Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, wie es war, als der alte Schwarzweissfernseher durch ein Farbgerät ersetzt wurde. Eines Tages erschienen plötzlich die bekannten, oft gesehenen Fernsehhelden in Farbe – in anderer Farbe. Denn in Farbe hatten wir sie immer schon gesehen, aber eben nicht in der nun Gezeigten. Unser Hirn hatte die Grauwerte in eine individuelle Version von Farbtönen umgedeutet.
Schwarz und Weiss und deren unzählige Abstufungen tragen bereits das gesamte Potential der Farbe in sich. Selbst in einem ein einzigen Grauton oder einem einzigen Farbton verbergen sich alle Farben der Welt – wenn ihn Hans Schweizer aufs Papier bringt.
Hans Schweizer: Dach 2017, Tusche auf Papier
Selbst das weisse Zeichenpapier trägt die Farben in sich. Keine der Zeichnungen des Künstlers ist monochrom, auch wenn sie nur in einer Farbe ausgeführt ist, denn das helle Papier ist nicht nur Untergrund, sondern Teil jeder Komposition und Struktur und damit jeder Landschaft, ob am Meer oder in den winterlich verschneiten Bergen. Aresquier (Plage) und Ftan zeigen dies aufs Schönste, gefolgt von Rosenberg (Winter). Mit diesen drei Farbstiftzeichnungen beginnt die Ausstellung «Hans Schweizer – How are you».
Spannung von Bild zu Bild
Bild für Bild reiht sich in der hierarchiefreien Hängung aneinander: viele Zeichnungen, einige Grafiken aus den 1970er Jahren und Gemälde aus den Jahren 2000 bis in die jüngste Zeit. Die Werke sind fast alle ungerahmt und hängen meist nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. So entsteht eine Erzählung von Bild zu Bild über die gesamte Ausstellung hinweg. Sie kommt ohne spektakuläre Wendungen aus und besitzt doch einen grossen Spannungsbogen mit gut gesetzten Akzenten beispielsweise unterhalb der Dachfenster in der Propstei St.Peterzell.
Bis 17. September
Sonntag, 20. August: Rundgang durch die Ausstellung mit Hans Schweizer und Angela Kuratli Sonntag, 3. September: Jirí Makovec ergänzt die Ausstellung mit Videoarbeiten
ereignisse-propstei.ch/
Hans Schweizer verzichtet auf die vielbeachteten Solitäre in der Landschaft und richtet den Blick stattdessen auf das Beiläufige, das unbeachtete Bekannte, aber nicht minder Bedeutungsvolle: auf den begradigten, brückenüberspannten Rhein bei Diepoldsau und Kriessern, auf hiesige Dachlandschaften oder auf das heterogene Häuserfeld der Stadt, samt dominantem Rathaus. Letzteres tritt in einen sinnfälligen Dialog mit den vor bald fünfzig Jahren entstandenen «Boxen». Beide vereint die grosse geschlossene Form. Auch sie ist unspektakulär, aber umso anspruchsvoller ins Bild zu setzen. Wichtiges Element dabei ist die Binnenzeichnung, ob in der architektonischen Gliederung oder der Maserung.
Hans Schweizer: Teppich 2017, Tusche auf Papier
Architektonische und textile Strukturen haben Schweizers Interesse immer wieder geweckt, aber auch der die Landschaft überspannende Himmel taugt für die zeichnerische, schraffierende Umsetzung. Den Ahnherrn für die sorgfältige, minutiöse Gestaltung des Himmels zitiert Schweizer in der Ausstellung gleich selbst. Das für die Ausstellung titelgebende Werk How are you (Berlin) zeigt Caspar David Friedrichs Frau am Fenster neben François Pascal Simon Gérards Madame Récamier.
Im Status des Schwebens
Während der deutsche Romantiker nicht nur bekannt war für seine grandiosen Himmelsdarstellungen, sondern auch die Aufmerksamkeit für jedes Weltdetail, so steht der französische Klassizist für ausserordentliche zeichnerische Fähigkeiten, die auch seine Gemälde auszeichnen. Gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Ingres sah er die Linie als das sinnliche und geistige Element des Gestaltens an. Die Linie dient der Ordnung, der Bewegung und sie ist Träger der Farbe – wie bei Hans Schweizer. Zugleich steht Madame Récamier für den Moment des Innehaltens, der auch auf den Bildern Hans Schweizers zu erleben ist, der Menschen und Fahrzeuge ergreift und ruhig über den Landschaften liegt.
Als «Status des Schwebens» hat ihn Rolf Bossart in seinem Beitrag zum Ausstellungskatalog charakterisiert. Beides, Ausstellung und Büchlein, dokumentieren eindrucksvoll, wie vital die Arbeiten des im Strahlholz in Bühler lebenden 75-jährigen Künstlers sind.
Der FC St.Gallen nützt eine frühe rote Karte gegen Lugano gnadenlos aus und schickt den bisher so souveränen Leader gleich mit 5:0 nach Hause. Ein denkwürdiger Nachmittag zum Nachlesen hier im SENF-Ticker.
Bücherherbst
Das Naturmuseum St.Gallen eröffnet Mitte November zum zehnjährigen Bestehen seines Neubaus den Ausstellungsbereich «Mensch und Universum». Zwischen Klimakrise und Sternenhimmel geht es um eine ziemlich grosse Frage: Wo stehen wir eigentlich?
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
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In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
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Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
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Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.