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Heftvorschau 04/26
Kurvenfahrt, Ausgewiesen, VERTEILKAMPF
Saiten 2604 Cover 01
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Editorial

Mauri ist als Secondo im St.Galler Linsebühlquartier in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen: häusliche Gewalt, Diskriminierung in der Schule, früher Kontakt zu harten Drogen. Doch irgendwie hat Mauri sich durchgewunden, durchgekämpft, sich und seiner Familie eine einigermassen stabile Existenz aufgebaut. Der ehemalige Capo des Espenblocks hat Saiten seine bewegte Lebensgeschichte erzählt. Fussball spielt dabei aber eine Nebenrolle. Es geht ebenso um das Linsebühl der 80er-Jahre, um Familienangelegenheiten, den frühen Tod seines Bruders, Raves und Zugfahrten voller Love und Ecstasy, Zukunftsängste – und um zupackendes antifaschistisches Engagement in der Kurve und auf der Strasse, das auch aus der Notwendigkeit zum Selbstschutz und als Reaktion gegen rechtsextreme Umtriebe Ende der 90er entstand. Matthias Fässler hat Mauris Geschichte notiert.

Um Antifaschismus – allerdings staatlich verordneten – geht es auch im Auftakt zur neuen Artikelserie «Rechtsextremismus in der Ostschweiz». Sie ist die Weiterführung der mittlerweile abgeschlossenen Reihe «Die Ostschweiz im Dritten Reich» und beleuchtet rechtsextreme und (neo-)faschistische Umtriebe in der Region von 1945 bis heute. Den Serienbeginn bestreitet Historiker Peter Stahlberger, der für Saiten in die Staatsarchive gestiegen ist und erstmals ermittelt hat, wie viele Mitglieder der NSDAP nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus den Ostschweizer Kantonen ausgewiesen und wie viele dann doch «begnadigt» wurden.

Ausserdem im tiefenschürfenden April: die grosse Nachbesprechung zur Lotteriefondsdebatte im St.Galler Kantonsrat inklusive Kommentar sowie Kultur- und Sportlobbykritik, neue Musik der Singer-Songwriterin Femi Luna, die Ausstellung über den legendären «Nebelspalter»-Karikaturisten Carl «Bö» Böckli in Heiden und die nigelnagelneue Kolumne «Erzähl mal!», in der Daniel Kehl besondere Menschen aus der Ostschweiz portraitiert. Wohin das führen soll, weiss nicht einmal der Autor selbst. Denn die Portraitierten nominieren die Person für die nächste Kolumne gleich selber. Ein tolles Überraschungspaket, das uns der gute Dani Kehl hier pünktlich zu Ostern abliefert und so locker über den Ausfall der April-Flaschenpost hinwegtröstet. Wir wünschen eine anregende Lektüre!Roman Hertler

Inhalt
Positionen
2604 Redeplatz Bertha Camacho Sarah Spirig

«Die gröss­te Be­dro­hung? Kli­ma­wan­del und po­li­ti­sche Ra­di­ka­li­sie­rung»

Von  , Bilder: 

Das Kin­der­dorf Pes­ta­loz­zi fei­ert sein 80-jäh­ri­ges Be­stehen. Mit wel­chen Her­aus­for­de­run­gen Kin­der heut­zu­ta­ge kon­fron­tiert sind und wie die Stif­tung da­ge­gen­hält, er­klärt Pro­gramm­lei­te­rin Ber­tha Ca­ma­cho.

Kolumne: Stimmrecht im April

Mas­ter­di­plom

Von 

Ich möch­te die­se Ge­schich­te mit ei­ner jun­gen Frau be­gin­nen, die 20 Jah­re alt war und sich ein denk­bar schwie­ri­ges For­schungs­the­ma aus­ge­sucht hat­te: Die Pu­bli­zis­tik von Vic­tor Hu­go. Ei­gent­lich ge­hör­ten noch «Mo­ti­va­ti­on und Pro­ble­ma­tik» zum Ti­tel, aber der er­schien al­len zu lang. Da­mals…

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin nicht eu­re Me­ta­pher

Von 

Der letz­te Tag im März ist der In­ter­na­tio­nal Trans­gen­der Day of Vi­si­bi­li­ty. Hap­py fuck­ing vi­si­bi­li­ty to me, ich brauch die Sicht­bar­keit ja, für Auf­trä­ge und Prei­se, fürs Ver­kau­fen von Kunst und Spie­len von Kon­zer­ten, weil mein Sicht­bar­sein da­für sorgt, dass que­e­re Cu­ties in Bi­blio­the­ken…

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Der Cap­puc­ci­no-Bär oder: Wenn die Na­tur Ba­ris­ta spielt

Von 

Ge­ständ­nis vor­ab: Die Idee, die­sen Text zu schrei­ben, wur­de vor al­lem von der Tat­sa­che be­feu­ert, dass «Cap­puc­ci­no-Bär» ein­fach ei­ne zu­cker­süs­se Ar­ten­be­schrei­bung ist. 

Tat­säch­lich be­zeich­net die Kaf­fee-Re­fe­renz aber den rea­len Hy­bri­den aus Eis­bär und Grizz­ly, der seit ei­ni­gen Jah­ren im…

Kultur
Kino Asgari 300dpi

«Sie sind un­ser geis­ti­ges Ei­gen­tum»

Von 

In sei­nem neus­ten Film Di­vi­ne Co­me­dy zeigt Ali As­ga­ri hu­mor­voll die Wi­der­sprü­che des ira­ni­schen Re­gimes. Da­bei wird ein ein­zi­ger Tag im Le­ben ei­nes Re­gis­seurs zur thea­tra­li­schen Su­che nach Schlupf­lö­chern.

Foto I Larisa Baumann

Bun­te Col­la­ge aus Pa­ra­die­sen

Von 

Im Zen­trum der Aus­stel­lung «Stran­ger Than Pa­ra­di­se» im Open Art Mu­se­um steht ein col­la­gier­ter Tep­pich, der be­reits an der Ol­ma zu se­hen war. Nun er­scheint er im Kon­text zwi­schen pa­ra­die­si­scher Har­mo­nie und ge­bro­che­ner Idyl­le.

25 2 Femi Luna Film 7 by Sara Melvin

Vom Schmerz zur Hei­lung

Von 

Nach vier­ein­halb Jah­ren kehrt Fe­mi Lu­na mit ei­nem neu­en Al­bum zu­rück. Da­mit Wa­sh My Pain Away ent­ste­hen konn­te, muss­te sich die Sin­ger-Song­wri­te­rin zu­erst zu­rück­zie­hen – und ei­ne Schreib­blo­cka­de über­win­den.

Abb 11

Da­ge­gen­hal­ten!

Von 

Die neue Son­der­aus­stel­lung im Mu­se­um Hei­den zeigt Ka­ri­ka­tu­ren von Carl «Bö» Böck­li (1889–1970), der jah­re­lang für den «Ne­bel­spal­ter» ar­bei­te­te. Sei­ne Wer­ke ge­gen den To­ta­li­ta­ris­mus von rechts und links hal­ten auch ei­ni­ge Bot­schaf­ten für die Ge­gen­wart be­reit.