Die rote Sonne verbeugt sich hinter der Bühne, davor wird in musikalischer Fülle stürmisch getanzt und alles treibt und verschmilzt – so sehen Carina Neumers innere Bilder aus, wenn sie an die nahenden Kulturtage Schaffhausens denkt. Als Projektleiterin träumt sie davon, die Stadt in pulsierende Bewegung zu versetzen und die lokale Kulturszene spürbar zu machen.
Ob klassisch oder extravagant, drinnen oder draussen: Vom 15. bis 18. Juni sollen mehr als 35 Orte in der Altstadt kreativ zum Leben erweckt und bespielt werden. Wer also planlos durch die Stadt flaniert, wird zweifelsohne ins facettenreiche Bunt geworfen. Neben bekannten Kulturinstitutionen wie dem Stadttheater, der Haberhausbühne oder dem Munot wird auch dem öffentlichen Raum kulturelles Leben eingehaucht. Ausserdem werden an unterschiedlichsten Plätzen Pop-ups aus dem Boden spriessen, die die Stadtszenerie selbst in ein wandelhaftes Bühnenbild transformieren.
Das Publikum darf sich also auf eine vielschichtige Entdeckungsreise freuen. Denn was anderswo oft brav getrennt wird, will das Kulturfestival bewusst vereinen: Von Performance und Theater über Kunst, Film und Tanz bis hin zu Musik und Literatur ist alles vertreten.
Gemeinschaft und Austausch
In weit über 100 Programmpunkten präsentieren etablierte Künstler:innen, Newcomer und Laien ihr künstlerisches Schaffen. Wie vielseitig die Schaffhauser Kulturszene blüht, darf in diesen Tagen gemeinsam bewundert und gefeiert werden. Sommerlich gelb lädt die Stadt zu sich ein und freut sich schon jetzt auf viele interessierte Augen und Ohren. Und Beine, die sich eifrig Kultur erlaufen möchten.
Ganz im Sinne der regionalen Kulturförderung möchte das Festival auch nach Innen wirken. Die beteiligten Künstler:innen sollen ordentlich unterstützt werden. Nicht nur in Form einer Bühne, sondern eben auch finanziell. «Ganz einfach: Wir honorieren, dass Kultur Arbeit ist», erklärt Carina Neumer.
Kulturtage Schaffhausen: 15. bis 18. Juni, diverse Orte
kulturtage.sh
Was den Kulturtagen Schaffhausens ebenfalls wichtig ist, sind Gemeinschaft und Austausch. Und zwar für alle. Damit die Ticketpreise nicht zum Ausschlusskriterium werden, kostet der Eintritt für die vollen vier Tage 25 Franken. Für die Veranstaltungen unter freiem Himmel wird ein Festivalpass nicht zwingend benötigt. Und wer 16 oder jünger ist, zahlt ohnehin keinen Eintritt.
Alles an diesem Konzept ist neu – und ziemlich aussergewöhnlich. Ohne Vergleichswerte, Planungssicherheit und bestehende Strukturen sei das Konzipieren eine herausfordernde Aufgabe gewesen, so Neumer. Gemeinsam mit den fünf Kurator:innen Marie-Louise Schneider, Noëlle Guidon, Raphael Schemel, Simon Kramer und Thomas Binotto wurde ein wildes Kulturpaket geschnürt, das überraschen, fordern und neugierig machen soll.
Was dieses Jahr als Pilotprojekt vorsichtig seine Flügel entfaltet, wurde unter der Kulturstrategie 2018–2028 sorgfältig gebrütet und schlüpfte im städtischen Kulturamt und Kanton Schaffhausen. Wie es mit dem lokalen Kulturfestival in den folgenden Jahren weitergeht, soll sich nach diesem ersten Flugversuch zeigen. Unverhandelbar ist für die Veranstalter:innen aber schon jetzt: aktiv, vielfältig und sichtbar – das wird die Schaffhauser Kulturszene auch in Zukunft bleiben!
Zerfliessen gewünscht
Wenn die Kulturflut also kommt, heisst es geniessen und Ruhe bewahren. Strikte Zeitpläne und Ordnung? Illusorisch. Zerstreuung und Zerfliessen? Gewünscht! Gerade weil das Programm sich nicht linear von Ort zu Ort zieht, ist es unmöglich, alles mitzunehmen. Um von der Fülle an Angeboten jedoch nicht überspült zu werden, kann es sich lohnen, vorher im Programmheft oder auf der Webseite zu stöbern. Dort können auch die persönlichen Tipps einiger Schaffhauser:innen gelesen werden. Ob und wem dann in Geschmack und Ideenreichtum vertraut wird, bleibt allen selbst überlassen.
Und alternativ: einfach mal treiben lassen, ganz unvorbereitet. Vielleicht extra ins Ungewisse und Unbekannte springen. Vielleicht mit dem Strom schwimmen und nach sympathischem Grinsen Ausschau halten. Vielleicht eine Lieblingsoase entdecken, besetzen und dort verweilen, während es ringsum trubelt und sprudelt.
Oder eben vier Tage in Folge: Sonnenuntergang, Live-Musik und Beine zappeln lassen!
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.