Seit Bundesrat Alain Berset (im Bild oben bei der Eröffnung des Filmfestivals Locarno) die Dossiers führt, weht in der helvetischen Kulturpolitik ein frischer Wind. Für die kommenden Jahre hat er eine ambitionierte Kulturbotschaft vorgelegt, die jetzt ins Parlament kommt. Von deren Inhalten war bisher in der Ostschweiz allerdings nur zu hören, dass sich gleich mehrere Institutionen Hoffnungen auf eidgenössische Fördergelder machen: die Stiftsbibliothek, das Textilmuseum und das Roothuus in Gonten. Ausführlicheres dazu hier – am 12. März berät der Ständerat als Erstrat die Kulturbotschaft.
Die bisherigen Empfänger von Bundessubventionen sind unter anderem das Alpine Museum in Bern, das Verkehrshaus, das Technorama, der Ballenberg, das Schweizer Tanzarchiv, das Architekturmuseum oder das Haus für elektronische Künste in Basel. Schaut man sich diese Liga an, so stellt man zum einen fest: Die Ostschweiz kommt nicht vor. Und zum andern scheint es nicht ausgeschlossen, dass sich auch hiesige Institutionen als «national bedeutsam» behaupten könnten.
«Leuchtturm»-Förderung ist allerdings in der Kulturbotschaft nicht viel mehr als eine Fussnote. Im Vordergrund stehen die gesellschaftlichen «Megatrends», auf die der Bund mittels Kulturpolitik reagieren will: Globalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel, Individualisierung und Urbanisierung. Aus ihnen leitet die Botschaft drei «Handlungsachsen» ab: Kulturelle Teilhabe, gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie Kreation und Innovation.
Kulturelle Teilhabe
Die «kulturell diverse Gesellschaft», wie es in der Botschaft heisst, braucht Kitt – und dieser Kitt kann die Kultur sein. Doch das traditionelle Kulturangebot erreicht eine zunehmende Zahl von Kindern und Erwachsenen nicht, umgekehrt ignoriert die Kulturförderung bestimmte Kulturträger, insbesondere die Volkskultur. «Als Teil der Gesellschaftspolitik muss die Kulturpolitik konsequent die gesamt Bevölkerung und ihr Miteinander im Auge haben», heisst es in der Botschaft. Ein zentrales Feld ist die Jugendmusikförderung – siehe dazu das Gespräch im Märzheft von Saiten. Hinzu kommen Leseförderung oder der Aufbau einer «virtuellen Nationalgalerie», um der Bevölkerung die Eidgenössischen Kunstsammlungen näher zu bringen.
Gesellschaftlicher Zusammenhalt
Hier soll vor allem der Austausch zwischen den Sprachregionen verstärkt werden. Zuvorderst durch literarische Übersetzungen – eine Arbeit, die von den Verlagen kaum noch finanziert werden könne und für welche der Übersetzer-Nachwuchs fehle. Weiter will der Bund das Italienische und den schulischen Austausch fördern, daneben die Baukultur voranbringen und die Lebensbedingungen der Fahrenden als kulturelle Minderheit verbessern.
Kreation und Innovation
Die schwammigste der drei Handlungsachsen betont die Rolle der Kunst als «wichtiges Experimentier- und Erprobungslabor für Fragen der Zukunft», das «Innovations- und Erneuerungsprozesse» auslösen könne. Deshalb soll die Zusammenarbeit zwischen Kunstschaffenden und der Wirtschaft etwa im Bereich Design und digitale Medien intensiviert werden, zudem ist eine Standortförderung für Filmproduktionen angedacht.
Fast eine Milliarde Franken
Vierjahrespläne sind ein neues Instrument der Kulturförderung – in den Kantonen teils bewährt, beim Bund erstmals 2012-15 praktiziert. Gegenüber jenem ersten Programm rechnet die jetzige (ausnahmsweise auf fünf Jahre verlängerte) Botschaft 2016-20 mit rund 112 Millionen mehr oder insgesamt 894,6 Millionen Franken. Nicht nur dies dürfte im Parlament (und in der Lokremise) zu reden geben.
Kultur?? Kultur!!: Montag, 30. März, 19 Uhr, Lokremise St.Gallen.
Referat von Bundesrat Alain Berset, Diskussion mit Martin Klöti (Regierungsrat SG), Martha Monstein (Kulturamtsleiterin TG), Josef Felix Müller (Künstler) und Kaspar Surber (Palace-Mitgründer), Moderation: Stefan Keller, Schlusswort: Ständerat Paul Rechsteiner.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
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Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
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Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.