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Numä 90 Minutä – und trotzdem so vil meh

Heute vor 135 Jahren wurde der FC St.Gallen gegründet. Ihm zu Ehren hier das engagierte Plädoyer fürs Fussballfan-Sein von Ruben Schönenberger.
Von  Gastbeitrag

Fussballfan sein, ist eigentlich absolut dämlich. Jedes Wochenende mit der eigenen Mannschaft mitfiebern, das eigene Wohlbefinden vom Ausgang eines Spiels abhängig machen und dafür vom Rest der Bevölkerung bestenfalls ein halbwegs wohlwollendes «Jo, i find Fuessball scho au läss» erhalten, schlimmstenfalls ein «Da sind doch eh alles Chaote, mit dänä wötti nüt z’tue ha».

Trotzdem: Ein Leben ohne Fussball ist für mich undenkbar. Dabei sind die wöchentlichen 90 Minuten zwar nicht völlig egal, aber sie sind eben nur ein kleiner Teil eines riesigen Mosaiks. Ein Mosaik aus guten und schlechten Erinnerungen, aus verklärter Historie und rosa-bebrillter Zukunft, aus Freunden und Feindbildern, aus Gesprächen und Taten. Ein Mosaik, das mich seit Jahren prägt und dabei meine Persönlichkeit gleichzeitig gefestigt und extrem sensibel gemacht hat.

Öfter beim Fussball, als zugegeben

Manche werden nach dem Lesen dieser ersten Zeilen vielleicht bereits aussteigen: «Fussball zu einer so bedeutenden Sache hochzustilisieren, der spinnt doch! Der hat doch sonst nichts im Leben!» An dieser Stelle sei gesagt: Ja, ich hätte ein riesiges Problem, wenn Fussball von heute auf morgen nicht mehr existieren würde. Ja, der allergrösste Teil meines Freundeskreises kommt aus dem Fanumfeld. Ja, ich bin gedanklich viel öfter beim Fussball, als ich zugeben will.

Fussball ist längst nicht mehr nur Fussball. Die Freunde, die ich so kennen gelernt habe, sind mittlerweile einfach ganz normale gute Freunde. Der Sport hatte zwar als Magnet gedient, um uns zueinander zu führen. Der Kitt, der uns zusammenhält, sind aber die Beziehungen, die dadurch entstanden sind.

Über Fussball nachdenken, sich mit seinen Facetten beschäftigen, heisst zudem weit mehr als nur den nächsten Gegner studieren, mögliche Taktiken oder neue Spieler diskutieren. Vielmehr geht es um gesellschaftliche, zuweilen auch gesellschaftspolitische Fragen: Ist ein Eintrittspreis von 30 Franken wirklich gerechtfertigt? Muss diese permanente Berieselung mit Werbung wirklich sein? Darf es sein, dass Bürgerinnen und Bürger nur aufgrund ihres Hobbys automatisch als Risikofaktor gelten? Warum muss ich mich immer rechtfertigen, wenn irgendwo was schief läuft? Müssen sich denn alle Autofahrer rechtfertigen, wenn ein betrunkener Raser sein Gefährt an einem Baum zerlegt?

Wenn etwas fehlt, wirds selbst gemacht

Ebendiese Fragen und insbesondere das stetige Bedürfnis weiter Teile der Bevölkerung, alle Fans müssten sich stellvertretend für andere rechtfertigen oder gar einschränken lassen, sind es, die mich immer wieder antreiben. Wenn wir ehrlich sind: Genau die Teile der Bevölkerung, die sich über Fussballfans beschweren, bemängeln doch das fehlende Bewusstsein der heutigen Jugend, sich eigenverantwortlich zu engagieren, in Vereinen mitzuwirken oder schlicht etwas Eigeninitiative an den Tag zu legen. Themen, die es in Fussballfanszenen nicht gibt. Hier muss niemand versuchen, die Jugendlichen zu animieren. Sie animieren sich selbst. Wenn etwas nicht passt, wird über mögliche Änderungen diskutiert, die im Idealfall auch gleich umgesetzt werden. Wenn etwas fehlt, wirds einfach selbst gemacht.

Wer kümmert sich denn mit derselben Vehemenz und Ausdauer darum, dass in der Schweiz Freiräume bestehen, wo sich Jugendliche entwickeln und entfalten können? Wer bemüht sich in Diskussionen mit Vereinsvertretern, Polizei, Politik und Medien um einen fairen Diskurs? Um anständige Anspielzeiten? Um angemessene Ticketpreise? Wer arbeitet unzählige Stunden in Fronarbeit, um anderen Stadionbesuchern und vor allem der Mannschaft einige Sekunden schönste Bilder zu präsentieren? Um ihnen für ein bescheidenes Entgelt Informationen und Fanartikel zu verkaufen, ohne jegliches Gewinninteresse?

Erwachsen werden und sein

Fankurven sind Jugendräume, die Fankultur eine Jugendkultur. Hier werden Grenzen ausgelotet, manchmal auch überschritten. Und das ist gut so! Es gehört nun mal zum Erwachsenwerden dazu. Zum Erwachsensein würde eine entspannte Herangehensweise an das Problem gehören. Es ist zugegebenermassen ein schmaler Grat, der zwischen korrekten Sanktionen und überbordenden Massnahmen liegt. Wie man diesen schmalen Grat zurzeit aber absichtlich verfehlt, kann nur mit Arroganz oder Ignoranz erklärt werden.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, wird sich fragen: Warum tut man sich das an? Warum lebt man nicht wie der Grossteil der Bevölkerung? Montag bis Freitag zur Arbeit, am Wochenende in durchkommerzialisierten Läden Geld ver- und Hirn wegsaufen, danach das Ganze von vorne. Ganz einfach: Ich will mein Leben leben, nicht das der anderen.

Natürlich, wenn ich am Sonntagmorgen in aller Frühe in den Zug steige, um ein Spiel in Lausanne zu sehen, bei dem der eigene Klub eigentlich nur verlieren kann, dann habe auch ich mich schon gefragt, warum ich nicht einfach wie alle anderen den ganzen Sonntag verschlafe. Sobald ich aber alle Freunde sehe, sobald ich diese Vorfreude spüre, diese Energie, dieses Gefühl dazuzugehören, dann sind solche Zweifel weggeblasen. Wenn ich merke, dass mich diese Leute hier auf den Boden holen, dass trotz aller Probleme, die es geben mag, hier eine viel heilere Welt herrscht als in praktisch jedem anderen Umfeld, in dem ich mich privat oder beruflich schon bewegt habe, dann weiss ich, dass ich am richtigen Ort bin.

Für vier Spiele durch Europa

Und irgendwann kommt dann diese eine Saison. Wenn nach jahrelanger Berg- und Talfahrt und zwei Abstiegen ein dritter Platz resultiert. Wenn nach diversen Präsidenten und den mit ihnen einhergehenden Problemen auf einmal das Verhältnis zu fast allen anderen Mitspielern in dieser Fussballwelt stimmt. Wenn du zusammen mit Hunderten Gleichgesinnten für vier Spiele durch Europa reist. Dann weiss ich endgültig, warum ich die Finger nicht davon lassen kann.

Weil mir nur der Fussball eine Welt eröffnet, die mich mit konstanten Niederschlägen umgehen lässt, ohne die Hoffnung zu verlieren. Weil nur der Fussball mich lehren kann, wie man Höhepunkte feiert, ohne sie als Selbstverständlichkeit zu sehen. Weil mich der Fussball beziehungswiese das ganze Drumherum als Person gefestigt hat, sodass ich auch im Alltag oder im Beruf immer wieder davon profitiere. Weil mich der Fussball so sensibel gemacht hat, dass ich Ungerechtigkeiten in den verschiedensten Bereichen nicht einfach tolerieren kann. Weil mich der Fussball gelehrt hat, dass der beste Weg immer noch ist, es selbst in die Hand zu nehmen. Weil mich der Fussball in so vielen Bereichen geprägt hat, dass ich ohne Fussball nicht der wäre, der ich bin.

In diesem Sinne triffts ein Lied des Espenblocks genau auf den Kopf: «Äs sind numä 90 Minute – und trotzdem isch äs so vil meh!»

Bild: senf.sg

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

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Musik am See

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Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

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Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5