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Landeshalbierung à la SVP

Die wählerstärkste Partei der Schweiz kupfert bei der amerikanischen Republikanischen Partei ab. Es ist kein Sparprogramm, sondern eine autokratische Trockenübung. Ein Kommentar.

(Bild: Matthew Worden)

(Bild: Matthew Worden)

Ob SRG SSR, Neue Bi­blio­thek St.Gal­len oder in­te­gra­ti­ver Un­ter­richt – die SVP (und nicht nur sie) be­kämpft die­se In­sti­tu­tio­nen und Pro­jek­te. Der ge­mein­sa­me Nen­ner ist nicht «Spa­ren», son­dern die Aus­höh­lung je­ner In­fra­struk­tur, die De­mo­kra­tie über­haupt erst mög­lich macht: ge­mein­sa­me Öf­fent­lich­keit, Bil­dung, Kul­tur, Zu­gang zu über­prüf­ba­ren In­for­ma­tio­nen.

Am 8. März 2026 stim­men wir über die In­itia­ti­ve «200 Fran­ken sind ge­nug! (SRG-In­itia­ti­ve)» ab. Sie nennt sich Ge­büh­ren­brem­se, aber im Kern ist sie ein mas­si­ver Ein­schnitt, der die SRG SSR in al­len Sprach­re­gio­nen schwächt, und da­mit ge­nau das, was sie im bes­ten Fall leis­tet: kul­tu­rel­len und re­gio­nal­sprach­li­chen Zu­sam­men­halt, ei­ne ge­mein­sa­me Fak­ten­ba­sis, ein Mi­ni­mum an öf­fent­li­cher Kon­trol­le. Sie macht es Lü­gen schwe­rer, als Tat­sa­chen zu kur­sie­ren.

Das­sel­be Mus­ter zeigt sich in St.Gal­len. Die Re­gie­rung hat das Pro­jekt «Neue Bi­blio­thek St.Gal­len» um bis zu drei Jah­re ver­scho­ben, mit der Be­grün­dung, im Kan­tons­rat sei die Mehr­heit ak­tu­ell nicht ge­ge­ben. Das ist ein Ein­ge­ständ­nis po­li­ti­scher Mut­lo­sig­keit: Ein Pro­jekt, das de­mo­kra­tisch be­schlos­sen wur­de, wird nicht um­ge­setzt, weil es viel­leicht wie­der be­kämpft wer­den könn­te. 

Par­al­lel da­zu sagt die SVP als ein­zi­ge Par­tei of­fen, sie leh­ne das Pro­jekt grund­sätz­lich ab. Sie will es nicht «in zwei Jah­ren» und nicht «in drei Jah­ren», son­dern nie. Das ist kein Rin­gen um Kos­ten und Ar­chi­tek­tur, das ist ein An­griff auf die Idee ei­nes zen­tra­len Wis­sens­or­tes: Je we­ni­ger ein Volk weiss, des­to leich­ter ist es zu ma­ni­pu­lie­ren. Um­so mehr hät­te sich die St.Gal­ler Re­gie­rung da­für ein­set­zen – und den Volks­wil­len um­set­zen – müs­sen.

Wer sol­che ge­mein­sa­men Räu­me schwächt – oder sie mut­los auf die lan­ge Bank schiebt –, ar­bei­tet an der Spal­tung des Lan­des. Oh­ne ge­teil­te Öf­fent­lich­keit und oh­ne Bil­dung wird Kul­tur zur Pro­pa­gan­da, In­klu­si­on zur Ziel­schei­be, und «Volks­wil­le» zu ei­nem Wort, das gilt, so­lan­ge es passt. Au­to­bahn, Pfle­ge, In­klu­si­on, Bi­blio­thek, SRG: Wir sind nur dann fürs Volk, wenn das Volk uns nützt.

Ich muss hier ame­ri­ka­nisch wer­den. Denn man sieht ge­ra­de, wie schnell es ge­hen kann, wenn an der De­mo­kra­tie her­um­ge­schraubt wird. Der Gros­se Wü­te­rich sag­te 2016: «I love the po­or­ly edu­ca­ted» – sein po­li­ti­sches Pro­gramm in atem­be­rau­bend we­ni­gen Wör­tern. Heu­te ver­klagt er Zei­tun­gen wie «The Wall Street Jour­nal» auf ab­sur­de Sum­men (in ei­nem Fall: 10 Mil­li­ar­den Dol­lar). Gleich­zei­tig wird un­ab­hän­gi­ger Jour­na­lis­mus öko­no­misch aus­ge­höhlt: Die «Wa­shing­ton Post» hat An­fang Fe­bru­ar rund ein Drit­tel der Stel­len ge­stri­chen. Na­tio­na­le Kul­tur­stät­ten ge­ra­ten in po­li­ti­sche Tur­bu­len­zen: Für das Ken­ne­dy Cen­ter steht ei­ne zwei­jäh­ri­ge Schlies­sung ab 4. Ju­li 2026 (250. Na­tio­nal­fei­er­tag!) we­gen «Re­no­va­ti­on» im Raum. Und selbst die Ur­vor­aus­set­zung von De­mo­kra­tie – fai­re Wah­len – wird rhe­to­risch an­ge­grif­fen: Der Gros­se Wü­te­rich for­der­te öf­fent­lich, die Re­pu­bli­ka­ner soll­ten das Wäh­len «na­tio­na­li­sie­ren». Heisst: «Ta­ke over».

So weit sind wir hier noch nicht. Die SVP aber stu­diert auf­merk­sam die ame­ri­ka­ni­sche Re­pu­bli­ka­ni­sche Par­tei. Sie be­treibt ei­ne Po­li­tik, die sie noch nicht of­fen «Switz­er­land First» nennt, die aber auf Fake News, Ras­sis­mus und De­mo­kra­tie­feind­lich­keit setzt wie ihr US-Vor­bild. Wer heu­te in der Schweiz an SRG, Bi­blio­thek und in­te­gra­ti­vem Un­ter­richt sägt, stu­diert – be­wusst oder in­stink­tiv – ge­nau je­ne Me­tho­de, die auf Miss­trau­en, Feind­bil­der und pro­jec­tion setzt: al­le an­de­ren der Lü­ge be­zich­ti­gen, wäh­rend man sie mit Füs­sen tritt.

Die Mut­lo­sig­keit un­se­rer Re­gie­run­gen (nicht nur der St.Gal­ler) ist scho­ckie­rend. Wer um et­was so Wich­ti­ges wie die neue St.Gal­ler Bi­blio­thek kämp­fen will, muss es jetzt tun, nicht wenn es wirk­lich zu spät ist. Was sich über die SRG-In­itia­ti­ve sa­gen lässt, gilt auch für die Bi­blio­thek (und den in­te­gra­ti­ven Un­ter­richt und vie­les mehr): Das ist kein Spar­pro­gramm, das ist ei­ne au­to­kra­ti­sche Tro­cken­übung. 

In den USA se­hen wir live, in er­schre­cken­dem Tem­po, wo das hin­führt. Vor kur­zem wä­ren War­nun­gen dies­be­züg­lich noch als hys­te­ri­sches Ge­schwätz ab­ge­tan. Weh­ret den An­fän­gen.

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

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Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
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Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

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Offener Brief an die Bundespolitik

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Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

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Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

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Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01