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«Wir wollen alle Gruppen erreichen – egal, ob lesbisch, schwul, bi oder trans»

Jürg Bläuer von der St.Galler Fachstelle für Aids und Sexualfragen (AHSGA) über die neue Plattform Queer Lake, den LGBTIQ-Ausgang in St.Gallen und die schwierige Situation queerer Refugees.
Von  Corinne Riedener , 
Bild: Tine Edel

Seit Juni gibt es queer-lake.net. Was ist die Idee hinter dieser Plattform?

Früher gab es den schwulen Newsletter von Mann-o-Mann, dem «Badehaus für Männer» in St.Gallen. Das war eine Art Sammelbecken, zumindest für die Gay-Community, denn nebst den eigenen Veranstaltungen waren dort auch allerhand andere Events in der Region aufgeführt. Mit dem Besitzerwechsel vor einem Jahr wurde dieser Dienst dann ein- gestellt und es entstand eine Lücke. Queer Lake will diese wieder füllen – mit Artikeln, Veranstaltungshinweisen und einem eigenen Newsletter.

Betrieben wird Queer Lake von einem dreiköpfigen Redaktionsteam um Roland Köppel vom netz.werk, der auch den Mann-o-Mann- Newsletter betreut hat. Zudem sind über 40 Organisationen aus
der Region involviert. Was für eine Rolle spielt die AHSGA dabei?

Bei der Fachstelle haben wir uns immer wieder gefragt, wie wir an die LGBTIQ-Szene herankommen mit unseren Beratungsangeboten und Informationen zu Prävention und Veranstaltungen. Früher konnten wir Bars und Clubs für Homo- sexuelle aufsuchen, aber davon sind nicht mehr viele übriggeblieben in der Ostschweiz. Wären wir in Zürich, könnten wir in Zeitschriften wie dem «Milchbüechli» inserieren, doch auch solche Plattformen fehlen hier. Queer Lake ist ideal, um an die Leute aus der Region heranzukommen, deshalb beteiligen wir uns mit einem finanziellen Beitrag an der Homepage und liefern einmal pro Monat einen redaktionellen Beitrag mit Fokus auf die Prävention.

Was sagt die Queer Lake-Statistik über den Start der Plattform?

Wir waren überwältigt, wie viele Klicks und Likes in den ersten Wochen zusammengekommen sind – nicht nur aus St.Gallen, sondern rund um den Bodensee, etwa aus dem süddeutschen Raum oder aus den Regionen Liechtenstein und Bregenz. Darunter befinden sich natürlich viele junge Leute, aber auch einige ältere. Das ist gut so, denn wir wollen ja alle Gruppen erreichen – egal, ob schwul, lesbisch, bi oder trans – und nicht nur die Jungen, die gerade Party machen.

Wird Queer Lake irgendwann mehrsprachig sein, um auch jene zu erreichen, die Deutsch nicht ihre Muttersprache nennen?

Zurzeit wir sind noch im Aufbau, aber das wäre sicher lohnend. Den Flyer für die Queer Refugees-Veranstaltung im September im Solihaus beispielsweise haben wir auch in mehreren Sprachen drucken lassen, darum könnte ich mir gut vorstellen, dass künftig auch einzelne Artikel auf queer-lake.net übersetzt werden.

Hat die ASGHA heute vermehrt mit schwulen, lesbischen, bi- oder trans- sexuellen Migrantinnen und Migranten zu tun?

Die Anfragen im ganzen deutschsprachigen Raum haben extrem zugenommen. In der Ostschweiz ist es weniger drastisch, aber auch für uns ist das ein wichtiges Thema. Es ist davon auszugehen, dass der LGBTIQ- Anteil bei den Geflüchteten höher ist als bei den Einheimischen, weil die sexuelle Ausrichtung vielfach zu den Fluchtgründen gehört. Die Doppelstigmatisierung ist deshalb eines der grössten Probleme: Einerseits fühlt man sich als Refugee nicht sehr willkommen in Europa, andererseits wird man in vielen Herkunftsländern verfolgt oder verstossen aufgrund der Sexualität. Diesen Hintergrund gilt es zu beachten – auch bei Leuten, die bereits in der zweiten oder dritten Generation hier leben.

Kaum Bars, selten Partys, kein LGBTIQ-Magazin: Steht es schlecht um die queere Szene in St.Gallen?

Das würde ich so nicht sagen, vielmehr hat ein Wandel stattgefunden: Früher war die Szene ein bisschen «ghettoisiert»; man hat sogenannte Safe Spaces gesucht, um unter sich zu sein. Dadurch gab es mehr Möglichkeiten. Heute gibt es weniger, dafür ist man offener und sucht sich vermehrt Orte, die nicht der Szene vorbehalten sind, zum Beispiel das news Café am Oberen Graben, wo jeden ersten Sonntag im Monat die Sack & Pack-Party «für Gays und Friends» steigt.

Separieren war gestern?


Dazu gibt es verschiedene Ansichten. Ich persönlich fände es komisch, wenn ich mich nur unter Schwulen bewegen würde, aber von Zeit zu Zeit möchte ich schon einen Anlass, an dem ich unter «Meinesgleichen» bin. Auch für Jugendliche im Coming Out-Prozess ist es enorm wichtig, dass sie geschützte Orte haben – nicht im Internet, sondern im realen Leben. Die Transszene tickt etwas anders; da gibt es vermehrt Bestrebungen, sich in einem geschützten Rahmen zu treffen und zu diskutieren. In Gossau gibt es zum Beispiel jeden Monat einen recht gut besuchten Transgender-Stammtisch.

Wie steht es um die Solidarität zwischen Schwulen, Lesben, Intersexuellen und Transmenschen?

Diese LGBTIQ-Community, die gerne heraufbeschworen wird, gründet oft auf einem Wunschdenken. Innerhalb der einzelnen Gruppen gibt es leider oft starke Abgrenzungen, insbesondere gegen die Transmenschen. Je nach dem sind Transphobie, Homophobie, Sexismus und auch Rassismus nach wie vor weit verbreitet. Dagegen kämpfen wir seit über 30 Jahren an bei der ASGHA. Dabei muss man sich aber bewusst sein, dass es um zwei völlig verschiedene Thematiken geht: LGB – Lesbian, Gay und Bisexual – steht für die sexuelle Orientierung, TIQ hingegen – Trans, Inter und Questioning – beschreibt verschiedene Geschlechtsidentitäten. Gerade in den Medien werden diese Dinge gerne vermischt, doch: Nicht jede Pride ist eine Gay Pride!

queer-lake.net, ahsga.ch, mann-o-mann.ch, gendertreff-os.jimdo.com, netz.werk.ch

The Limettes: 2. September, 21 Uhr, Grabenhalle St.Gallen
Transgender-Stammtisch: 3. September, 19 Uhr, Rest. Freihof Gossau
CSD am See: 3. September, Kulturladen Konstanz
Sack & Pack: 4. September, 20 Uhr, news Café und Musikbar, St.Gallen
Purple Moon Party: 10. September, 22 Uhr, Grabenhalle St.Gallen
Interessentenabend Network, Verein für schwule Führungskräfte: 15. September, 18:30 Uhr Führung Bundesverwaltungsgericht, anschliessend Abendessen in 
der Militärkantine St.Gallen
Queer Refugees – auch in der Ostschweiz: 16. September, 18 Uhr, Solihaus St.Gallen

Dieser Beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
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Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57