Saiten: Mathias Müller, im November kommt das überarbeitete Projekt für ein Klanghaus in den St.Galler Kantonsrat. Sind Sie überrascht von der Botschaft des Regierungsrats?
Mathias Müller: Wir sind sehr erfreut, dass jetzt ein weiterer Schritt erfolgt ist. Wir hatten nach dem Scheitern der Vorlage im Kantonsrat im März 2016 das verbesserte Konzept Klanghaus 2.0 erarbeitet und im März 2017 dem Regierungsrat vorgelegt. Dieser verlangte aber Verbesserungen bei der Finanzierung und bei den Betriebskosten.
Dann hat es nochmals mehr als ein Jahr gedauert, bis die Verbesserungen der Verbesserungen vorlagen?
Der auf den ersten Blick kleine Einwand der Regierung bescherte uns grosse Hausaufgaben. Wir mussten plötzlich 6 Millionen Franken auftreiben. Vor allem diese Suche nach den Sponsoren und Mäzenen hat viel Zeit in Anspruch genommen.
Nun ist eine völlig neue Finanzierungsvariante dabei herausgekommen?
Genau. Der Kanton baut das Klanghaus zu 23,3 Millionen Franken. Die Stiftung Klangwelt Toggenburg äufnet einen Fonds mit 5,3 Millionen zur Finanzierung des Betriebskostendefizits der nächsten 20 bis 25 Jahre, eine weitere Million geht an die Baukosten. Die ursprünglich budgetierten 325’000 Franken Betriebsdefizit, die der Kanton hätte tragen sollen, fallen für ihn weg.
Das sieht nach einer einfachen Lösung aus. Warum kam man nicht früher drauf?
Nachdem der Regierungsrat beim Vorschlag 2.0 Nachbesserungen verlangte, haben wir im Zuge der Gespräche mit den Geldgebern gemerkt, dass einige viel lieber den Betrieb finanzieren würden. Das hat uns bewogen, vorzuschlagen, Bau und Betrieb zu trennen. Sie bekommen damit auch ein Mitspracherecht, denn es wird ein Beirat gebildet, der den Fonds verwaltet.
Woher kommen diese 6,3 Millionen Franken?
2,25 Millionen wurden uns aus dem Toggenburg zugesagt, das ist erstaunlich viel und ein Bekenntnis der Toggenburger zum Projekt. Der Rest kommt aus der ganzen Schweiz. Es sind Stiftungen und Private, die sich zur Idee des Klanghauses bekennen wollen.
Regierungsrat Martin Klöti hatte doch 2016 versprochen, selbst mindesten 5 Millionen Franken aufzutreiben?
Er hat eine stolze Summe aufgebracht.
Was geschieht mit dem jährlichen Kostenbeitrag von 290’000 Franken aus dem Lotteriefonds an die Klangwelt?
Das Klanghaus belastet mit diesem Modell das Budget der Klangwelt nicht, somit rechnen wir weiterhin mit dem Lotteriefondsbeitrag. Dieser Beitrag ist auch nötig, weil die Klangwelt nicht selbsttragend ist, obwohl diverse ihrer Projekte, zum Beispiel das Klangfestival oder die Kurse, selbsttragend sind.
Vom Klanghaus zur Klangwelt: Da gab es Querelen um die künstlerische Leitung.
Wir haben soeben Christian Zehnder als neuen künstlerischen Leiter gewählt. Er wird für die Inhalte des Klangfestivals 2020, die Klangkurse und alle weiteren künstlerischen Belange zuständig sein. Er nimmt auch Einsitz in der Geschäftsleitung. Eine Intendanz gibt es nicht mehr, wir haben die Aufgaben der Intendantenfunktion, die früher Nadja Räss verantwortete, auf mehrere Personen verteilt.
Es gibt einen Relaunch der Klangschmiede – warum?
Wir sind nun acht Jahre unterwegs mit der Klangschmiede. Es hat sich gezeigt, dass ein paar Dinge verbesserungsfähig sind. Wir wollen, dass das Publikum noch näher ans Thema gehen und mehr interagieren kann. So wie auf dem Klangweg, dort kann das Publikum den Klang hautnah erleben. Das soll in der Klangschmiede auch möglich sein. In der Schmiede selbst haben wir das erreicht, wir wollen die Angebote nun auf weitere Bereiche ausdehnen, nicht zuletzt um auch mehr Publikum anziehen zu können.
Der Klangweg ist der einzige Bereich, der ausserordentlich gut besucht ist. Er bringt aber kein Geld?
Der Klangweg bringt kein Geld, aber er ist ein guter Werbeträger. Er bietet einen guten Zugang zum Thema. Das Klangfestival ist ein weiterer Bereich, der viel Publikum bringt. Das Festival zieht alle zwei Jahre sechs- bis siebentausend Menschen an und ist selbsttragend. Und die Kurse funktionieren sehr gut, sie sind eigentlich das Angebot, das unsere Kassen fällt.
Klanghaus: Der zweite Anlauf Die erste Vorlage zum Bau des Klanghauses Toggenburg erreichte im März 2016 in der Schlussabstimmung des Kantonsrats das qualifizierte Mehr nicht. «Scherbenhaufen-Politik» titelte saiten.ch damals. Die Regierung räumte in der Folge einer regionalen Task Force die Möglichkeit ein, das Projekt zu überarbeiten. Sie reduzierte die Baukosten um eine Million Franken und fand private Geldgeber für die künftige vollständige Finanzierung des Betriebs. Der Kantonsrat berät die neue Vorlage im November und im Februar, die Volksabstimmung findet am 30. Juni 2019 statt.
Dieser Beitrag erschien im Oktoberheft von Saiten.
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