr­am ein­mal im sel­ben Bü­ro wie in Ter­restri­al Ver­ses, wo er auch mit­spielt. In Di­vi­ne Co­me­dy wer­den dem Re­gis­seur Rol­len in As­ga­ris al­ten Fil­men vor­ge­wor­fen – sie sei­en «un­an­stän­dig». Bahr­am und sein Bru­der, der eben­falls mit­spielt, sind auch im ech­ten Le­ben Au­toren, Re­gis­seu­re und Schau­spie­ler und ha­ben am Dreh­buch von Di­vi­ne Co­me­dy mit­ge­ar­bei­tet. Auch Sa­d­af As­ga­ri, die für ih­ren letz­ten Film ein Ar­beits­ver­bot er­hielt, spielt ei­ne fik­ti­ve Ver­si­on ih­rer selbst. Zu­dem sind Art­house-Fil­me durchs Band The­ma, al­le be­zeich­nen sich als Ci­ne­as­ten, der gan­ze Film ist ei­ne Ode an Film und Ki­no. Di­vi­ne Co­me­dy sei «tief im Rea­lis­mus ver­wur­zelt», sagt As­ga­ri, nut­ze je­doch «die Mit­tel des Ki­nos, um die Ab­sur­di­tät der Welt, in der er spielt, zu­zu­spit­zen».

Schliess­lich fin­det Ark mit Hil­fe des Ko­ka­in-Ci­ne­as­ten ei­ne Tier­schüt­ze­rin, die ih­re Woh­nung für die Vor­stel­lung zur Ver­fü­gung stellt. Am En­de ist al­les aber doch fra­gi­ler, als es zu sein scheint.

Di­vi­ne Co­me­dy: ab 23. April, Ki­nok, St.Gal­len.
ki­nok.ch

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2