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Tivoli goes transcendental – Freiraum verschwindet

Der vielleicht authentischste Offspace St.Gallens schliesst seine Türen per Ende März. Ein himmeltrauriger Abgesang und eine wehmütige Würdigung.
Von  Michael Felix Grieder , 

Beim ersten Hinhören ist es zumindest eine weitere Tragödie im nicht übermässig grossen Feld der Freiräume St.Gallens. Die Liegenschaft am Tivoliweg 5 wechselte den Eigentümer, einhergehend damit muss das stadtbekannte Variété Tivoli weichen. Laut Informationen der Mieterin und Variété-Direktorin Nadine Wismer will der neue Besitzer schnellstmöglich zu bauen beginnen, damit dürfte eine kulturelle Nutzung zu vergleichbaren Konditionen unmöglich werden.

Mit der Kündigung verliert die Alte Mühle am Wiesenbach deren Seele. Das Tivoli war Stube, Museum, Werkstatt, Proberaum, Musikschule, Wohnung und regelmässig die Bühne, die der Stadt zuvor fehlte, und bald – schmerzlich – wieder fehlen wird. Aber das Tivoli war auch eine Philosophie, eine Ästhetik, wenn auch eine prekäre: Nunmehr sechs Jahre arbeitete die Künstlerin unermüdlich für das Kulturleben, niemals ging es ihr um Profit, einzig interessierte sie «Wert» so ganz fern vom Ökonomischen; die sozialen, kulturellen Inventionen, die unsere Existenzen schlussendlich überhaupt erst interessant machen.

Eine Wechselausstellung ohne solche Betitelung trug viel zum Ambiente bei: unverhofft findet man sich zwischen Wismers Malerei, Skulpturen, Objets trouvés und originalgraphischen Plakaten staunend gefangen auf einer faustrollschen Expedition. Gleichermassen auf der Abfahrt in eine andere Welt wie ankommend von irgendwo liess das Tivoli die Vernunft kapitulieren und das Wahnsinnige, Anormale brillieren – unentschieden ob Beklemmung oder Euphorie obsiegen wird bei der Rezeption dieser ungewohnten Freiheit. Dieser zu entkommen war wohl die einzige Unmöglichkeit in diesem so andersartigen Raum.

Die radikale Unbestimmtheit bedeutet der Kunst einen maximal fruchtbaren Boden, wobei diese Metapher fälschlicherweise einen festen Halt suggeriert, dabei sollte aber eher an ein wellenreiches Substrat gedacht werden: durchaus tragend, aber referierend an die klimatische Umgebung und demnach keineswegs ungefährlich. Doch Sicherheitsdenken ist der Kunst ohnehin spinnefeind.

Unzählige Artist_innen bespielten die Tivolibühne und schufen in Kommunikation mit dieser raren Umgebung Unvergessliches: magische Lieder-, Musik-, Tanz-, Theater-, und (natürlich) Zaubereiabende. Schmelztiegel, Kulminationspunkt und Manifestation dieser schieren Vielheit waren die verrückten Variété-Abende, bei welchen ohne falsche Rücksicht Kategorien und Grenzen gesprengt wurden, regelmässig auch die zwischen Act und Publikum.

Eine Ära geht also zu Ende. Den Heimatlosen geht mit dem Tivoli ihre Zuflucht verloren, den Narren ihr Schiff, der Poesie ein Herz und der Stadt einer ihrer kreativsten und wichtigsten Orte. Beruhigend ist daran einzig, dass die Künstlerin «Nada» künftig ohne fixe Ortsgebundenheit wirken kann. Eine Institution verschwindet, wann und wo und für wie lange sich das Raum- und Zeitschiff wieder materialisieren wird, davon darf man sich überraschen lassen.

 

Der letzte Variété-Abend findet als «Grande Finale» am Samstagabend statt.
Das Märzprogramm ist hier zu finden.

Bild: Nadine Wismer

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House of change larisa baumann 1

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Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

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2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

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Cecileund Pina300dpi

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Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

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Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

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Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle