Wünschen sie sich manchmal Sex mit Gemüse? Wie würde eine Welt aussehen, in der Menschlichkeit vor dem Geschlecht kommt? Kann eine Feminist*in sich so kleiden, dass sie einem Mann* gefällt, ohne dass dies ihrer Überzeugung widerspricht?
Diese und 30 weitere Fragen wurden letzten Donnerstag an der Schalterstunde des «temporären Amtes für die performative Exploration von Geschlechterdevianzen» beantwortet. Auf dem Programm standen die vier Kategorien Sexualität, Geschlechteridentitäten, Sexismus im Alltag und Kapitalismuskritik, dazu eingeladen hatte das queerfeministische Kollektiv «Die Leiden der jungen Bertha».
Es ging sehr bürokratisch zu und her. Wartezimmer. Man musste Nummern ziehen. Anstehen. Zuhören. Dem Ablauf folgen. Irgendwo tippte jemand auf der Schreibmaschine. Der Weg vom Ist- zum Soll-Zustand ist nunmal lang und nicht immer spassig… Zur lustvollen Kontemplation und für alle, die den Abend verpasst haben, hier nochmal eine Auswahl von zehn Fragen samt den (selbstverständlich anonymen) Antworten aus dem Publikum:
Frage Nr. 392: Wünschen Sie sich manchmal Sex mit Gemüse?
Antwort: «Darüber habe ich mir bis anhin noch keine Gedanken gemacht. Hört sich interessant an, vielleicht probiere ich es demnächst aus. Jedoch nur, wenn das Gemüse nicht frisch aus dem Kühlschrank kommt.»
Frage Nr. 414: Welche Farbe sollte/könnte Menstruationsblut haben? Wie riecht Menstruationsblut?
Antwort: «Blau. Nach Eisen und Glück.»
Frage Nr. 402: Welche Rollenklischees haben sich in den letzten 50 Jahren verändert, welche haben sich verhärtet und welche werden sich in Zukunft entwickeln?
Antwort: «Mutter sein, Vater sein. Mutter sein, Vater sein. Mutter sein, Vater sein.»
Frage Nr. 390: Inwiefern ist Monogamie anständig, Polygamie befreiend und umgekehrt?
Antwort: «Es ist doch eigentlich wundervoll, wenn man sich für seinen Partner freuen kann, wenn er eine gute Zeit verbringt. In der Polygamie kann man sich sexuell ausleben wie man möchte und das ist etwas Schönes, dass man sich nicht selber in einen Käfig schliesst. Auf der anderen Seite ist Eifersucht immer ein Thema und ein negatives Gefühl, das sich durch Monogamie vermeiden lässt.»
Frage Nr. 423: Wie würden sie Vorgesetzte oder Arbeitskolleg*innen auf sexistische Kommentare aufmerksam machen?
Antwort: «Mit einem sehr, sehr, sehr kritischen Blick und der Frage, ob er/sie sich überhaupt bewusst ist, was er/sie da gerade von sich gegeben hat. Was dann zu einer aufbrausenden Diskussion führt.»
Frage Nr. 412: Kann eine Feminist*in sich so kleiden, dass sie einem Mann* gefällt, ohne dass dies ihrer Überzeugung widerspricht?
Antwort: «Es ist mir egal, ob ich einem Mann gefalle.»
Frage Nr. 417: Sollten wir Frauenquoten bewusst entstehen lassen/erzwingen/erschaffen? Im Verwaltungsrat, im Vorstand, auf dem Openair-Lineup?
Antwort: «Frauenquoten sind kein Garant gegen Sexismus & Unterdrückung; mächtige Frauen sind genauso wie mächtige Männer Teil des Unterdrückungssystems. Nur die Abkehr von einer Gesellschaft, in der Macht eine Rolle spielt, bringt Freiheit & Gleichheit für alle.»
Frage Nr. 397: Würden sie vor Ihrem/Ihrer Partner*in kacken gehen?
Antwort: «Ja, ich kacke vor meinem Partner. Spätestens seit dem gemeinsamen (interkontinentalen) Reisen ist das nicht zu umgehen.»
Frage Nr. 420: Inwiefern stützt sich unser Wirtschaftssystem auf die vermarktete Schönheit der Frau* und/oder des Mannes*?
Antwort: «Frauen geben ein Vielfaches an Geld für ihre vermeintliche Schönheit aus. Sich selber zu sein ist definitiv günstiger.»
Frage Nr. 400: Inwiefern gibt die Biologie Rollenbilder vor?
Antwort: «Warum sollte die Biologie Rollenbilder vorgeben? Die Gesellschaft tut das doch…»
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