Kategorie
Autor:innen
Jahr

Wer wird hier diskriminiert?

Einmal dürfen die Frauen gratis ins Museum und schon muss sich die Politik damit herumschlagen. Was das mit der Menstruation zu tun hat.
Von  Corinne Riedener , 
Eine Aktfotografie der Künstlerin und Revolutionärin Tina Modotti, 2014 in St.Gallen ausgestellt.

Manuela Ronzani ist entsetzt. Mit Schrecken musste die St.Galler SVP-Stadtparlamentarierin vernehmen, dass die Frauen am 8. März, dem Internationalen Tag der Frau gratis ins Kunstmuseum, die Kunstzone der Lokremise und das Museum im Lagerhaus kamen. Dieser Skandal hat sie (oder die Männer in ihrer Partei?) so dermassen beschäftigt, dass sie eine Woche später eine Einfache Anfrage einreichte. Titel: «Finanziert die Stadt Männerdiskriminierung mit?»

«Meine Recherchen», schreibt die 29-Jährige Jus-Studentin, «haben ergeben, dass die Gratiseintritte über das normale Betriebsbudget abgerechnet werden, kein privater Trägerverein an den Mindereinnahmen beteiligt ist und somit die Stadt diese Gratiseintritte mitfinanziert.» Der Gratiseintritt für Frauen stelle eine «nicht gerechtfertigte Diskriminierung aufgrund des Geschlechts» dar. Dieses «falsche und kräftige Symbol» impliziere, dass «die Stadt Geschlechterdiskriminierung nicht nur gutheisst, sondern auch fördert».

Ronzani will nun vom Stadtrat wissen, von wem die Gratiseintritte (mit)finanziert wurden, wie er diese «Diskriminierung eines Geschlechts über Kulturinstitutionen» rechtfertigt, wie er diese zu beheben gedenkt, ob es seitens der städtisch subventionierten Kulturinstitutionen weitere derartige Diskriminierungen gibt und was der Frauentag die Stadt insgesamt gekostet hat.

Es sind keine zusätzlichen Kulturgelder geflossen

Die Saiten-Kurzrecherche hat ergeben, dass die Steuerzahlenden die angebliche Diskriminierung nicht zusätzlich berappen. «Die städtische Kulturförderung hat keine Gelder spezifisch den 8. März betreffend an irgendeine Kulturinstitution ausgerichtet», sagt Barbara Affolter von der Kulturförderung und erklärt: «Aus dem Budget der Dienststelle Kulturförderung richtet die Stadt Subventionen an verschiedene Kulturinstitutionen aus für den Ganzjahresbetrieb. Die Aufgaben sind jeweils in einer Leistungsvereinbarung geregelt. Die Stadt überlässt die Führung des Betriebs den jeweiligen subventionierten Kulturinstitutionen und bringt sich nicht in operative Massnahmen ein.»

So gesehen hat die Stadt den 8. März im Museum tatsächlich übers Betriebsbudget mitfinanziert, aber nicht explizit. Die städtisch subventionierten Kulturinstitutionen müssen sich zum Glück keine «Erlaubnis» für besondere Anlässe einholen, sofern sie innerhalb ihres Budgets agieren. Genau das war der 8. März nämlich, ein besonderer Anlass, aber auch nicht spezieller als andere. «Vergleichbar mit Anlässen wie etwa der Nachtschicht oder Künstlergesprächen», sagt Irina Wedlich vom Kunstmuseum St.Gallen.

Der Tag sei ein Erfolg gewesen, wie schon letztes Jahr. Mehrkosten seien keine entstanden. Das Museum habe Social Media-Werbung gemacht und eine Karte gedruckt wie für andere Veranstaltungen auch. «Auch die Band, die am 8. März bei uns gespielt hat, hat nichts gekostet», erklärt Wedlich. «Die drei Musikerinnen haben ihr Konzert den anwesenden Frauen zum Frauentag geschenkt.»

Vom Vorwurf der Diskriminierung distanziert sie sich. «Das war sicher nicht unsere Intention. Am 19. November ist der Internationale Männertag, dann werden im Gegenzug die Männer gratis ins Museum gelassen.» Das sei bereits im letzten Jahr so geplant gewesen, allerdings sei da der Tag auf einen Montag gefallen, wenn die Museen geschlossen seien.

Wie geht die Stadt mit dem Frauenstreik um?

Man stelle sich das Gezeter in der SVP-Gilde vor, würde der Stadtrat die gestern eingereichte Einfache Anfrage aus der SP-Juso-Fraktion frauenfreundlich beantworten. Diese fragt nämlich, wie es denn mit dem schweizweiten zweiten Frauenstreik am kommenden 14. Juni aussieht, der voraussichtlich auch die städtische Verwaltung betreffen wird.

Jenny Heeb, Alexandra Akeret (beide SP) und Andrea Scheck (Juso) wollen vom Stadtrat wissen, wie er gedenkt, den streikenden Angestellten der Verwaltung entgegenzukommen, ob die Stadt eine proaktive Positionierung als Arbeitgeberin gegenüber ihren Mitarbeitenden plant und, falls die Stadt ihren streikenden Angestellten nicht entgegenkommt: mit welchen Konsequenzen die Frauen zu rechnen haben, die trotzdem ihre Arbeit niederlegen.

Männerschützerin Ronzani wird auch in diesem Vorstoss eine Diskriminierung des beleidigten Geschlechts wittern. Was sie vielleicht nicht sieht in ihrem heiligen Eifer: Es herrscht immer noch keine Lohngleichheit, Frauen leisten immer noch den Löwinnenanteil der unbezahlten Care Arbeit und – weniger global, aber auch wichtig – auf Tampons und Binden zahlen sie immer noch verdammte 7,7 Prozent Mehrwertsteuer (von der Verhütung ganz zu schweigen). Zur Erinnerung: Alle anderen Güter des täglichen Bedarfs haben einen Mehrwertsteuersatz von 2,5 Prozent.

Rechnen wir nach: Eine Frau verbraucht schätzungsweise etwa 15’000 Tampons in ihrem Leben (sofern sie nicht die umweltschonenderen Menstruationscups benutzt). Das sind etwa 500 Packungen oder 2500 Franken. Läge der Mehrwertsteuersatz wie bei anderen lebenswichtigen Dingen bei 2,5 Prozent, würde sie 130 Franken sparen. Damit könnte frau knapp elf Mal ins Kunstmuseum St.Gallen.

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
226736

Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
DSC02464

Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
IMG 1890 2

«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz