C'est ca! Camper Van Beethoven machten das Schlusslicht vor der Sommerpause im Palace. Ein Highlight am Ende einer vielfältig kribbligen Saison.
Die Reihen waren schön voll, bei den schnellsten Gipsy-Ska-Country-Hauern rempelte man sich schon mal an, beim grossartigen „The Day Lassie Went to the Moon“ rissen viele die Arme hoch, denn die Band tat genau bei diesem Song so richtig auf. Es war laut, die eine Gitarre surrte während des ganzen Auftritts durchgehend sympathisch im Hintergrund. Ein Horror für alle Audiophilen – wobei der Blumenberg-Hausmischer, jener grossartige, der auch hier wieder am Pult stand, es bestimmt genau so charmant fand wie ich, right? Das kleine Bisschen Schotter brauchte es schon, sonst hätte der Auftritt vielleicht etwas zu feingeschliffen gewirkt. Was jetzt keine Kritik sein soll; eine gewisse Routine ist fast unumgänglich, wenn David Lowery, mittlerweile auch älter geworden, seine Stücke, die sich zwischen in den 80er- und 90er-Jahren im sechsstelligen Bereich verkauften, hervorkramt. Von dieser Routine aber profitiert gerade der Humor dieser Band. Ist es nicht die vollkommene Ironie, wenn Lowery immer wieder abgekocht „Bring to me the antivenom, and make a sandwich, make me a sandwich“ singt, und sich dazu die twangigen Gitarren unbeholfen die Tonleitern rauf und runter hangeln? Unter den weiteren Highlights sind neuere Stücke zu nennen; etwa das Northern California Girls, vom diesjährig erschienenen Album
Wie auch immer, ob mit Brummen oder ohne: Viele freuten sich über die sympathische Band aus Santa Cruz, die übrigens mit Ersatz-Bassist auf der Bühne stand, weil der eigentliche Mann Victor Krummenacher (auch Gründungsmitglied) gerade mit den Counting Crows auf Tour ist – und nicht nur über den Hit Take The Skinheads Bowling. Bei den älteren Gästen (die waren für einmal in der Überzahl) wirkte vielleicht auch ein wenig Nostalgie mit, die jüngeren, welche weder mit Camper noch mit Lowerys anderer Band Cracker vertraut sind, wunderten sich darüber, wie die Songs, perfekte Punk-Rock-Country-Ska-Gipsy-Americana-Kompositionen, auch heute funktionieren. Aus der Zeit gefallen eben. Ein wichtiges Stück Musikgeschichte, das 2013 auch spannend ist.
Auch schon irgendwie Musikgeschichte, zumindest regionale, schreiben Painhead, die das Konzert eröffneten. Seit 18 Jahren spielen sie zusammen, die vier Freunde aus Rorschach (okay, heute leben nur noch eineinhalb von ihnen am See). Musikalisch passte das ziemlich gut zu den Männern aus Kalifornien, auch wenn sie nicht so „abdrückten“ wie sonst schon. Schonung? Painheads Palace-Auftritt war nämlich auch die Hauptprobe für ihr morgiges Konzert. Vor den Toten Hosen. In der AFG-Arena. Vor 20’000 Leuten, sofern die dann alle schon so früh im Stadion sind. Für lau („dass ihr das spielen könnt, ist schon Belohnung genug“), was gut unterrichtete Quellen zwitscherten, und worüber man eigentlich einen seperaten Blogeintrag oder ein Kapitel zum Buch „Was zum Teufel ist Euch die Kultur wert?“ schreiben müsste.
Jetzt aber wieder weg von der lausigen Event AG, zurück zum Palace, einen der wohligsten Konzertorte hierzulande. Mit dem Booker, Damian Hohl, stiess ich spätnachts noch an. Wie er die Saison so fand? «Recht gut, ich bin erfreut, es gab viele Überraschungen». Er nennt Beispiele, etwa die Young Fathers, die Ende April die perfekte musikalische Mischung der Tristesse der nasskalten Strassen Schottlands mit Einflüssen afrikanischer Musik von der Bühne peitschten.
Weiter erinnert man sich gerne an Highlights, wie etwa das Lambchop-Konzert, so wohltuend wie ein Kaminfeuer in schwarzer Winternacht, schön gespickt mit abgebrühten Sinatra-Witzen. Oder die Doppelkonzerte von Züri West oder Sophie Hunger, nach denen nun auch unsere Eltern und Tanten wissen, wie’s da so aussieht, wo wir uns Wochenends rumtreiben. Dann wären da all die Heimband-Releasekonzerte, etwa jenes der Thomaten & Beeren, die ihre Strahlen der Liebe aussendeten, so gut, dass viele meinten, man könnte sie tatsächlich spüren, diese Strahlen.
Oder wow, White Fence, DJ Marcelle, Mykki Blanco, Teen, Ariel Pink, Ghostpoet, Sea and Cake… Künstler, die man zeitweise alle gleichzeitig auf der Pitchfork-Titelseite sehen konnte, und die mit ihren Gastspielen im Palace die Stadt St.Gallen um einiges grösser machen.
Aber jetzt ist erstmal Sommerpause. Damian Hohl freut sich darauf, meint er. Sekunden später reden wir aber schon wieder über „Wire“, die dann im Oktober kommen. Was für eine Sensation!
Wohin führt das? St.Gallen, das Konzertquartier von Zürich, getrennt durch einen grossen Naturschutzpark, durch den die Autobahn führt? So zumindest soll es (im vollen Ernst) ein DJ gesehen haben, sein Name ist mir entfallen, welcher für seinen Auftritt von einem Palace-Mitarbeiter am Flughafen Kloten abgeholt wurde.
Also, it’s close to the deadline, zumindest für diese Saison. Einen schönen Sommerputz, dear Palace.
https://www.youtube.com/watch?v=foNJGsGwczw
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit