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Digitales Game-Relief

Im Kulturraum am Klosterplatz in St.Gallen lassen die Kunstschaffenden Rolf Graf und Anastasia Katsidis Grenzen verschwimmen: zwischen Vedutenmalerei und Computer-Spielen und zwischen geografischen und sprachlichen Grenzen.
Von  Katharina Flieger , 

Angelpunkt der Ausstellung «Bellevue GTA 1849 – 2070» im Kulturraum am Klosterplatz bilden Landschaftsmalereien. Das Reliefzimmer im Regierungsgebäude war einst eine echte Attraktion: Zu sehen gab es ein Relief des Kantons St.Gallen, das 1855 auch an der Weltausstellung in Paris gezeigt wurde, samt Freskenzyklus mit Aussichten auf Seen und Flüsse und raus aus dem Kanton. Die Veduten wurde1920 übermalt, das Relief um 1970 zerstört.

Landschaften in sanften Farben, beschönigt, inszeniert, überhöht – Diese Wunschwelt vergangener Zeiten wird in der Rekonstruktion des in Heiden aufgewachsenen Künstlers Rolf Graf gebrochen: Auf Stellwänden sind Bruchstücke und ganze Bilder, Kopien und wiederhergestellte «Originale» des einstigen Reliefzimmers angeordnet. Formen und Farben treten hervor aus der Fläche, der Geruch des Holzgerüstes erinnert an Werkunterricht. Inszenierung und Platzierung entstand in Zusammenarbeit mit der aus Widnau stammenden Künstlerin Anastasia Katsidis.

Die Reliefstruktur wird im Nebenraum virtuell erweitert: Rolf Graf hat in Abgleichung mit der Welt im Reliefzimmer Ausschnitte von rund einem Dutzend Computerspielen ausgewählt und an die Wände projiziert. Die Welten von Limbo und Minecraft, Fez und GTA ergänzen den Blick ursprünglichen Reliefs und seinen auf die Himmelsrichtungen abgestimmten Reliefbildern von Kreuzlingen und Konstanz, dem Glarnerland und der die Bündner Herrschaft. Ein digitales Game-Relief, dessen bewegtes Geschehen durch den eigenen Schattenwurf eine irritierende Ergänzung erfährt.

bellevue bilder1

Die so entstehenden parallelen Bildwelten bewegen sich zwischen Fantasie, Fiktion und Realität, zwischen Alp- und Albtraum. Ergänzt werden die bespielten Räume durch Katsidis Installation im Foyer «Gradationskurven», die sie speziell für die Ausstellung «Bellevue GTA 1849 – 2070» entwickelt hat.

Digitale Erweiterung im Radio

Der öffentliche Raum habe die Künstlerin schon immer mehr interessiert als der geschützte Kunstraum. So passt auch die Öffnung in Form der Veranstaltungsreihe «Radio Bellevue», in dessen Rahmen Kulturschaffende eingeladen wurden, die sich selber an den Grenzen ihrer Sparten und darüber hinaus bewegen.

Unter dem Titel Paesaggi Spaventosi (Furchteinflössende Landschaften) findet heute ein Abend mit Coxo Spaziale, Bologna (Stefano W. Pasquini), Transitorisches Museum zu Pfyn (Alex Meszmer & Reto Müller) und Gästen statt.

Im Vordergrund steht die Frage der Künstler: Erweitern oder verengen sich die Landschaften der Demokratie? Ist die Sehnsucht nach Schönheit stark genug, um sich heute in einem politischen Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und der Gesellschaft, die zeitgenössische künstlerische Recherche gern verunglimpft sieht, zu engagieren? Was ist Schönheit heute? Handwerkskunst oder Instagram?

Diese und andere Themen kommen zur Sprache in einer Art Live Radio Show, die dann auf italienisch übersetzt und in Episoden auf dem linken Kultursender Radio Città Fujiko in Bologna, Italien gesendet wird. Im Laufe der kommenden Woche werden weitere Veranstaltungen der Reihe «Bellevue» durchgeführt. 

Weitere Veranstaltungen im Kulturraum Klosterplatz:

24. April, 19 Uhr:  1#Radio Bellevue, ein Abend mit Coxio Spaziale, Bologna (Stefano W. Pasquini), Transitorisches Museum zu Pfyn (Alex Meszmer & Reto Müller) & Guests
27. April, 12 bis 17 Uhr, Spielhaus: offenes Gamen mit Markus Roth
27. April, 17 Uhr: 2#Radio Bellevue, Josef Felix Müller erzählt, Li Tavor singt
2. Mai, 20 Uhr: 3#Radio Bellevue, Low Freq, Bit-Tuner, DJ P-Beat
3. Mai, 20 Uhr: 4#Radio Bellevue, TieMyShoe (Doom Pop), DJ Fred Hystère
8. Mai, 18 Uhr: Das Reliefzimmer ­– Der Kanton St.Gallen stellt sich selber dar, Vortrag von Markus Kaiser
18. Mai, 16 Uhr: Finissage mit Meteotrop (Peter Weber, Norbert Möslang, Peter Lutz, Patrick Kessler, Frank Heer, Sven Bösiger) 

Weitere Infos: hier.

FC St.Gal­len vs. FC Lu­ga­no 5:0 – St.Gal­len de­klas­siert ein de­zi­mier­tes Lu­ga­no

Der FC St.Gal­len nützt ei­ne frü­he ro­te Kar­te ge­gen Lu­ga­no gna­den­los aus und schickt den bis­her so sou­ve­rä­nen Lea­der gleich mit 5:0 nach Hau­se. Ein denk­wür­di­ger Nach­mit­tag zum Nach­le­sen hier im SENF-Ti­cker.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Bücherherbst

Vom Fest­hal­ten und los­las­sen

Von Karsten Redmann,
Alles in allem taschenbuch julia trachsel

Die Er­de ist nicht ge­nug

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Von Philipp Bürkler,
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Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
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Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
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Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle