Würde man sich von einem Holzfäller massieren lassen? Oder würde man zur Lebensberatung die Polizei aufsuchen? Nein? Dann sollte man sich vor Musikjournalismus ehrlicherweise genauso in Acht nehmen.
Kann es denn gut gehen, Worte zu bemühen für etwas, das ohnehin gehört, gefühlt, erlebt werden soll? Um dieser Schwierigkeit adäquat zu begegnen, halten es etliche Bands für sinnvoll, das worldwideweb mit geisterhaften PR-Texten zuzumüllen, welche Zeitmangel und Phantasieblockaden in den Schreibstuben entgegenwirken sollen.
Vorwarnung inklusive Plattenkritik
Dabei geht verloren, was man «Kritik» zu nennen geruht, also die produktive, Regime-untreue und dadurch unterhaltsame Besprechung – eine Art Gewürz mit anarchistischem Goût, welches die Bretter, die die Welt bedeuten, abschmecken sollte. Fehlt dieses, beenden Gourmets in der Regel ihre Nahrungsaufnahme, um sich den Magen nicht zu verderben.
Die Liedbeschreibungen im Booklet der neuen Scheibe 70% Wasser von King Pepe & Le Rex entgehen dieser Gefahr. Zwar künden sie eine Baby-Jail-Klatsche bei 2 Minuten 30 an, erklären, dass das schwer wiegende Luschtig si wär anders verminderte Akkorde enthält, verraten den Arbeitstitel von Seife nei und dass im Lied Seligpreisungen ein Melodica-Solo vorkommt.
Geballte dadaistische Bösartigkeit
Die Kritik wird aber grad mitgeliefert, das erste Stück, Goldfisch, sei ganz in Fis-Moll und hänge leicht ins Nervige. Nadescha Tolokonnikova dafür sei ein vorgetäuschtes Liebeslied, worin Pepe der bevorzugten Attitude des ernstzunehmenden Schweizer Künstlers frönt: dem Leiden an Schicksalslosigkeit. So träumt er mit Nadescha gemeinsam, duurend die Faust in die Luft zu halten, auch einmal irgedwie beniide werde, bedütsam sy.
Das ganze Album, sehr gefühlvoll in piratischer Manier begleitet von Le Rex, klingt Pepe derart lieblich, dass man dringend misstrauisch werden sollte. Allerdings passt Rex zu Pepe wie der Arsch auf den Eimer (Pablo Haller), und das Gesamtpaket ist eine dadaistische Bösartigkeit, wie sie der schicksalslosen Käse-Insel schon seit längerem nicht mehr widerfahren ist.
Und da Selbstironie so sehr zur Sache passt – folgendes: Mein Metier sind die Wörter, also geht das Konzi gefälligst auch hören. Und kauft die CD, nur schon wegen dem Heftli. Husch!
King Pepe & Le Rex live: Donnerstag, 11. Dezember, 21 Uhr, Palace St.Gallen.Aftershow mit Sir Dancealot, weitere Infos: palace.sg, kingpepe.ch
Bilder: pd.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
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Musik
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Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.