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Sie dürfen mir den Arsch küssen

Die #metoo-Debatte ist auch beim «Tagblatt» ein Thema. Dazu äussern sich in der beliebten Forumszeitung nur die allerklügsten Köpfe. Nicht.
Von  Corinne Riedener , 

Hin und wieder lohnt es sich, das «Tagblatt» aufzuschlagen. Heute zum Beispiel. Auf Seite zwei wurde ein weitsichtiger Kommentar des ehemaligen Chefredaktors Gottlieb F. Höpli dargereicht. Endlich lässt sich wiedermal ein alter weisser Mann hernieder, um uns Frauen zu erklären, was das Beste für uns ist. Das hat uns ja auch in vergangenen Jahrzehnten enorm viel geholfen.

Dank Höpli wissen wir jetzt, dass es sich bei dieser ganzen #metoo-Sache lediglich «um einen dieser Medienhypes handelt, die man hinterher fast nicht mehr versteht». So ernst kann es also nicht sein, weil mit dem echten Leben und so hat #metoo ja wenig zu tun.

Seit heute wissen wir deshalb auch, was «kluge Journalistinnen» sind. Nämlich solche, denen es «womöglich rascher verleidet, sich als Angehörige des ‹Me too›-Opferkollektivs zu inszenieren als ihren männlichen Kollegen». Wieso? Weil diese «Inszenierung den Frauen mehr schadet als nützt». Unsichtbare Probleme sind keine Probleme, das sollte mittlerweile nun wirklich allen klar sein.

Ausserdem, so die Argumentation des lebenserfahrenen Ex-Chefredaktors, spiele die Schwere des Übergriffs ja fast keine Rolle mehr. In Höplis Worten: «Als Übergriffsopfer gilt, wer sich als Übergriffsopfer fühlt. Basta.» Ja genau, wo kämen wir denn da hin, wenn plötzlich nur die Betroffenen darüber entscheiden, ob sie sich nun zu Recht verletzt fühlen dürfen oder nicht.

Tagblatt vom 14. November, Seite 2. (Bild: sib, Klick zum Vergrössern)

Gut, dass Höpli angesichts der ganzen sexistischen Verallgemeinerung daran erinnert, «dass Frauen hierzulande noch nie so viele Freiheiten besassen, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen». Hätten wir glatt vergessen. Danke, liebe Männer, für all die vielen Freiheiten, die ihr uns seit 46 (Stimmrecht) oder 21 Jahren (Gleichstellungsgesetz) gewährt. Das mit der Lohngleichheit schaffen wir auch noch, gälled!

Wir werden uns jedenfalls in Zukunft dankbarer zeigen und im Zuge dessen auch die sexuellen Übergriffe, die ja ehrlicherweise nur Komplimente und deshalb gar nicht so schlimm sind, nicht mehr allzu oft ansprechen bzw. nur noch dann, wenn unsere Geschlechtsteile sichtlich in Mittleidenschaft gezogen wurden.

Wir werden uns künftig auch in jeder Debatte mindestens einmal dazu äussern, wie schlecht es anderen Frauen geht und uns über «die erschreckende Misere der Frauen und Mädchen in anderen Weltgegenden aufregen» – wie es Herr Höpli ja auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit tat und tut. Auch wir finden das nämlich unsäglich und schlimm. #whatabout statt #metoo.

Zu Höplis Verdacht, «dass die Verallgemeinerung und Ballung der Sexismusvorwürfe – vom Hinterherpfeifen vom Baustellengerüst bis zur Gruppenvergewaltigung – nicht einfach einem generellen Verständnis von Menschenwürde entspringt», sondern einer «heimlichen Agenda, die sich aus dunkleren Quellen nährt», bleibt zu sagen: Nostra Culpa! Wir dachten, es sei unsere Pflicht dieser folgen. Sie heisst Gleichstellung.

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

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2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

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Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,