Macht und Geschlecht in der «erfreulichen Universität»: Zum Auftakt beschrieb Historikerin Elisabeth Joris Frauenbewegungen des letzten Jahrhunderts, den Abschluss macht Soziologin Eveline Yv Nay mit Gedanken zu queer-feministischen Bündnispolitiken.
Im Fokus der Einführung von Elisabeth Joris im Palace standen die Frauen in sozialen Bewegungen von 1848 bis 1968. Ihr Referat trug den passenden Titel «von stark bewegt bis stillgelegt». Passend insofern, als dass Joris’ Beispiele engagierter Frauenbündnisse zwar gesellschaftlich wie wirtschaftlich eine wichtige Rolle spielten, ihre politischen Forderungen aber allesamt «in Vergessenheit geraten wurden», sobald der Institutionalisierungsprozess etablierter Bewegungen abgeschlossen war.
Beispiele solch «politischer Stilllegungen» durch dominierende (männliche) Machtstrukturen findet sie en Masse: Beispielsweise beim Freisinn im 19. Jahrhundert, oder während und nach den Weltkriegen. Von verschwindend geringer weiblicher Gestaltungsmacht berichtet Joris auch im Zusammenhang mit direkten politischen Forderungen, etwa innerhalb der Arbeiterinnenbewegung oder im Nachkriegs-Umfeld der Bäuerinnen.
Ihr Fazit: Frauen waren lange auf ihr gemeinnütziges Engagement reduziert. Sie wurden zwar eingebunden, ihre Hilfe war stets gefragt und wurde (immer mal wieder) auch gelobt, eine echte Partizipation, insbesondere politisch, hat Mann ihnen aber nicht (oder nur widerwillig) zugestanden. Heute sei das zum Glück anders.
Erklärtes Ziel des Abends sei es, Alt und Jung an einen Tisch zu bringen, sagte Organisatorin Marina Widmer vom Ostschweizer Frauenarchiv zu Beginn. Ein Wunsch, der in Erfüllung ging: anders als an vergleichbaren Anlässen sassen nämlich ungewöhnlich viele junge Gesichter in den Palace-Sesseln – wohl dank der Mitorganisatorinnen der JUSO und der jungen Grünen.
Nicht nur für die Jungen war Joris «Geschichtslektion» über Frauengeschichte ein wertvoller Auftakt hinsichtlich der kommenden «Macht und Geschlecht»-Veranstaltungen, auch die Älteren im Publikum waren dankbar für den Rückblick. Was sie allerdings viel mehr interessierte, war das Verhältnis der jungen Frauen zu emanzipatorischen Anliegen.
Diese zeichneten ein nicht eben rosiges Bild der (fehlenden) Vernetzung untereinander. Viele hätten kaum Interesse an Frauenthemen und wenn doch, sage das noch nichts über ein mögliches Engagement aus, so der Tenor. Frauenthemen seien unpopulär, auch unter jungen Frauen.
Den Pessimismus-Vorwurf wollten sie aber nicht so stehen lassen. Schliesslich könne man den sogenannten «Feminismus» auch neu erfinden – weg vom Kampf der Geschlechter, hin zu einem emanzipierten Miteinander aller Geschlechter.
Eine Frage wurde allerdings etwas spät gestellt: Nämlich ob eine Frauenquote ebenfalls eine Form «institutionalisierter Stilllegung» sein könnte. Beim anschliessenden «Debriefing» an der Bar war man sich uneins – die Antwort wird wohl spätestens an vergleichbaren Vorträgen der kommenden Generationen auf dem Tisch liegen.
Nächste Veranstaltungen: Dienstag, 19. November, Matrilinearität am Beispiel der Akanghana mit Afrikanistin Erika Eichholzer, 20.15 Uhr Dienstag, 26. November, Gedanken zu queer-feministischen Bündnispolitiken mit Soziologin Eveline Yv Nay, 20.15 Uhr
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