Das gleich vorweg: Das neue Missue-Album «8K» klingt trotz typischer Elemente anders als die Vorgänger «Tides», «Threshold», «Exit» und «Outsider». Mit «8K» legen die beiden St.Galler Atilla Bayraktar und Philipp Gnägi erstmals ein Konzeptalbum vor, bestehend aus vierzehn Tracks über die vierzehn höchsten Berge der Erde, den berüchtigten Achttausendern, wovon sich zehn im Himalaya befinden.
Topografie des Inhalts
Das Artwork zum Album ist vielversprechend und kommt aus der Küche von Larissa Kasper und Rosario Florio, die auch für die Saiten-Grafik verantwortlich sind. Und es sticht definitiv in jeder Auslage heraus: Das Cover ist ein Acrystal-Relief, eine schwarze Topografie des musikalischen Inhalts. Für die Negativformen aus Silikon haben Kasper-Florio einen 3D-Drucker verwendet, gegossen haben sie die auf 500 Stück limitierte Auflage selber.
Der Inhalt ist nicht ganz so eigenwillig wie die Verpackung. Er erinnert an Boards of Canada, ist aber tanzbarer und kommt weniger experimentell und geisterhaft daher. Wären die Sounds etwas filigraner, könnte «8K» schon fast ein Schwester-Album sein zu Pantha du Princes 2009er-Schmuckstück «Black Noise». Ob diese Verwandtschaft gewollt ist oder der alpinen Inspirationsquelle zu verdanken? Sicher ist jedenfalls, dass sich Hendrik Weber auf «Black Noise» von den Schweizer Bergen hat inspirieren lassen.
Die Berge sind auch bei Missue deutlich zu hören. Auf dem Weg zu ihren Gipfeln geht es über hörbar schneebedeckte Plateaus, durch Eishöhlen und gefährliche Steilwände dem Himmel entgegen. «8K» ist ein solides Album. Hochalpin, ja, aber für echte Achttausender hört man etwas wenig Abgründe, Schweiss und Verzweiflung. Oder wie ein Freund gestern so treffend sagte: «Berge können doch so grausam sein.»
Hymnen an die Unfassbarkeit
Um wirklich grausam zu sein, sind die Sounds schlicht zu schön, «zu säntis» irgendwie. Die Gefahr und gleichzeitige Schönheit der Kolosse ist aber trotzdem immer wieder zu spüren, «Nanga Parbat» beispielsweise bringt diesen Widerspruch ziemlich auf den Punkt. «Gasherbrum I» erzählt mit minimalen Breakbeats und schneebedeckten Pianoakkorden vom beschwerlichen Aufstieg, «Gasherbrum II» wiederum vertont das Gefühl auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges im Grenzgebiet zwischen China und Pakistan: erschöpft ankommen und nach den Wolken greifen.
Zurück zur wilden Schönheit: Der «Annapurna», einer der gefährlichsten Berge, ist auf «8K» mit melancholisch-schönen Tönen vertreten und lässt dabei erahnen, wie sich die ganze Unfassbarkeit eines Achttausenders anfühlen muss. Ebenso wie «Gosainthan», oder Shishapangma, wie der niedrigste der vierzehn Achttausender heute genannt wird. Ihm widmen Missue zum Schluss eine Art Synthie-Hymne, die von der grenzenlosen Weite auf den höchsten Gipfeln der Welt erzählt.
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«8K»-Taufe: Samstag, 11. Oktober, 22 Uhr, Palace St.Gallen Infos: palace.sg, missuemusic.com
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