Mauri ist als Secondo im St.Galler Linsebühlquartier in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen: häusliche Gewalt, Diskriminierung in der Schule, früher Kontakt zu harten Drogen. Doch irgendwie hat Mauri sich durchgewunden, durchgekämpft, sich und seiner Familie eine einigermassen stabile Existenz aufgebaut. Der ehemalige Capo des Espenblocks hat Saiten seine bewegte Lebensgeschichte erzählt. Fussball spielt dabei aber eine Nebenrolle. Es geht ebenso um das Linsebühl der 80er-Jahre, um Familienangelegenheiten, den frühen Tod seines Bruders, Raves und Zugfahrten voller Love und Ecstasy, Zukunftsängste – und um zupackendes antifaschistisches Engagement in der Kurve und auf der Strasse, das auch aus der Notwendigkeit zum Selbstschutz und als Reaktion gegen rechtsextreme Umtriebe Ende der 90er entstand. Matthias Fässler hat Mauris Geschichte notiert.
Um Antifaschismus – allerdings staatlich verordneten – geht es auch im Auftakt zur neuen Artikelserie «Rechtsextremismus in der Ostschweiz». Sie ist die Weiterführung der mittlerweile abgeschlossenen Reihe «Die Ostschweiz im Dritten Reich» und beleuchtet rechtsextreme und (neo-)faschistische Umtriebe in der Region von 1945 bis heute. Den Serienbeginn bestreitet Historiker Peter Stahlberger, der für Saiten in die Staatsarchive gestiegen ist und erstmals ermittelt hat, wie viele Mitglieder der NSDAP nach Ende des Zweiten Weltkriegs aus den Ostschweizer Kantonen ausgewiesen und wie viele dann doch «begnadigt» wurden.
Ausserdem im tiefenschürfenden April: die grosse Nachbesprechung zur Lotteriefondsdebatte im St.Galler Kantonsrat inklusive Kommentar sowie Kultur- und Sportlobbykritik, neue Musik der Singer-Songwriterin Femi Luna, die Ausstellung über den legendären «Nebelspalter»-Karikaturisten Carl «Bö» Böckli in Heiden und die nigelnagelneue Kolumne «Erzähl mal!», in der Daniel Kehl besondere Menschen aus der Ostschweiz portraitiert. Wohin das führen soll, weiss nicht einmal der Autor selbst. Denn die Portraitierten nominieren die Person für die nächste Kolumne gleich selber. Ein tolles Überraschungspaket, das uns der gute Dani Kehl hier pünktlich zu Ostern abliefert und so locker über den Ausfall der April-Flaschenpost hinwegtröstet. Wir wünschen eine anregende Lektüre!Roman Hertler