Es war ein gutes Fest am Samstagabend in der Grabenhalle. Ausverkauft, energiegeladen und solidarisch. Die erste Band zum Beispiel, The Rule aus Flawil, freute sich riesig über «die geile Stimmung – und die sieben weiteren geilen Bands!». Da konnte man fast vergessen, dass bandXost eigentlich ein Wettbewerb ist. Ähnlich sah es auch der Frontmann von Hielo aus Schaffhausen nach dem letzten Stück: «Vergesst, dass das ein Contest ist! Es ist so ein geiler Abend!».
bandXost-Sieger 2016 sind Catalyst aus St.Gallen. Damit sind die zwei Jungs nun um sechs professionelle Studioaufnahmen, persönliche Coachings und einige Auftritte reicher. Gesamtwert: 8000 Franken. Platz zwei (4000 Franken) ging an Afternoon Daydreams aus dem Rheintal, Platz drei (500 Franken) an Hielo aus Schaffhausen.
Minderjährige Rampensauen
Catalyst machen Grunge, konnte man lernen, Afternoon Daydreams machen Dreampop und Hielo seien die «Meister der harten Riffs». Wobei ich persönlich diesen Titel an The Rule vergeben hätte. Was für Rampensauen! Und noch nicht einmal volljährig. Die Sieger meines unqualifizierten Rankings wären The Harbs aus St.Gallen gewesen. Dieser Drummer. Wow. Really nice Handwerk!
Wie gesagt, ein gelungener Abend, an dem es musikalisch kaum etwas zu meckern gab, ausser hin und wieder ein paar unverständliche Lyrics. Aber, und das soll nicht an die Adresse einer einzelnen Band gehen: Es waren einfach zu viele Gitarren da. (Fast) alles war irgendwie Rock. Oder Grunge. oder Hardrock oder Postpunk oder wie die Subgenres alle heissen. Und zugegeben, ich bin diesbezüglich auch nicht gerade sehr kompetent – aber ich erkenne das Geläufige, wenn ich es höre. Und das waren die Songs allesamt. Geläufig.
Wieso klingt alles wie eine Neuauflage?
Alle Bands sind verdammt gut im Imitieren. Sie klingen wie AC/DC, Billy Talent, Muse oder meinetwegen wie Nirvana. Nur, wo bleibt der eigene Sound? Ich weiss, dass man diese Frage nicht unbedingt im Rahmen eines bandXost-Wettbewerb stellen soll, aber trotzdem: Wo ist der Eigenwille der heutigen Musikgeneration? Oder böser gefragt: Wieso klingt alles wie eine Neuauflage des längst Dagewesenen?
Ich habe wirklich nichts gegen Gitarren. Ich frage mich nur, warum das meiste so tönt wie das, was unsere Eltern (oder mittlerweile Grosseltern) schon gemacht haben. Liegt es daran, dass die Welt auf tendenziell Gehörfälliges steht? Liegt es an dieser elenden, ständig oszillierenden Postpostpostmoderne? Liegt es daran, dass wir, wie unter anderem der britische Musiktheoretiker Mark Fisher sagt, von der Popkultur ohnehin nur noch Retro erwarten können, da das der beherrschende Modus im Geschäft ist? Antworten sind willkommen.
Nach Südafrika schauen
Nochmal, das soll kein Affront gegen die acht bandXost-Finalisten sein. Es sind Fragen von grundsätzlicher Natur und solche, die die heutige Popkultur im Allgemeinen betreffen. Und letzten Samstag haben sie sich nun mal sehr offensichtlich gestellt. Es muss ja nicht gleich Hauntology sein, aber mir fehlt das Neuartige, das Disruptive, das Weltbewegende. Ich würde mir wünschen, dass Popmusik wieder radikaler würde – zukunftsträchtiger.
Vielleicht würde es auch schon reichen, sich mal etwas öfter im Rest der Welt umzuschauen. Auf meine Frage, ob man sich denn überhaupt noch aufregen darf über das ganze Retro-Gedöns, nachdem das Mark Fischer oder auch Simon Reynolds in seinem Buch Retromania bereits zur Genüge getan haben, meinte ein guter Freund nur: «Nach Südafrika schauen – da gibts kein Retro: Wer will schon Apartheid leben? In Südafrika schauen alle nach vorne. Man ist sich selber am finden – und will sich dem Rest der Welt zeigen.»
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.