Haben Sie Leichen berührt?
Sind Sie mit Urin, Kot oder Blut von anderen in Kontakt gekommen?
Hatten Sie Geschlechtsverkehr mit jemandem, den Sie nicht kennen?
Und, und, und… Unterschreiben, Fiebermessen. Dann Check-in. Als im Flieger alle Passagiere festgeschnallt sind, wird die ganze Kabine mit irgendeinem Mittel ausgesprüht: Halten Sie die Hand vor Nase und Mund, wenn Sie wollen.
Der vorläufig letzte Flug der British Airways von Monrovia nach London.
Ein paar Tage vorher, nach drei Wochen in Liberia, habe ich mich von der Hysterie doch noch anstecken lassen. Alle diskutieren Ebola. Die traditionelle Begrüssung, Handschütteln und Mittelfinger-an-Mittelfinger-Schnippen, ist verschwunden. Körperkontakt wird vermieden. Einige verschränken die Arme hinter dem Rücken, um nicht in Versuchung zu fallen, andere halten zur Begrüssung nur kurz die Unterarme aneinander oder gar nur die Ellbogen.
Der Schwager O. aus den USA hat angerufen, wir sollen Liberia so schnell wie möglich verlassen. Er schaut CNN. CNN berichtet in hoher Frequenz über Ebola, weil sich zwei amerikanische Ärzte angesteckt haben. Der Mann unserer Gastgeberin lebt in Bonn und fragt besorgt, wann sie komme. Doch sie bleibt. In den Medien erscheint alles gefährlicher, als es ist. Die Bilder kommen aus dem Epizentrum der Seuche. Die Meldung, dass Schulen geschlossen seien, wird mit Ebola in Verbindung gebracht, dabei sind dort schlicht auch Sommerferien.
Monrovia ist plakatiert, die Dörfer sind plakatiert: Always wash your hands with soap, don’t touch dead bodies, don’t eat bushmeat (z.B. Antilopenschlegeli) or bat (Fledermäuse).
Fasziniert habe ich im Radio die Aufklärungssongs zu Ebola gehört (verschiedenes Zielpublikum – verschiedene Stile, Ballade, Rap, aber keine Moritat). Auf einem singt die Kulturministerin persönlich mit, ein anderer ist auch in den Bars und Discos zum Hit geworden, Ebola in Town beispielsweise, zu hören im Internet auf youtube oder soundcloud.
An Tante A. scheint die Propaganda allerdings völlig wirkungslos abzuprallen. Sie behauptet, mit dem Verzehr von Bitterkolanüssen und einem regelmässigen Schluck aus der Rootbottle (Schnaps mit eingelegten Wurzeln, Baumrinden usw.) lasse sich Ebola kurieren. Der Lacher über diese Unwissenheit ist abgehackt, noch bevor er ganz ausgestossen ist.
Vor Bars, Hotels und Läden stehen Behälter mit Chlorwasser, damit müssen vorbeugend die Hände gewaschen werden. Man erzählt, im benachbarten Guinea seien Menschen gestorben, weil sie Vorbeugung mit Medizin verwechselt und Javelwasser ins Essen gekippt hätten.
Hier haben Kaufleute angefangen Bleichmittel zu überhöhten Preisen zu verkaufen, was die Präsidentin inzwischen unter Strafe gestellt hat. Weit sicherer ist dagegen das Geschäft einiger Pastoren. Sie halten ihre Schafe dazu an, zu beten, zu fasten, dem lieben Gott etwas zu spenden und falls man selber nicht genug hat, betuchtere Verwandte um eine Opfergabe zu bitten. Dem gegenüber sehen einige in Ebola nicht nur eine Strafe Gottes, sondern wissen, dass die Welt unter geht (am 31. Oktober). Was wiederum andere als blanken Unsinn abtun, weil man schliesslich wisse, dass das Virus in einem Labor in Virginia USA erzeugt wurde.
Von Beginn an desinfizeren wir täglich mehrfach unsere Hände (das würde man nach dem Gebrauch der schmuddeligen Liberianischen Dollarnoten sowieso machen). Das Mittel dazu haben wir von zuhause mitgebracht. Alles ganz locker, aber schliesslich werde ich eben doch unruhig, will nicht mehr aus dem Haus. Es geht das Gerücht um, der Flughafen werde geschlossen. Ich stelle mir eine Evakuierung vor, per Hubschrauber aus der amerikanischen Botschaft, nur das nötigste Gepäck ist erlaubt. Dann die Repatriierung, drei Wochen Quarantäne, nicht rechtzeitig wieder zur Arbeit zu erscheinen. Ich stelle mir nicht vor, angesteckt zu sein, isoliert zu werden, zu verenden oder knapp zu überleben.
Aber das Schweizer Konsulat (im Bild die Wandmalerei an der Mauer vor der Schweizer Vertretung in Monrovia) beruhigt uns; keine Panik, übliche Vorsicht, ja, sie notieren unsere Adresse, und übrigens übermorgen ist der 1. August, wir sollen doch auch zur Party zu kommen.
Nun sind wir wieder in der Schweiz. Sollen wir jetzt eine Inkubationszeit lang wie in Liberia alle nur mit den Ellbogen grüssen?
Walter Siering (55), Ausbilder FA, arbeitet für das HEKS, Regionalstelle Ostschweiz; seine Frau und er waren in Liberia, um Verwandte und Freundinnen zu besuchen.
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.