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Nacht und Tag im Taubenschlag

«Nacht und Tag im Taubenschlag» ist der Titel der Herbstausstellung von Kinderbüchern aus den 70er-Jahren in der Probstei St.Peterzell. Für einmal ist das Berühren und Betrachten der Exponate nicht verboten. von Michael Hug
Von  Gastbeitrag
Berühren ausdrücklich erlaubt! (Bild: Michael Hug)

Ja Kinderbücher. Auch Kinderbücher können aus dem Blickwinkel der Kunst betrachtet werden. Davon überzeugt ist Luca Beeler, der zusammen mit Cédric Eisenring und Carmen Tobler Kinderbücher sammelt. Für die Ausstellung im Dachgeschoss der St.Peterzeller Probstei haben sie rund 250 Kinderbücher aus aller Welt zusammengetragen.

Würden sie den Erscheinungszeitraum nicht auf die 70er-Jahre beschränken, wären es wohl einige mehr. Gemäss ihrer Aussage markierten die 70er einen Höhepunkt in Bezug auf Fülle sowie bildnerische und mediale Experimentierfreudigkeit bei Kinderbüchern. Womit auch gesagt ist: Bei der Sammlung Beeler, Eisenring und Tobler handelt es sich um Bücher mit Fokus auf bildhafte Narrative, also Bilderbücher für Kinder im Vor- und Grundschulalter.

Nacht und Tag im Taubenschlag

Für «Ereignisse Probstei», das sich als Plattform für Alltagskunst versteht (und als Verein mit Alt-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz an der Spitze organisiert ist) ist es die 15., jährlich jeweils im Anschluss an die Sommerferien stattfindende Ausstellung. Die 250 gebrauchten, teilweise vergriffenen oder nur noch in Antiquariaten oder Flohmärkten erhältlichen Bücher, sind in sechs Themenbereiche geordnet. Und sie sind keineswegs nur aus der Distanz betrachtbar. Im Gegenteil, es ist erwünscht, in diesem Fundus zu stöbern, «Hand anzulegen», zu blättern, zuzugreifen und zu begreifen. Und zu träumen. Auch als Nichtmehr-Kind.

Angela Kuratli, die bereits ihre dritte Ausstellung in der Probstei kuratieren darf, schreibt in der Einleitung zu Nacht und Tag im Taubenschlag: «Kinderbücher sind Narrative, die von Eltern ins Kinderzimmer gebracht werden. In dieser intimen Umgebung und begleitet durch die Stimme der Lieben werden sie vermittelt und überschreiten dennoch die geschützte Sphäre des Privaten in Richtung sozialen Raumes.»

Konkrete Erwartungen

Konkrete Erwartungen und Hoffnungen – auf Eltern- wie auf Kinderseite – gehen mit Kinderbüchern einher, so Kuratli: «Mit der romantischen Vorstellung des Ursprünglichen und kindlich Naiven, mit aufklärerischer Erziehung oder mit der Entdeckung des Kindes als utopische Masse und Träger der Zukunft. Sie demonstrieren eindrücklich, wie sehr diese Narrative den Idealen und Vorstellungen von Kindheit und Gesellschaft unterliegen.»

So viele Gedanken werden sich die Eltern der 70er-Kinder nicht gemacht haben. Die mehrheitlich erwachsenen Besucherinnen und Besucher an der Vernissage vom vergangenen Freitagabend wohl auch nicht.

Nacht und Tag im Taubenschlag: bis 18. September, Dachgeschoss der Probstei St.Peterzell. Infos und Begleitveranstaltungen: ereignisse-propstei.ch

Eine Frage bleibt: Ist es Kunst? «Das Kinderbuch verbindet in sich die verschiedensten Disziplinen von Kunst, angewandter Grafik und Literatur bis zur Pädagogik», sagt Sammler Luca Beeler. Die ausgestellten Bücher aus seiner Kollektion – die bereits in Basel und demnächst auch an anderen Orten gezeigt wurden und werden – hätten ihre erzieherische, manchmal auch rein unterhalterische Aufgabe längt abgelegt und können nun aus der zeitlichen Distanz auch als Kunstwerke entdeckt werden.

In der Tat unterscheiden sich die Illustrationen der in einer kurzen Epoche – plusminus 20 Jahre – erschienenen Bilderbücher stark voneinander. Die Bandbreite des zeichnerischen Ausdrucks, bedingt auch durch die internationale Herkunft der Werke; unter anderem Europa, Japan, Russland oder die USA, nahm vor 40 Jahren die Vielfältigkeit heutiger Graphic Novels für Erwachsene schlicht vorweg.

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