Gewusst, dass es rote Musik gibt? Madleen jedenfalls habe «sehr gut rote Musik gespielt», schreibt Senad von der 4. Klasse des Schulhauses Wiesenau St.Margrethen in der Schulzeitung. Diese ist vollständig von den Kindern selber geschrieben worden, trägt den Titel «Häää» und ist ein bisschen verrückt – so wie das ganze künstlerische Projekt, das die Schule dieses Jahr vorantreibt: «Spinnerei» ist es betitelt. Im September gibt es an einem Tag der offenen Tür Einblick in die Ergebnisse.
Aber um fixe Ergebnisse gehe es gerade nicht, jedenfalls nicht in erster Linie, sondern um Erfahrungen, Prozesse, Experimente, sagt Barbara Tacchini. Sie ist als Kulturagentin für das künstlerische Programm in der Wiesenau verantwortlich. «Kulturagent.innen für kreative Schulen» nennt sich das mehrjährige Pilotprojekt, das die Stiftung Mercator Schweiz 2018 angestossen hat und finanziert.
17 Schulen machen schweizweit mit, in der Ostschweiz sind es neben der Wiesenau die Primarschule Eichbühl in Bazenheid, die Schule Gais, die Heilpädagogische Schule Flawil und die Schulen Bernegg und Remisberg in Kreuzlingen.
Verwandeln, experimentieren
In St.Margrethen heisst das Oberthema «Verwandlungen». Naheliegend zum ersten, weil das Schulhaus einen Neubau bekommt. Unfreiwillig zum zweiten, weil mitten in das laufende Projekt 2020 die Corona-Pandemie platzte. Aber vor allem, zum dritten: für viele ungewohnt, sagt Barbara Tacchini. Es brauche eine Umstellung im Denken, weg von der Fixierung auf ein Endprodukt, hin zu Offenheit, was immer im künstlerischen Tun entstehen werde – oder auch misslingen darf.
Das Schulzimmer als Klang-Experimentierraum an der Wiesenau St.Margrethen. (Bild: Roman Rutishauser)
So kam auf den Schulhausplatz in St.Margrethen ein Container, alle Klassen hatten dort ihren Containermorgen und experimentierten unter Anleitung von Kunstschaffenden mit Verwandlungen aller Art. Musiker Roman Rutishauser liess kurzerhand sein Klavier per Kran auf ein Vordach hieven und regte die Schüler:innen zu eigenen Klang-Spinnereien an. Neben ihm sind auch Schauspieler und Filmer Tobias Stumpp, die Tänzerin Alena Kundela, Jazzsängerin Miriam Sutter und Tonmeister Reto Knaus beim Projekt engagiert.
«Wir nehmen uns Zeit zum Experimentieren», sagt Barbara Tacchini. Und: «Es gibt nicht richtig oder falsch.» Von dieser künstlerischen Grundhaltung sollen sich auch die Eltern anstecken lassen; am Tag der offenen Tür werden sie Einblick in Entstehungsprozesse bekommen und in Ateliers selber ins Verwandeln hineinverstrickt werden. Ein Lied, das Rutishauser für die «Spinnerei» komponiert hat, heisst denn auch: «Es isch nonig fertig».
Klingende Einhörner
Wie in der Wiesenau, geht es auch an der HPS Flawil um Elementares. Auf einen «Gruselfilm», den die Schüler:innen der Mittelstufe 2019 gedreht hatten, folgte ein Tanz-Klang-Projekt der Unterstufe. Der Akkordeonist Goran Kovacevic, Tänzerin Gisa Frank und Kostümbildnerin Eva Butzkies brachten mit den Kindern «Elfen, Trolle und Einhörner» zum Klingen und in Bewegung.
Klangerkundung in Flawil. (Bild: pd)
Jetzt ist die Oberstufe dran und baut mit dem Arboner Klangtüftler Stefan Philipp einen Klangweg rund um das Schulhaus. Entscheidend sei auch da, dass die Profis auf Augenhöhe mit den Kindern zusammenarbeiten und gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen, sagt Barbara Tacchini.
kulturagent-innen.ch
Veranstaltung «Kulturvermittlung an Schulen» der PHSG mit den Kulturagentinnen Barbara Tacchini und Bettina Eberhard u.a.: 20. September Mariaberg Rorschach (mit Anmeldung)
phsg.ch
Vorerst war das Pilotprojekt auf vier Jahre beschränkt, jetzt hat die Stiftung als Reaktion auf die Pandemie ein fünftes Jahr zugesichert. Wie es mit den Kulturagent:innen und den mit ihnen verbundenen Schulhäusern danach weitergeht, sei noch offen. Eigentlich müssten sich alle Schulen für ein solches Programm begeistern lassen. Denn mit bildnerischem Gestalten, mit Musik, Tanz und Bewegung erreiche man Kinder auf einer elementaren, weniger vom Kopf gesteuerten Ebene. «Kunst», sagt Barbara Tacchini, «kann ein modellhafter Raum sein, um Integration und Inklusion zu leben.»
Künstlerisches Tun mache den Blick auf die Welt weit und fördere das selbständige Tun und Denken. Forschen, experimentieren, fragen statt antworten, eigene Schlüsse ziehen: All das entspreche zudem den Zielen des Lehrplans 21. In St.Margrethen steht dafür schon einmal das passende Lernobjekt: Roman Rutishausers «Fass für Unfassbares».
Das Bundesamt für Kultur hat einen Leitfaden zur Förderung der kulturellen Teilhabe herausgegeben: https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/68162.pdf
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.