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Ebola in Town

Die Ebola-Epidemie breitet sich aus. Auch in Liberia. Der St.Galler Walter Siering war in Monrovia, Anfang August ist er zurückgekehrt. Hier sein Bericht aus der liberischen Hauptstadt.
Von  Gastbeitrag

Haben Sie Leichen berührt?

Sind Sie mit Urin, Kot oder Blut von anderen in Kontakt gekommen?

Hatten Sie Geschlechtsverkehr mit jemandem, den Sie nicht kennen?

Und, und, und… Unterschreiben, Fiebermessen. Dann Check-in. Als im Flieger alle Passagiere festgeschnallt sind, wird die ganze Kabine mit irgendeinem Mittel ausgesprüht: Halten Sie die Hand vor Nase und Mund, wenn Sie wollen.

Der vorläufig letzte Flug der British Airways von Monrovia nach London.

Ein paar Tage vorher, nach drei Wochen in Liberia, habe ich mich von der Hysterie doch noch anstecken lassen. Alle diskutieren Ebola. Die traditionelle Begrüssung, Handschütteln und Mittelfinger-an-Mittelfinger-Schnippen, ist verschwunden. Körperkontakt wird vermieden. Einige verschränken die Arme hinter dem Rücken, um nicht in Versuchung zu fallen, andere halten zur Begrüssung nur kurz die Unterarme aneinander oder gar nur die Ellbogen.

Der Schwager O. aus den USA hat angerufen, wir sollen Liberia so schnell wie möglich verlassen. Er schaut CNN. CNN berichtet in hoher Frequenz über Ebola, weil sich zwei amerikanische Ärzte angesteckt haben. Der Mann unserer Gastgeberin lebt in Bonn und fragt besorgt, wann sie komme. Doch sie bleibt. In den Medien erscheint alles gefährlicher, als es ist. Die Bilder kommen aus dem Epizentrum der Seuche. Die Meldung, dass Schulen geschlossen seien, wird mit Ebola in Verbindung gebracht, dabei sind dort schlicht auch Sommerferien.

ebola2Monrovia ist plakatiert, die Dörfer sind plakatiert: Always wash your hands with soap, don’t touch dead bodies, don’t eat bushmeat (z.B. Antilopenschlegeli) or bat (Fledermäuse).

Fasziniert habe ich im Radio die Aufklärungssongs zu Ebola gehört (verschiedenes Zielpublikum – verschiedene Stile, Ballade, Rap, aber keine Moritat). Auf einem singt die Kulturministerin persönlich mit, ein anderer ist auch in den Bars und Discos zum Hit geworden, Ebola in Town beispielsweise, zu hören im Internet auf youtube oder soundcloud.

An Tante A. scheint die Propaganda allerdings völlig wirkungslos abzuprallen. Sie behauptet, mit dem Verzehr von Bitterkolanüssen und einem regelmässigen Schluck aus der Rootbottle (Schnaps mit eingelegten Wurzeln, Baumrinden usw.) lasse sich Ebola kurieren. Der Lacher über diese Unwissenheit ist abgehackt, noch bevor er ganz ausgestossen ist.

Vor Bars, Hotels und Läden stehen Behälter mit Chlorwasser, damit müssen vorbeugend die Hände gewaschen werden. Man erzählt, im benachbarten Guinea seien Menschen gestorben, weil sie Vorbeugung mit Medizin verwechselt und Javelwasser ins Essen gekippt hätten.

Hier haben Kaufleute angefangen Bleichmittel zu überhöhten Preisen zu verkaufen, was die Präsidentin inzwischen unter Strafe gestellt hat. Weit sicherer ist dagegen das Geschäft einiger Pastoren. Sie halten ihre Schafe dazu an, zu beten, zu fasten, dem lieben Gott etwas zu spenden und falls man selber nicht genug hat, betuchtere Verwandte um eine Opfergabe zu bitten. Dem gegenüber sehen einige in Ebola nicht nur eine Strafe Gottes, sondern wissen, dass die Welt unter geht (am 31. Oktober). Was wiederum andere als blanken Unsinn abtun, weil man schliesslich wisse, dass das Virus in einem Labor in Virginia USA erzeugt wurde.

Von Beginn an desinfizeren wir täglich mehrfach unsere Hände (das würde man nach dem Gebrauch der schmuddeligen Liberianischen Dollarnoten sowieso machen). Das Mittel dazu haben wir von zuhause mitgebracht. Alles ganz locker, aber schliesslich werde ich eben doch unruhig, will nicht mehr aus dem Haus. Es geht das Gerücht um, der Flughafen werde geschlossen. Ich stelle mir eine Evakuierung vor, per Hubschrauber aus der amerikanischen Botschaft, nur das nötigste Gepäck ist erlaubt. Dann die Repatriierung, drei Wochen Quarantäne, nicht rechtzeitig wieder zur Arbeit zu erscheinen. Ich stelle mir nicht vor, angesteckt zu sein, isoliert zu werden, zu verenden oder knapp zu überleben.

ebola3Aber das Schweizer Konsulat (im Bild die Wandmalerei an der Mauer vor der Schweizer Vertretung in Monrovia) beruhigt uns; keine Panik, übliche Vorsicht, ja, sie notieren unsere Adresse, und übrigens übermorgen ist der 1. August, wir sollen doch auch zur Party zu kommen.

Nun sind wir wieder in der Schweiz. Sollen wir jetzt eine Inkubationszeit lang wie in Liberia alle nur mit den Ellbogen grüssen?

Walter Siering (55), Ausbilder FA, arbeitet für das HEKS, Regionalstelle Ostschweiz; seine Frau und er waren in Liberia, um Verwandte und Freundinnen zu besuchen.

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2