Das Frauenfelder Kulturlokal KAFF soll einen festen Platz auf dem Unteren Mätteli bekommen. Und bietet damit der ständigen Zügelei und hohen Mieten trotzig die Stirn.
Das Bauprojekt «KAFF auf Dauer» sei ganz fest auf dem Mist des Architekten gewachsen, sagt Anna Villiger, Vize-Präsidentin des Vereins Kulturarbeit für Frauenfeld. «Doch wir stehen in regem Austausch mit ihm.» Joel Introvigne war früher selbst aktives Mitglied beim KAFF, das seit gut 15 Jahren und damit als erstes das Feld alternativer Kultur in der Kantonshauptstadt bespielt. «In den letzten Jahren mussten wir dreimal zügeln.»
Diese ständige Entwurzelung sei ein Hauptgrund für die Idee des Projekts gewesen. Denn künftig sollen die Konzerte, Lesungen und Bar-Abende in einem mobilen Holzpavillon stattfinden. Die Stadt Frauenfeld steht hinter dem 900’000-Franken-Projekt. «Wir arbeiten sehr gut mit der Stadt zusammen, aber sie hat uns gegenüber auch eine Bringschuld», findet Jasmine Studerus. Neben ihrem Studium der angewandten Psychologie ist sie in einem kleinen Pensum von 10 bis 20 Prozent fürs Sekretariat im KAFF zuständig.
Synergien im Unteren Mätteli
Die Stadt war es, die sich stark dafür einsetzte, einen Platz für das neue KAFF zu finden. Auf einem «an sich langweiligen Parkplatz», wie Anna das Untere Mätteli am Bahnhof nennt, wird dem Holzpavillon bis 2024 Bleiberecht garantiert. Die Baueingabe fand am 1. April statt. Ganz so langweilig ist der Platz allerdings gar nicht. Mehrere Holzschuppen, die als Lagerhallen für Schneefahrzeuge, für das KAFF selbst und die Bus-Bar «Haltestelle» des Vereins «Fründeskreis» dienen, umrahmen das Feld.
An einem der Schuppen ist ein Taubenschlag angebaut. Das ist schon mal ein Hinweis auf das, was hier kommen wird: viel Leben. Mit dem «Fründeskreis» hätten sie im Oktober bereits gemeinsam eine Rollschuhdisko organisiert. Die beiden Kulturvereine passten super zusammen und könnten sich künftig gegenseitig befruchten. Eine regelrechte «Kulturoase» könne hier entstehen, schwärmen die beiden.
Dass die Stadt diesen zentralen, rasch vom Bahnhof erreichbaren und in unmittelbarer Nachbarschaft der Theaterwerkstatt «Gleis 5» angesiedelten Ort ausgesucht hat, steht im Zusammenhang mit der Ausgestaltung des Murgbogens, die für die kommenden Jahre ansteht. Das «Schlüsselprojekt Murgbogen» soll Begegnungsfläche im öffentlichen Raum schaffen.
«Für uns ist diese Lösung eigentlich ein perfekter Kompromiss.» Jasmine Studerus blickt zuversichtlich in die Zukunft und auf das, was sich in ihrer Stadt entwickelt. Wenn sie mit ihrem KAFF-Mobil das Untere Mätteli dann doch wieder verlassen müssten, «können wir mit unserem Klotz einfach an einen anderen Ort.» Der geplante Pavillon ist komplett ausgestattet mit Saal, Bühne, WCs und Garderoben. Durch Bauwagen könne der Haupttrakt in weiteren Schritten ergänzt werden. Selbst ein Aussenbereich mit eigener Bar ist geplant, ein Zugewinn zu den alten Beizen. Dieser schaffe die Möglichkeit, enger mit dem «Fründeskreis» zusammenzuarbeiten.
Module für jeden Anlass
«Das KAFF gilt als Treffpunkt für junge Leute, die sich einbringen und ein Stück weit selbst verwirklichen wollen», beschreibt die Vize-Präsidentin ihren Verein. Das neue Lokal biete dafür die perfekten Voraussetzungen, da die Bühne je nach Veranstaltungsart modular grössenverstellbar sei. Ein kleiner, lokaler Act oder eine Lesung benötigten andere Verhältnisse als eine grössere Band.
«Wir wünschen uns ausserdem eine gewisse Professionalisierung und Öffnung für ein breiteres Publikum», sagt Anna, die gerade ihr Studium zur Kulturvermittlerin abgeschlossen hat. Im Rahmen des Crowdfundings fürs «KAFF auf Dauer» kuratierte sie gemeinsam mit Oliver Frei die Ausstellung «Nonkonform» in der Stadtgalerie Baliere, in der die Mitglieder zeigen konnten, was sie ausser Feiern sonst noch so draufhaben: Bilder, Fotografien, Skulpturen, Sound-Installationen, Modeschöpfungen, Comics oder feministische Kunst.
kaff.ch
Durch das Crowdfunding kamen insgesamt 107’883 Franken zusammen. Die Stadt beteiligt sich mit 300’000 Franken, vom Kanton erhofft man sich ebenso viel. Selbst muss das KAFF auch noch 300’000 Franken beisteuern. «Klar sind wir noch auf Spenden angewiesen.» Anna Villiger ist dennoch optimistisch, dass sie und ihre Mitstreiter:innen das Projekt finanziell gestemmt kriegen. Vielleicht müssten sie ein Darlehen aufnehmen, aber eine Lösung werde sich finden.
«Wir haben ein gutes Polster», sagt auch Jasmine. Die letzten Saisons liefen überdurchschnittlich; dadurch, dass der Architekt aus den eigenen Reihen sei, sparten sie an dieser Stelle ein. «Von Corona haben wir im Grunde profitiert, da unser Mietvertrag ablief. Die Zeit ist gut, um uns auf das neue Lokal zu konzentrieren», schliesst Anna.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Ausstellung
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.