, 1. Juni 2019
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Rechte Kinder und schwule Erpel

Die Comics von Liv Strömquist stellen die Genderverhältnisse vom Kopf auf die Füsse – mit bissigem Humor.

Bild: aus dem Buch.

Warum sind Liebesbeziehungen manchmal irre kompliziert? Wieso sind Tamponwerbungen so realitätsfern? Und wieso braucht es Tiervergleiche, um Homosexualität als natürlich anzusehen? Mit solchen Fragen beschäftigen sich die Comics von Liv Strömquist. Schwedin, Jahrgang 1978, studierte Politikwissenschaftlerin. Sie zeichnet Comics und erklärt darin die Welt aus einer feministischen Perspektive.

Ihre Quellen sind wissenschaftlich fundiert, und zwar nicht alibimässig, sondern auf akademischem Niveau. Man kann es sich künftig also sparen, sich durch soziologische Studien und philosophische Theorien zu beissen – ein Comic von Liv Strömquist und die Message ist in drei Minuten klar! Dabei muss man oftmals laut lachen, da Bezüge gesetzt werden, die herrlich absurd sind und gleichzeitig den Nagel mittig auf den Kopf treffen.

Ein Beispiel aus dem jüngsten Comic I’m every woman: Aufgrund eines Gänsepärchens, das aus zwei Erpeln besteht, wurde die Homosexualität in den Medien als «natürlich» und normal angesehen. Strömquist zeigt auf, dass diese Argumentation totaler Bullshit ist und es viele menschliche Verhaltensweisen gibt, die keine tierische Rechtfertigung brauchen.

Zum Beispiel: Ein Pärchen, das im IKEA-Katalog Möbel ankreuzt, die es haben will. Gibt es ein Säugetier, das sowas macht?! Nein? Warum braucht es dann im Fall der Sexualität Beispiele aus dem Tierreich? Im Comic werden noch andere witzige Beispiele gegeben, was auf dieser Gedankenbasis alles möglich wäre.

Weiter geht es um rechtskonservative Kinder (sie alle sind Fans der Kernfamilie, fordern Hausfrauen, verabscheuen moderne Kunst und halten verbissen an Traditionen fest), beschissene Liebesbeziehungen (Elvis, Einstein, Picasso und Marx kann man nach dieser Analyse abhaken) und um die Darstellung von Frauen in Zeichentrickserien wie Barbapapa oder den Simpsons.

Damit knüpft Strömquist an ihre ersten beiden Werke Der Ursprung der Welt und Der Ursprung der Liebe an. In ersterem wird die Geschichte der Menstruation von einem heiligen Naturphänomen hin zu einer Tabuzone erzählt, im zweiten wird knallhart mit der Idee der romantischen Liebe und der Monogamie abgerechnet.

Nach der Lektüre der Comics hat man die Quintessenz einer halben Bibliothek verinnerlicht und verstanden, dass Weiblichkeit, Beziehungen, Familie und Sexualität Begriffe sind, die gesellschaftlich geprägt und damit wandelbar sind. Dieser neue Blick auf unsere Kulturgeschichte ist ein wunderbarer Ausgangspunkt für die private Revolution!

Alle Comics sind in deutscher Übersetzung beim Avant-Verlag erschienen: avant-verlag.de

Dieser Beitrag erschien im Juniheft von Saiten.

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