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«Feminismus ist das neue Vegan»

Sophia Bihler (18), Luisa Zürcher (18) und Tanita Bürge (17) über neue Religiosität, mangelnde Drogenaufklärung und modernen Feminismus.
Von  Corinne Riedener
Von links: Sophia, Luisa und Tanita (Bilder: Ladina Bischof)

Corinne: Im April beschäftigt sich Saiten mit allerlei Rückwärtsbewegungen. Wie würdet ihr «retro» definieren?

Lusia: Dinge, die früher mal in Mode waren und heute wieder kommen, sind retro.

Sophia: Möbel und Architektur können retro sein, aber auch Modetrends. Die wiederholen sich ja ständig – denken wir zum Beispiel an Schlaghosen.

Tanita: Die hab ich auch gerne an!

Sophia: Hochwasserhosen sind auch wieder modern.

Tanita: Und Latzhosen! Letztes Jahr bin ich durch alle Brockenhäuser gerannt und hab keine gefunden. Dieses Jahr hängen sie überall.

Corinne: Findet ihr diese wiederkehrenden Trends langweilig?

Tanita: Nein. Bestimmte Sachen wirken auf den ersten Blick vielleicht schräg, aber wenn man sie mit modernen Elementen kombiniert, kann man ziemlich
coole Looks kreieren. Zum Beispiel mit diesen hässlichen Weihnachtspullovern…

Sophia: Die sind so geil! Einfach weil sie so hässlich sind.

Luisa: Genau. Ein bisschen Bad-Taste schadet nie.

Corinne: Es muss ja nicht nur die Mode betreffen, auch Werte, Einstellungen, Haltungen können retro sein.
Es gibt Untersuchungen, die sagen, dass die jungen Frauen wieder vermehrt zuhause am Herd stehen wollen, dass man sich wieder mehr an sogenannt traditionellen Familienmodellen orientiert, aber zum Beispiel auch wieder mehr selber backt, kocht, schneidert oder pflanzt. Wie ist euer Eindruck?

Luisa: Selber gemacht wird wieder mehr, ja. Aber in meinem Freundeskreis habe ich überhaupt nicht das Gefühl, dass jemand konservativen Vorstellungen nacheifert.

 

Luisa: «Ein bisschen Bad-Taste schadet nie.»

 

Tanita: Ich stelle fest, dass die Leute in meinem Umfeld nicht mehr unbedingt die grossen Partys suchen, sondern wieder mehr auf kleine Konzerte gehen. Oder sie trinken wieder Filterkaffee statt Nespresso. Und Velofahren, das kommt auch wieder.

Sophia: Die alternativen Leute – Hipster – setzen wieder mehr aufs gemütliche Beisammensein; kochen zusammen oder trinken gemütlich zuhause Wein. Kürzlich hat ein Bekannter angefangen, Pfeife zu rauchen, andere gehen fischen und lassen sich Bärte wachsen. Viele machen selber Musik und immer mehr interessieren sich für Kunst und Kultur. Solche Sachen sind schon «in». Wie etwa das gegenseitige Haarefärben.

Luisa: Momentan wollen ja alle wieder blau, grün, pink…

Saiten 2016

Luisa Zürcher, 1998, ist im dritten Jahr an der Kantonsschule am Burggraben mit Schwerpunkt Gestaltung. Daneben malt, zeichnet und singt sie.

Corinne: Bleiben wir noch einen Moment bei der Haltung: Gibt es tatsächlich niemanden in eurem Umfeld, den oder die ihr als altmodisch bezeichnen würdet?

Tanita: Ich kenne einen, der ist voll auf dem Kein-Sex-vor-der-Ehe-Trip. Ich glaube, er ist Mitglied in einer religiösen Gemeinschaft. Vermutlich spricht er deswegen auch kaum ein Wort mit unserer Kollegin, die lesbisch ist.

Sophia: Religion allgemein boomt wieder.

Tanita: Findest du?

Sophia: Früher war Glauben uncool. Ständig musste man betonen, wie atheistisch man ist. Jetzt hatte ich meiner Klasse gleich mehrere, die sich als gläubig bezeichnen und auch in die Bibelgruppe gehen. Ich habe nichts dagegen, Religion gibt vielen Menschen Halt. Aber unter ihrem Deckmantel werden auch Kriege geführt 
– obwohl die Religion an sich ja nichts dafür kann.

Tanita: Apropos: Politik boomt auch! Die Jungparteien haben Zulauf.

Luisa: Meine Klasse ist zwar alles andere als konservativ, aber wenn ich so nachdenke, gibt es an der Kanti doch einige, die ich für altmodisch halte: Leute, die etwas gegen Schwule und Lesben haben, die Religion cool finden und so …

Sophia: Es ist zwiespältig. Einerseits gibt es viele, die alles tolerieren, andererseits kenne ich Leute – in unserem Alter wohlgemerkt –, die immer noch behaupten, dass Homosexualität eine Krankheit sei. Wir hatten eine in unserer Klasse, die fix daran glaubt, dass die Erde von Gott erschaffen wurde und schwule oder lesbische Neigungen gegen die Natur sind. Sogar unserem Lehrer blieben die Worte im Hals stecken!

Tanita: In meiner Berufsschule gibt es welche, die eine Hauswirtschaftslehre machen – ich glaube, sie sind Anhänger von Lefèbvre –, und auch immer mit Zöpfen und langen Röcken zum Unterricht kommen. Ihre Blicke sprechen Bände, wenn ich mit farbigen Haaren, Strumpfhosen und kurzen Shorts daherkomme…

Corinne: Kommt da auch Widerspruch?

Sophia: Natürlich! Von allen Seiten!

Luisa: Für mich sind diese Leute nicht religiös, sondern einfach nur homophob.

Tanita: Monogamie ist auch wieder mehr im Trend ist als auch schon. Es gibt viele, die eine feste Beziehung wollen statt wildem Herumgeficke. Wieso kann ich nicht sagen, und ich will auch nicht verallgemeinern. Es fällt mir einfach auf.

Sophia: Auch Familie wird wichtiger. Viele unternehmen wieder häufiger etwas mit ihren Müttern, Brüdern oder engsten Freunden.

Tanita: So wie wir letzten Herbst, als wir wandern gingen und in einer kleinen Waldhütte übernachtet haben.
 Man kann auch mal ziellos herumwandern, es muss nicht immer eine Städtereise sein.

Saiten 2016

Tanita Bürge, 1999, ist in der Ausbildung zur Fachfrau Betreuung. In ihrer Freizeit engagiert sie sich im Jugendkulturraum Flon, ausserdem malt sie, spielt Ukulele und Theater.

Corinne: Wie findet ihr den Trend, wieder mehr selber zu machen: nice oder Scheiss?

Luisa: Ich mache vieles selber und finde das super.

Tanita: Es mag etwas weit hergeholt sein, aber es hat auch mit Sinnfindung zu tun. Etwas zu machen und nachher zu denken: Wow, das habe ich selber gemacht.

Corinne: Ist das auch eine Gegenbewegung zur anonymen Massenproduktion?

Luisa: Das hoffe ich!

Corinne: Geht es dabei wirklich um Sinnfindung und Nachhaltigkeit, oder hat es auch damit zu tun, dass alle möglichst individuell sein und ihre eigene «Marke» erschaffen sollen? Heute muss man sich vor allem selber vermarkten, habe ich den Eindruck.

Sophia: Individualität ist tatsächlich sehr wichtig.

Luisa: Eigentlich ist dieser Drang zur Individualität längst zu einem Zwang geworden, nicht?

Tanita: Sehe ich auch so. Facebook, Instagram und andere soziale Medien tragen da ja viel dazu bei. Alle versuchen irgendwie aufzufallen. Manche, indem sie sich ausziehen, andere, indem sie sich möglichst schräg geben und wieder andere, indem sie massiv provozieren.

Corinne: Wenn alle völlig individuell sein wollen, sind am Ende alle wieder irgendwie gleich.

Sophia: Genau. Als ich zum Beispiel meine Haare grau gefärbt habe, bin ich extrem aufgefallen. Jetzt, wo die halbe Klasse mit irgendwelchen wilden Farben herumläuft, fällt niemand mehr wirklich auf.

Corinne: Offenbar bist du ein Trendsetter. Aber im Ernst: Ist euch das wichtig, aufzufallen und wahrgenommen zu werden?

Tanita: Ich weiss nicht so recht … Klar will ich für mich selber gut aussehen und so, aber das reicht ja nicht, wenn man null Charakter hat. Trotzdem finde ich es schön,
wenn mir jemand sagt, ich sei «anders» oder «komisch». Für mich ist das ein Kompliment.

Luisa: Vielleicht klingt das jetzt oberflächlich, aber ich mag
 es schon, mich zu zeigen und aufzufallen – rein optisch, aber noch viel lieber mit dem, was ich tue.

Tanita: Auch ich zeige auf Instagram, was ich so mache.
Aber ich setze nicht tausend Hashtags unter das Foto, damit so viele wie möglich es sehen und mir folgen. Gewisse Trends äffe ich manchmal auch einfach nach.

Sophia: Kürzlich haben eine Kollegin und ich angefangen, extra hässliche Fotos zu posten. Es wurde uns einfach zu dumm, immer gut aussehen zu müssen – allgemein diese Oberflächlichkeit. Ich glaube, dass viele aus unserer Generation ein bisschen «fame-geil» sind. 
Mir ist es wichtig, dass ich so sein kann, wie ich bin. Was die Leute sagen, ist zweitrangig.

Corinne: Es gibt ein paar richtig tolle Instagram-Profile, die sich gegen dieses «Diktat der Schönheit» stellen!

Sophia: Wir hatten auch grossen Spass dabei, aber die Reaktionen waren teilweise unterirdisch. Es gab sogar Leute, die uns aufforderten, die Bilder zu löschen, weil
sie ihrer Meinung nach nicht ästhetisch genug sind.

Sophia Bihler, 1998, arbeitet zurzeit stundenweise im Service und geht demnächst nach Cully für einen Sprachaufenthalt. Im Sommer beginnt sie ihre Ausbildung im Couture­Atelier der Gewerblichen Berufsschule St.Gallen (GBS). Sie singt und malt ebenfalls.

Corinne: Können wir denn noch auffallen ohne das Visuelle – nur mit dem, was wir sind? Oder anders gefragt: 
Ist das Konservative heute das Auffällige?

Sophia: Sicher fällt man auf mit reaktionären oder homophoben Positionen. Diese Aufmerksamkeit ist aber wohl nur von kurzer Dauer und betrifft ohnehin meist nur ein kleines Umfeld. Es ist vor allem eines: traurig.

Luisa: Um positiv aufzufallen, muss man «en geile Siech» sein.

Corinne: Wie ist man das?

Luisa: Man sollte viel lachen, einfach fröhlich sein. Und sich selber und andere nicht immer so ernst nehmen.

Sophia: Und alle gleich behandeln, egal um wen es geht. Ausserdem sollte man nicht nur an sich, sondern auch an die anderen denken. Hilfsbereitschaft sagt viel über eine Person aus.

Luisa: Sich selber sein, ist wohl am wichtigsten…

Corinne: Wie lernt man das?

Sophia: Wenn du ein Umfeld hast, das hinter dir steht, egal was ist – und dich auch machen lässt. Das hilft sicher enorm.

Tanita: Kritik ist aber genauso wichtig. Du musst auch Menschen um dich haben, die ehrlich zu dir sind und es sagen, wenn sie etwas problematisch finden. Daran kann man als Person auch wachsen.

Luisa: Gerade in der Oberstufe ist es so, dass viele gemobbt werden. Dort ist es schwer, sich selber zu sein beziehungsweise zu werden. 15 ist ein schreckliches Alter. Dann scheint mir die Intoleranz fast am grössten. Und nicht selten gehen Menschen daran kaputt.

Sophia: Darum ist es so wichtig, dass man gute Freunde und eine Familie hat. Sie können über solche Täler hinweghelfen.

Tanita: Und Hobbys natürlich!

Sophia: Wir hatten in der Oberstufe auch ein Mädchen, das ausgeschlossen wurde und daraufhin fast den Drogen zum Opfer gefallen wäre. Ich habe mich damals verpflichtet gefühlt, ihr beizustehen. Heute geht es ihr zum Glück wieder gut.

Corinne: Sind Drogen für euch ein grosses Thema?

Sophia: Darüber müsste man unbedingt reden! Nehmen wir den Alkohol: Der gehört fix zu unserer Gesellschaft, genauso wie Rauchen und Kiffen. Und spätestens
nach der Oberstufe sind auch härtere Drogen ein Thema – Kokain, LSD, MDMA. Damit muss man extrem aufpassen.

Corinne: Ich habe schon länger das Gefühl, dass Pillen und Pülverchen wieder einen grösseren Stellenwert haben.

Sophia: Richtig. Ich kenne Leute, die schon mit 16 ihren ersten LSD-Trip planen. Auch Koks ist gerade wieder sehr im Kommen.

Luisa: Und das Trinken erlebt auch ein Revival – sowohl am Wochenende als auch in der Schule.

Sophia: Ich weiss, dass es hier in der Stadt eine Clique gibt, die Jugendliche mit gewissen Substanzen anlockt und sie um den Finger wickelt. Wenn man da kein Auge drauf hat, ist am Schluss vielleicht das ganze Leben versaut… Über Drogen – egal ob weich oder hart – muss unbedingt besser aufgeklärt werden in der Schule.

Tanita: Ja. Sexualunterricht hatte ich bestimmt schon etwa viermal in meinem Leben, aber Drogen waren bisher kaum ein Thema. Erst jetzt, wo ich eine Ausbildung
im Sozialwesen mache, lerne ich, was gewisse Substanzen, etwa Ritalin, bewirken.

 

Tanita: «Es macht schon einen Unterschied, ob du schwängern kannst oder geschwängert werden kannst…»

 

Corinne: Wir sind beim Umfeld steckengeblieben: Wie würdet ihr euer Elternhaus beschreiben?

Luisa: Extrem tolerant und alternativ. Ich kann zuhause über alles reden, auch über Drogen, Sexualität oder andere Dinge, die mich beschäftigen.

Tanita: Meine Eltern sind noch recht jung und eher ungewöhnlich. Ich konnte meistens tun und lassen, was ich
wollte und hatte immer grossen Spielraum – fast zu viel manchmal. Ab und zu wäre es vielleicht besser gewesen, sie hätten mir mehr Grenzen aufgezeigt, aber alles in allem bin ich ihnen sehr dankbar, dass ich mich «auf eigene Faust» entwickeln konnte. Ich denke, meine Kindheit hat grossen Einfluss auf mein jetziges Ich.

Sophia: Ich komme aus einem eher behüteten Elternhaus; tolerant, aber streng. Als Älteste musste ich um jede Stunde Ausgang kämpfen. Hausarrest oder so gab es aber nie.

Corinne: Wollt ihr euch von euren Eltern auch abheben, rebellieren?

Tanita: Nicht wirklich. Sie lassen mich ja machen…

Luisa: Ich überhaupt nicht, im Gegenteil: Meine Eltern sind und waren auch immer Vorbilder für mich.

Sophia: Nicht mehr. Früher musste ich zwar gewisse Dinge durchsetzen, aber mittlerweile läuft es zuhause ganz gut. Keine Ahnung, ob es anders gewesen wäre, wenn ich ein Junge gewesen wäre.

Tanita: Es macht schon einen Unterschied, ob du schwängern kannst oder geschwängert werden kannst…

Sophia: Sicher. Und meine Mutter kennt von ihrem Beruf her ein paar wirklich schlimme Geschichten. Das hat sich sicher auch auf meine Erziehung ausgewirkt.

Corinne: Habt ihr denn schon Pläne fürs Erwachsenenleben?

Tanita: Als erstes will ich meine Lehre abschliessen. Danach würde ich gerne den gestalterischen Vorkurs machen und mehr kreativ arbeiten. Ich hoffe natürlich,
dass ich bis dann noch mit meinem Freund zusammen bin, will mich aber auch nicht darauf verlassen.

Luisa: Ach, das mit der Liebe kommt dann von alleine irgendwann. Mein Ziel ist es, im Berufsleben etwas zu machen, das mir wirklich Spass macht. Was das ist, weiss ich noch nicht so genau. Ich schaue, wohin es mich treibt. «Karriere» will ich nicht machen, ebenso wenig wie stur in einem Büro hocken.

Sophia: Ich will Kunst und Modedesign studieren, am liebsten im Ausland. Kinder will ich nicht unbedingt, im Moment jedenfalls.

 

Sophia: «Ich finde es immer lustig, wenn sich einer in seiner Männlichkeit gekränkt fühlt, weil wir Frauen die gleichen Dinge sagen und tun dürfen wie die Männer.»

 

Corinne: Eines will ich noch wissen: Wie steht ihr zum Feminismus?

Sophia: Ja, das ist auch so ein Thema, das wieder voll im Kommen ist momentan. Feminismus ist das neue Vegan, würde ich behaupten. Politisch gesehen ist der Kampf für die Gleichberechtigung natürlich wichtig…

Tanita: Nur wird leider auch vieles übertrieben. Mir ist es zum Beispiel völlig egal, ob ein Verkehrsschild männlich oder weiblich ist.

Sophia: Ja, wenn es zwanghaft wird, dann nervts.

Luisa: Kürzlich habe ich auf Facebook «liebe Freunde» geschrieben und einige haben sich an dieser Schreibweise gestört. Das fand ich unnötig, weil für mich völlig selbstverständlich ist, dass damit alle gemeint sind: Männer, Frauen und alle dazwischen.

Corinne: Ist der Feminismus auch bei den jungen Männern ein Thema?

Tanita: Gerade in meinem Beruf sehe ich viele, die sich für uns Frauen engagieren. Sie finden es zum Beispiel unfair, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann die Stelle bekommt, grösser ist als bei einer Frau, weil es in unserer Branche angeblich zu wenig Männer gibt. Sie würden es bevorzugen, wenn das Geschlecht keine Rolle spielt.

Corinne: Engagiert ihr euch auch konkret?

Luisa: Für mich ist der Feminismus eher ein permanenter Subtext. Laut werde ich dann, wenn ich irgendwo Sexismus oder Frauenfeindlichkeit sehe. Dann platzt es einfach aus mir heraus.

Corinne: Das passiert vielen Leuten in eurem Alter?

Tanita: Es gibt leider immer noch genug Männer, die meinen, dass sie sexistische Sprüche raushauen müssen.

Sophia: Ich finde es immer lustig, wenn sich einer in seiner Männlichkeit gekränkt fühlt, weil wir Frauen die gleichen Dinge sagen und tun dürfen wie die Männer.

Corinne: Ist Feminismus ein Stück weit auch retro?

Tanita: Im modernen Feminismus geht es für mich nicht mehr allein um die Frauen, sondern generell um Akzeptanz. Es gibt heute auch Männer, die eine Magersucht entwickeln, um einem Schönheitsideal zu entsprechen. Sexismus existiert unabhängig vom Geschlecht.

Corinne: Kürzlich wurde die Frauenbeiz im Engel wieder belebt. Wie findet ihr solche Anlässe nur für Frauen?

Luisa: Ich finde es wichtig und richtig, aber auch ein bisschen retro. Im Grunde geht es ja um Gleichberechtigung. Und da gehören die Männer heute genauso dazu.
 Diese Trennung der Geschlechter finde ich darum nicht mehr ganz zeitgemäss. Dasselbe gilt übrigens auch für die Flade.

Sophia: Ich habe die Zeit in der Mädchen-Sek eigentlich genossen. In diesem Alter war ich ganz froh, unter «meinesgleichen» zu sein und mich nicht einer «männlichen Norm» aussetzen zu müssen. Aber ich finde auch: Wenn Feminismus, dann müssen alle im Boot sein.

Dieses Gespräch erschien im Aprilheft von Saiten.

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