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«Sich selber zu sein, ist definitiv günstiger»

Letzten Donnerstag hat das «temporäre Amt für die performative Exploration von Geschlechterdevianzen» zur Saiten-Schalterstunde im Konsulat geladen. Hier die neusten Meldungen.
Von  Corinne Riedener
Saiten-Schalter mit dem queerfeministischen Kollektiv «Die Leiden der jungen Bertha». (Bilder: Andri Bösch)

Wünschen sie sich manchmal Sex mit Gemüse? Wie würde eine Welt aussehen, in der Menschlichkeit vor dem Geschlecht kommt? Kann eine Feminist*in sich so kleiden, dass sie einem Mann* gefällt, ohne dass dies ihrer Überzeugung widerspricht?

Diese und 30 weitere Fragen wurden letzten Donnerstag an der Schalterstunde des «temporären Amtes für die performative Exploration von Geschlechterdevianzen» beantwortet. Auf dem Programm standen die vier Kategorien Sexualität, Geschlechteridentitäten, Sexismus im Alltag und Kapitalismuskritik, dazu eingeladen hatte das queerfeministische Kollektiv «Die Leiden der jungen Bertha».

Es ging sehr bürokratisch zu und her. Wartezimmer. Man musste Nummern ziehen. Anstehen. Zuhören. Dem Ablauf folgen. Irgendwo tippte jemand auf der Schreibmaschine. Der Weg vom Ist- zum Soll-Zustand ist nunmal lang und nicht immer spassig… Zur lustvollen Kontemplation und für alle, die den Abend verpasst haben, hier nochmal eine Auswahl von zehn Fragen samt den (selbstverständlich anonymen) Antworten aus dem Publikum:

Frage Nr. 392: Wünschen Sie sich manchmal Sex mit Gemüse?

Antwort: «Darüber habe ich mir bis anhin noch keine Gedanken gemacht. Hört sich interessant an, vielleicht probiere ich es demnächst aus. Jedoch nur, wenn das Gemüse nicht frisch aus dem Kühlschrank kommt.»

Frage Nr. 414: Welche Farbe sollte/könnte Menstruationsblut haben? Wie riecht Menstruationsblut?

Antwort: «Blau. Nach Eisen und Glück.»

Frage Nr. 402: Welche Rollenklischees haben sich in den letzten 50 Jahren verändert, welche haben sich verhärtet und welche werden sich in Zukunft entwickeln?

Antwort: «Mutter sein, Vater sein. Mutter sein, Vater sein. Mutter sein, Vater sein.»

Frage Nr. 390: Inwiefern ist Monogamie anständig, Polygamie befreiend und umgekehrt?

Antwort: «Es ist doch eigentlich wundervoll, wenn man sich für seinen Partner freuen kann, wenn er eine gute Zeit verbringt. In der Polygamie kann man sich sexuell ausleben wie man möchte und das ist etwas Schönes, dass man sich nicht selber in einen Käfig schliesst. Auf der anderen Seite ist Eifersucht immer ein Thema und ein negatives Gefühl, das sich durch Monogamie vermeiden lässt.»

Frage Nr. 423: Wie würden sie Vorgesetzte oder Arbeitskolleg*innen auf sexistische Kommentare aufmerksam machen?

Antwort: «Mit einem sehr, sehr, sehr kritischen Blick und der Frage, ob er/sie sich überhaupt bewusst ist, was er/sie da gerade von sich gegeben hat. Was dann zu einer aufbrausenden Diskussion führt.»

Frage Nr. 412: Kann eine Feminist*in sich so kleiden, dass sie einem Mann* gefällt, ohne dass dies ihrer Überzeugung widerspricht?

Antwort: «Es ist mir egal, ob ich einem Mann gefalle.»

Frage Nr. 417: Sollten wir Frauenquoten bewusst entstehen lassen/erzwingen/erschaffen? Im Verwaltungsrat, im Vorstand, auf dem Openair-Lineup?

Antwort: «Frauenquoten sind kein Garant gegen Sexismus & Unterdrückung; mächtige Frauen sind genauso wie mächtige Männer Teil des Unterdrückungssystems. Nur die Abkehr von einer Gesellschaft, in der Macht eine Rolle spielt, bringt Freiheit & Gleichheit für alle.»

Frage Nr. 397: Würden sie vor Ihrem/Ihrer Partner*in kacken gehen?

Antwort: «Ja, ich kacke vor meinem Partner. Spätestens seit dem gemeinsamen (interkontinentalen) Reisen ist das nicht zu umgehen.»

Frage Nr. 420: Inwiefern stützt sich unser Wirtschaftssystem auf die vermarktete Schönheit der Frau* und/oder des Mannes*?

Antwort: «Frauen geben ein Vielfaches an Geld für ihre vermeintliche Schönheit aus. Sich selber zu sein ist definitiv günstiger.»

Frage Nr. 400: Inwiefern gibt die Biologie Rollenbilder vor?

Antwort: «Warum sollte die Biologie Rollenbilder vorgeben? Die Gesellschaft tut das doch…»

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2