Kultur soll nicht die Ausnahme, sondern die Normalität sein. Das gilt für die Studienanfängerinnen und -anfänger an der Pädagogischen Hochschule PHSG zumindest einmal im Jahr am «Kulturtag»: In insgesamt 23 Workshops haben sie in der vergangenen Woche Einblick in die Arbeit der Kulturinstitutionen der Hauptstadt erhalten.
Von Störgesang bis Kunst am Bau
Kultur als Normalität: Davon konnten die Studierenden zum Beispiel bei Enrico Lenzin ein Lied trommeln und blasen – er führte die Studierenden in der Musikschule in Rhythmus und Sounds ein. Andere kamen ins Atelier von Klangtüftler Andy Guhl oder zur Probe mit «Störsängerin» Gabriela Krapf.
Zuspruch fanden auch Führungen hinter die Kulissen: zu Theaterproben des Tanz- und des Schauspielensembles, zu den «Katakomben» der Tonhalle oder den Depots des Museums im Lagerhaus.
Neu hinzugekommen sind bei der inzwischen vierten Durchführung des Kulturtags zum Beispiel das Dunant-Museum Heiden, das in den Räumen der Vadiana seine Arbeit vorstellte, oder ein Stadtrundgang zu Kunst im öffentlichen Raum. Mit Stadtführerin und Journalistin Christina Genova ging es vom Roten Platz an den Bahnhof zum Lämmlerbrunnen und zur Möslang’schen binären Uhr, von dort weiter zum Broderbrunnen und zu Roman Signers Fass.
Kunst im öffentlichen Raum: Christina Genova erläutert die Skandalgeschichte des Broderbrunnens. (Bild: Su.)
Fazit des Rundgangs: Kunst ist einerseits zur Selbstverständlichkeit geworden im öffentlichen Raum – und andrerseits gab sie über mehr als ein Jahrhundert hinweg in fast jedem Fall Anlass zu Kontroversen und Skandalisierungen, nicht erst bei Roman Signer, sondern auch schon bei August Bösch, der bei der Arbeit an seinem 1896 eingeweihten Broderbrunnen Probleme wegen des Nacktmodels für die Brunnenfigur bekommen hatte – und sich mit einer Fratzenskulptur am Stadtbaumeister rächte.
Schärft Urteil und Persönlichkeit
Zu den öffentlichen Querelen passte, was Regierungsrat Stefan Kölliker bei seiner Schlussansprache in der Lattich-Halle der kulturellen Bildung zugute hielt: Sie trage zur «Schärfung des Urteilsvermögens» bei. Ausserdem vermittle sie Kenntnisse von Lebensformen und Grundwerten, fördere die Persönlichkeitsbildung und die Kreativität. Kultur sei daher ein zentraler Bestandteil aller Bildung, mehr noch: «Jede Art von Bildung ist auch Vermittlung von Kultur.»
Kunst und Natur von nahem: Workshop im Kunstmuseum…
Im Berufsleben sei später quer durch alle Branchen Ideenreichtum gefragt. Drum dürfe in den Schulen nicht nur die unmittelbare Nützlichkeit eines Lernstoffs eine Rolle spielen, sondern kulturelle Bildung in einem weiten Sinn, als «vereinbarter Freiraum» für kreatives Denken, für Experimente ebenso wie für die Lizenz zum Scheitern, sagte Kölliker.
Die Probe aufs Exempel machten am Schlussanlass die Tänzerinnen und Tänzer des Panorama Dance Theaters, begleitet von Marc Jennys Kontrabass, mit einer kraftvollen Etüde in Aerial Dance. Zudem informierte Richi Küttel über die Vermittlungsplattform kklick.ch der Ostschweizer Kantone AR, SG und TG, welche die Angebote bündelt. Deren Partner sind die Kulturverantwortlichen in den Schulhäusern; rund 250 Lehrerinnen und Lehrer tragen inzwischen diesen Titel, hiess es am «Kulturtag».
A propos Kultur als Normalität: Ob und wie Kinder und Jugendliche den Weg zu den kulturellen Angeboten finden, wollte thurgaukultur.ch konkret herausfinden. Der Bericht von Brigitta Hochuli findet sich hier.
… und im Naturmuseum. (Bilder: PHSG)
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