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Ohren träufeln, Kröten schlucken.

Die unerspriesslichste Wahl des Jahres ist entschieden. Mächler? Friedli? Wir enthüllen: Charles Pfahlbauer jr. kann nichts dafür. Hier der exklusive Vorabdruck seiner Kolumne aus dem nächste Woche erscheinenden Maiheft von Saiten.
Von  Charles Pfahlbauer jr. , 

Obwohl ich mich wie geheissen rechtwinklig verkrümmt und die rechte Kopfhälfte flach gen Himmel gedreht hatte, lief mir die grauschleimige Flüssigkeit immer wieder mal aus dem Ohr über die Wange bis zum Kinn, manche Tropfen schafften es bis zu den Lippen, eine wahrlich bittere Erfahrung. Ciproxin, Ohrensuspension, klägliches Träufeln gegen eine bösartige bakterielle Entzündung, die Folgen eines gewaltigen Ohrenpfropfens. Vielleicht hätte unsereiner besser hingehört, damals, als das Hinhören langsam zum Problem wurde. Aber natürlich passten verstopfte Ohren und trübe Augen bestens zu Apriltagen, in denen der Frühling einfach nicht kommen wollte, und stattdessen der Schneeregen ein grimmiges Comeback feierte. Nulltage mit Nullresultaten, auf Tvaunull verhandelten sie das Nulldrei und und Nullvier und das Nullsieben von Joe’s  Nullenelf, das war so gar nicht wie auf der dauerhoppigen Zeitungsseite «Hopp KMU Tippspiel Sanktgallen»; noch nicht mal nullnull, aber das dafür auf den Strassen: null Leute, und wenn aus dem Nichts doch noch einer aufkreuzte, hatte er null Lust auf irgendwelchen Austausch.

Rundum nur Sachzwangsjackenbefehle

Kopf hoch, die alte Losung musste helfen, aber nur zum Ohrenträufeln. Und dann, ein wenig hirnen, weil Politik. Auch die: ein Nullsummenspiel, wie man so sagt. Nullnullnullnull. Zum Haarölsaufen. Sumpfbiber hatte mich gewarnt: Auch du, Charlie, wirst noch einige Kröten schlucken müssen, um diesen freisinnigen Frosch zu wählen. Okay, das Bild war schief, aber ich wusste, was er meinte. Diese Qualwahl! Aussichten für die Ostrandzone, die einer gallenstädtischen Parkgarageneinfahrt an einem ortstypischen Matschschneetag entsprachen. Gar nichts von Sanders-Bewegung und Feelthebern, sondern rundum nur Sachzwangsjackenbefehle von wegen Machmächlerjetzteinfach gegen das Tonischnüggeli – Augen zu und durch.

Ich tat mein Bestes: Küchentisch, Grüntee, Wahlzettel ausgepackt, Kugelschreiber hinterm Ohr, die Elster auf der Tanne vor dem Fenster grinste nur blöd. Kröten schlucken? Frosch fressen? Ist doch ein Lieber, flöteten alle. Bei allem Würgen – es wollte einfach nicht gehen. Ich tigerte vom Kühlschrank zum Vorratskämmerchen, ich stemmte die verstaubten Hanteln, ich schattenboxte gegen das Kleinere Übel und sortierte trübe Tassen. Ich kam nicht weiter, jede Ablenkung war willkommen, ich zappte durch die Kanäle und landete wieder nur auf Tvaunull, sein Personal fesselt immer ungemein, und erst recht die Gäste: dieses Mal wars ein Tübacher Elvis-Imitator, ein Held aus Disneyland im 3000fränkigen 70er-Elvisanzug, der in einer schummrigen Konzertbeiz in unserer Siedlung am Grossen Pfahlbauersee einen Marathon singen wollte. So weit sind wir gekommen. Love me tender, I wanna be your Teddybär.

I wanna be your vacuum cleaner

Ich stellte ab und legte John Cooper Clarke auf: I wanna be your vacuum cleaner, I wanna be yours. Wollte ich, konnte ich aber nicht, bei dieser Qualwahl. Ich liess Zündhölzer abbrennen, warf Dartpfeile auf die visierten Köpfe und ging sogar in den Hanggarten, um Rossschneckenkandidaten entscheiden zu lassen. Schliesslich legte ich mich aufs Nagelbrett, schluckte viermal leer und – ächz, ähm – wählte dann doch den grundehrlichen Chancenlosen, der mir nach all den Anläufen irgendwie leid tat. Sorry, Sumpfbiber, sorry Braunauge, sorry all die Pfahlgenossen, die mir das Krötenschlucken so innig ans Herz gelegt hatten. Es könnte mir noch leid tun, ich müsste damit leben.

Kein Wunder suchten mich nachts höllische Träume heim, in der schlimmsten Sequenz war ich eingesperrt in der Bad Ragazer Babyfabrik, «HW Baby Center, das grösste Babycenter der Schweiz direkt an der Autobahn mit über 70000 Artikeln für Mutter, Vater, Kind und Baby», ich kroch unter Tausenden schreiender Babies, die meisten davon fett und feucht, kein Entkommen, ein schweisstreibender Alptraum, die Fernsehwerbung hatte offenbar ihre Wirkung getan. Oh je. Vermutlich ist jetzt, da Sie das lesen, doch noch alles gut geworden. Muss ja, wie die Oma sagt. Die Elster auf meiner Tanne grinst nur.

 

Kunstausstellung

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Zumthor plant in Wildhaus

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Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

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Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz