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Sommergelbe Kulturflut

Ab Donnerstag wird Schaffhausen zum Schauplatz eines aussergewöhnlichen Festivals, das allerhand Kultur aus der Stadt in der Stadt präsentiert. Von Performance und Theater über Kunst, Film und Tanz bis hin zu Musik und Literatur ist alles vertreten. von Kiara Francke
Von  Gastbeitrag
Obiges Bild ist Teil der Ausstellung «Augenblicke» von Melanie Duchene. Entstanden ist diese während ihrer Anstellung als Pressefotografin bei den «Schaffhauser Nachrichten». Die Vernissage ist am 15. Juli um 17 Uhr.

Die rote Sonne verbeugt sich hinter der Bühne, davor wird in musikalischer Fülle stürmisch getanzt und alles treibt und verschmilzt – so sehen Carina Neumers innere Bilder aus, wenn sie an die nahenden Kulturtage Schaffhausens denkt. Als Projektleiterin träumt sie davon, die Stadt in pulsierende Bewegung zu versetzen und die lokale Kulturszene spürbar zu machen.

Ob klassisch oder extravagant, drinnen oder draussen: Vom 15. bis 18. Juni sollen mehr als 35 Orte in der Altstadt kreativ zum Leben erweckt und bespielt werden. Wer also planlos durch die Stadt flaniert, wird zweifelsohne ins facettenreiche Bunt geworfen. Neben bekannten Kulturinstitutionen wie dem Stadttheater, der Haberhausbühne oder dem Munot wird auch dem öffentlichen Raum kulturelles Leben eingehaucht. Ausserdem werden an unterschiedlichsten Plätzen Pop-ups aus dem Boden spriessen, die die Stadtszenerie selbst in ein wandelhaftes Bühnenbild transformieren.

Das Publikum darf sich also auf eine vielschichtige Entdeckungsreise freuen. Denn was anderswo oft brav getrennt wird, will das Kulturfestival bewusst vereinen: Von Performance und Theater über Kunst, Film und Tanz bis hin zu Musik und Literatur ist alles vertreten.

Gemeinschaft und Austausch

In weit über 100 Programmpunkten präsentieren etablierte Künstler:innen, Newcomer und Laien ihr künstlerisches Schaffen. Wie vielseitig die Schaffhauser Kulturszene blüht, darf in diesen Tagen gemeinsam bewundert und gefeiert werden. Sommerlich gelb lädt die Stadt zu sich ein und freut sich schon jetzt auf viele interessierte Augen und Ohren. Und Beine, die sich eifrig Kultur erlaufen möchten.

Ganz im Sinne der regionalen Kulturförderung möchte das Festival auch nach Innen wirken. Die beteiligten Künstler:innen sollen ordentlich unterstützt werden. Nicht nur in Form einer Bühne, sondern eben auch finanziell. «Ganz einfach: Wir honorieren, dass Kultur Arbeit ist», erklärt Carina Neumer.

Kulturtage Schaffhausen:
15. bis 18. Juni, diverse Orte

kulturtage.sh

Was den Kulturtagen Schaffhausens ebenfalls wichtig ist, sind Gemeinschaft und Austausch. Und zwar für alle. Damit die Ticketpreise nicht zum Ausschlusskriterium werden, kostet der Eintritt für die vollen vier Tage 25 Franken. Für die Veranstaltungen unter freiem Himmel wird ein Festivalpass nicht zwingend benötigt. Und wer 16 oder jünger ist, zahlt ohnehin keinen Eintritt.

Alles an diesem Konzept ist neu – und ziemlich aussergewöhnlich. Ohne Vergleichswerte, Planungssicherheit und bestehende Strukturen sei das Konzipieren eine herausfordernde Aufgabe gewesen, so Neumer. Gemeinsam mit den fünf Kurator:innen Marie-Louise Schneider, Noëlle Guidon, Raphael Schemel, Simon Kramer und Thomas Binotto wurde ein wildes Kulturpaket geschnürt, das überraschen, fordern und neugierig machen soll.

Was dieses Jahr als Pilotprojekt vorsichtig seine Flügel entfaltet, wurde unter der Kulturstrategie 2018–2028 sorgfältig gebrütet und schlüpfte im städtischen Kulturamt und Kanton Schaffhausen. Wie es mit dem lokalen Kulturfestival in den folgenden Jahren weitergeht, soll sich nach diesem ersten Flugversuch zeigen. Unverhandelbar ist für die Veranstalter:innen aber schon jetzt: aktiv, vielfältig und sichtbar – das wird die Schaffhauser Kulturszene auch in Zukunft bleiben!

Zerfliessen gewünscht

Wenn die Kulturflut also kommt, heisst es geniessen und Ruhe bewahren. Strikte Zeitpläne und Ordnung? Illusorisch. Zerstreuung und Zerfliessen? Gewünscht! Gerade weil das Programm sich nicht linear von Ort zu Ort zieht, ist es unmöglich, alles mitzunehmen. Um von der Fülle an Angeboten jedoch nicht überspült zu werden, kann es sich lohnen, vorher im Programmheft oder auf der Webseite zu stöbern. Dort können auch die persönlichen Tipps einiger Schaffhauser:innen gelesen werden. Ob und wem dann in Geschmack und Ideenreichtum vertraut wird, bleibt allen selbst überlassen.

Und alternativ: einfach mal treiben lassen, ganz unvorbereitet. Vielleicht extra ins Ungewisse und Unbekannte springen. Vielleicht mit dem Strom schwimmen und nach sympathischem Grinsen Ausschau halten. Vielleicht eine Lieblingsoase entdecken, besetzen und dort verweilen, während es ringsum trubelt und sprudelt.

Oder eben vier Tage in Folge: Sonnenuntergang, Live-Musik und Beine zappeln lassen!

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2