Es fehlten fünf Stimmen für das qualifizierte Mehr von 61 Ja-Stimmen: Mit 56 Ja, 43 Nein, 6 Enthaltungen und 15 Abwesenden hat das St.Galler Kantonsparlament Anfang März den 19-Millionen-Kredit für das geplante Klanghaus im Obertoggenburg abgelehnt, haarscharf also. Damit wurden 20-Jahre Planung und ungefähr 2,5 Millionen Franken, die der Kanton bereits dafür investiert hatte, eingestampft.
Nun soll das Klanghaus, wie die Staatskanzlei heute mitteilt, noch einmal geprüft werden. Die Regierung «bedauert den Entscheid» des Parlaments und sieht darin «eine verpasste Chance». Darum will sie «das Projekt weiterverfolgen», soll heissen «die Gründe für das Scheitern der Vorlage prüfen». Danach werde über das weitere Vorgehen entschieden.
Nicht «zwängelen»
Konkrete Szenarien gebe es noch nicht, sagt Regierungsrat Martin Klöti auf Anfrage. Man wolle nicht «zwängelen». In einem ersten Schritt gehe es darum, die zahlreichen Feedbacks aus der Bevölkerung, etwa in Form von Mails und Leserbriefen, mit dem Baudepartement, der KlangWelt und der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann zu analysieren und einzuordnen. Gesammelt werden auch die Statements aus den Kommissionen und dem Parlament.
Diese Untersuchung soll klären, wie es zum «Unfall an der Schlussabstimmung» kommen konnte, erklärt Klöti. «Der Rat steht grundsätzlich hinter dem Projekt», ist er überzeugt. «Wir können die jahrelange Vorarbeit nicht wegen ein paar fehlenden Stimmen begraben.» Ob und in welcher Form das Klanghaus-Projekt weitergeführt wird, könne man aber erst nach den Sommerferien sagen – «wenn erste Resultate vorliegen und die neu gewählte Regierung eingespielt ist».
Den Vorwurf, dass er sich persönlich zu wenig für das Klanghaus eingesetzt habe, lässt er nicht gelten. «Ganz im Gegenteil: Ich habe mein Möglichstes gemacht, immerhin habe ich 14 Jahre im Toggenburg gewohnt und bin äusserst gut vernetzt dort.» Allerdings habe er «gezielt nur das gemacht», was seiner Rolle als Regierungsrat entspreche, also Infoveranstaltungen organisiert und Besuche bei der KlangWelt abgestattet, wo er bis letzten Sommer Stiftungsratspräsident war. Dieses Amt habe er bewusst abgegeben, sagt er. Heute ist er Vizepräsident. Das Klanghaus sei kein «Klötiprojekt», wie es im Parlament immer wieder kritisiert worden sei, und er wolle sich damit auch kein «Denkmal» setzen.
Holpriges Ja der GLP
Vorderhand sollen vor allem die Bau- und die Betriebskosten neu überdacht werden. Auch die Erschliessung und die Konzeption seien Thema – was auch die GLP freut, wie sie heute mitteilt, nachdem sie wesentlich am Nein beteiligt gewesen war. Jetzt könne dafür gesorgt werden, dass «das Projekt günstiger und mit einem stärkeren Engagement aus Region und Klangwelten-Umfeld umgesetzt werden könnte». Dies seien, holpert das Communiqué der Grünliberalen, «beides Forderungen, die die GLP konsequent gefordert hatte».
Gut möglich also, dass es dem Klanghaus ähnlich ergeht wie 2013 dem Fischereizentrum. Dieses wurde ebenfalls in der Schlussabstimmung hauchdünn abgelehnt und dann in einem zweiten Anlauf doch noch gutgeheissen.
Wie weiter mit dem Klanghaus und der Kultur? Einen Tag vor dem Klanghaus-Nein hat das Parlament auch die kantonalen Kulturausgaben eingefroren. Wie kam es dazu? Fehlt der Kultur eine politische Lobby? Was treibt die Kultursparer von rechts an? Mangelt es an politischem Engagement der Kulturschaffenden?
Auf Einladung von Palace und Saiten diskutieren Katrin Meier, Leiterin des Amts für Kultur, Klanghaus-Initiant Peter Roth, SVP-Fraktionschef Michael Götte und SP-Kantonsrat und Slammer Etrit Hasler. Und ein – hoffentlich – aufgerütteltes Publikum: Dienstag, 22. März, 20.15 Uhr, Erfreuliche Universität, Palace St.Gallen
Das Klanghaus Toggenburg ist auf dem Weg. Bisher wurde im Hintergrund gearbeitet, jetzt gehen die Promotoren an die Öffentlichkeit und werben für das 28-Millionen-Projekt. Informationen von Michael Hug.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
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Jock Kobels zweiter Fall
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Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
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Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
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