Warum sind Liebesbeziehungen manchmal irre kompliziert? Wieso sind Tamponwerbungen so realitätsfern? Und wieso braucht es Tiervergleiche, um Homosexualität als natürlich anzusehen? Mit solchen Fragen beschäftigen sich die Comics von Liv Strömquist. Schwedin, Jahrgang 1978, studierte Politikwissenschaftlerin. Sie zeichnet Comics und erklärt darin die Welt aus einer feministischen Perspektive.
Ihre Quellen sind wissenschaftlich fundiert, und zwar nicht alibimässig, sondern auf akademischem Niveau. Man kann es sich künftig also sparen, sich durch soziologische Studien und philosophische Theorien zu beissen – ein Comic von Liv Strömquist und die Message ist in drei Minuten klar! Dabei muss man oftmals laut lachen, da Bezüge gesetzt werden, die herrlich absurd sind und gleichzeitig den Nagel mittig auf den Kopf treffen.
Ein Beispiel aus dem jüngsten Comic I’m every woman: Aufgrund eines Gänsepärchens, das aus zwei Erpeln besteht, wurde die Homosexualität in den Medien als «natürlich» und normal angesehen. Strömquist zeigt auf, dass diese Argumentation totaler Bullshit ist und es viele menschliche Verhaltensweisen gibt, die keine tierische Rechtfertigung brauchen.
Zum Beispiel: Ein Pärchen, das im IKEA-Katalog Möbel ankreuzt, die es haben will. Gibt es ein Säugetier, das sowas macht?! Nein? Warum braucht es dann im Fall der Sexualität Beispiele aus dem Tierreich? Im Comic werden noch andere witzige Beispiele gegeben, was auf dieser Gedankenbasis alles möglich wäre.
Weiter geht es um rechtskonservative Kinder (sie alle sind Fans der Kernfamilie, fordern Hausfrauen, verabscheuen moderne Kunst und halten verbissen an Traditionen fest), beschissene Liebesbeziehungen (Elvis, Einstein, Picasso und Marx kann man nach dieser Analyse abhaken) und um die Darstellung von Frauen in Zeichentrickserien wie Barbapapa oder den Simpsons.
Damit knüpft Strömquist an ihre ersten beiden Werke Der Ursprung der Welt und Der Ursprung der Liebe an. In ersterem wird die Geschichte der Menstruation von einem heiligen Naturphänomen hin zu einer Tabuzone erzählt, im zweiten wird knallhart mit der Idee der romantischen Liebe und der Monogamie abgerechnet.
Nach der Lektüre der Comics hat man die Quintessenz einer halben Bibliothek verinnerlicht und verstanden, dass Weiblichkeit, Beziehungen, Familie und Sexualität Begriffe sind, die gesellschaftlich geprägt und damit wandelbar sind. Dieser neue Blick auf unsere Kulturgeschichte ist ein wunderbarer Ausgangspunkt für die private Revolution!
Alle Comics sind in deutscher Übersetzung beim Avant-Verlag erschienen: avant-verlag.de
Dieser Beitrag erschien im Juniheft von Saiten.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.