Kategorie
Autor:innen
Jahr

Grenzenlos sexistisch

Der Kunstkiosk hat die Themen Sexismus und sexueller Missbrauch aufgenommen. «Und plötzlich schob mir jemand seine Hand in meine Hose» hiess die Ausstellung von Miriam Schöb, die nur drei Tage lang im Kulturkonsulat zu sehen war. von Viktoria Koelle
Von  Gastbeitrag , 
Miriam Schöb (rechts) an der Vernissage. (Bilder: Fabio Antonio Costa)

Miriam Schöb, eine junge engagierte Künstlerin aus Staad (SG), eröffnet am Freitag ihre Ausstellung zum Thema Sexismus im 21. Jahrhundert mit den Worten: «Ich bin Feministin und ich kann es nicht fassen, dass vor allem auch Frauen der Meinung sind, wir bräuchten heutzutage keinen Feminismus mehr.»

Im Konsulat, der derzeitigen Location des St.Galler Kunstkiosks, zieht sich ein Papierbanner auf Augenhöhe schwarz-weiss durch den Raum durch. Text und Bild verfliessen zu einem angenehmen harmonischen Bild aus weiss, grau und schwarz. Die Schriftzüge ordnen sich ins Bildgeschehen ein, und bis man den ersten visuellen Eindruck überwunden hat, scheint das Werk von Miriam, nicht zuletzt durch die comicartigen Bildausschnitte, eher wie eine postmoderne Inneneinrichtung.

Liest man die Texte zu den Bildern, wird einem aber rasch bewusst: Das ist keine ästhetische Wandzierde. Die Texte und Ausführungen sind Schilderungen von Frauen, die Erfahrungen mit Sexismus oder im speziellen mit sexuellem Missbrauch gemacht haben.

Miriam Schöb: «Ich bin Feministin und ich kann es nicht fassen, dass vor allem auch Frauen der Meinung sind, wir bräuchten heutzutage keinen Feminismus mehr.»

Ursprünglich als Umfrage angelegt, wollte Miriam Schöb zum Projektbeginn im Herbst 2017 Erfahrungsberichte von Frauen sammeln, die aufgrund ihres Geschlechts erniedrigt oder ungleich behandelt wurden. Kurze Zeit später wurde die viral gegangene Metoo-Kampagne initiiert, was laut Miriam einen massgeblichen Einfluss auf die 60 Beiträge des Projekts hatte. Durch den Einfluss der Metoo-Kampagne haben viele ihrer Befragten vor allem von sexuellem Missbrauch geschrieben, obwohl Schöb ursprünglich generell nach sexistisch-aufgeladenen Situationen fragte.

Als Medium wählte die Künstlerin eine Kartonrolle, weil diese eine Analogie zur inhaltlichen Grenzenlosigkeit des Sexismus darstellt, wie sie sagt. Die Grenzenlosigkeit des Sexismus äussere sich durch die ständige Fortentwicklung, neue Konstellationen und das Ineinanderfliessen von situativen Begebenheiten, die das Wesen des Sexismus ausmachten.

So greift Schöb eines der meistdiskutierten Themen unserer Zeit auf: Sie ordnet Erzählungen von sexuellem Missbrauch auf ihrer Kartonrolle direkt neben unangebrachten Kommentaren von Freundinnen und Freunden nach einem sexistischen Vorfall – dabei verwischt die Hierarchie zwischen den Erzählungen der Betroffenen. Ein gänzlich ungewohntes Gefühl, da man natürlich dazu neigt, eine Vergewaltigung als schlimmer einzuordnen als das Erlebnis einer Person, die begrapscht wurde. Für Empörung sorgen dennoch auch Kommentare wie «Hättest halt nicht mit ihm auf die Toilette gehen müssen», obwohl direkt daneben eine andere Person schildert, wie sie anal vergewaltigt wurde.

Beim Lesen wird das Leid der Betroffenen spürbar, und es wird klar: Sexismus existiert nach wie vor in unserem Alltag. Durch die Brille des Alltagsleids wird der kritisch diskutierte Feminismus in ein neues Licht gerückt: Es geht eben nicht nur um sexuellen Missbrauch und Lohnungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Der Sexismus hat sich über Jahrhunderte hinweg in unser Alltagsverhalten eingeschlichen, und die Frage ist nun, wie wir als Gesellschaft diese unwürdige Ungerechtigkeit aus unseren Leben schaffen.

Miriam Schöb macht aufmerksam auf die verschiedenen Ausprägungen, die Sexismus annehmen kann, und lässt keinen Zweifel daran, dass ihr Werk eine Anklage ist. Die Kunst übernimmt hierbei die Rolle des Sprachrohrs, das dazu in der Lage ist, ohne Schuldzuweisung sexistisches Verhalten zu sanktionieren.

Miriam Schöbs Beitrag ist keine leicht verdauliche Kost, und mit diesem gesellschaftskritischen Werk einer jungen Künstlerin ist der Kunstkiosk eher politisch unterwegs. Ein relevantes Werk aus St.Gallen für die Sexismus-Debatte, denn es macht deutlich: Sexismus wird sowohl von Männern als auch von Frauen reproduziert.

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,